Bundesfinanzhof
Pressemitteilung Nr. 13
vom 23.05.2001



Besteuerung von Aktienoptionen als Arbeitslohn



Im Rahmen moderner Vergütungssysteme räumen Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern vielfach nicht handelbare Optionen auf den späteren Erwerb von Aktien ("stock options") zu einem bestimmten Übernahmepreis ein. Gegenstand der steuerlichen Diskussion ist in diesem Zusammenhang vor allem die Frage danach, zu welchem Zeitpunkt dem begünstigten Arbeitnehmer der in solchen Optionen liegende Wert zufließt, ob im Zeitpunkt ihrer Gewährung (sog. Anfangsbesteuerung) oder aber im Zeitpunkt ihrer Realisierung (sog. Endbesteuerung).

Der I. Senat des BFH hat sich durch Urteile vom 24. Januar 2001 - I R 100/98 und I R 119/98 - für die sog. Endbesteuerung entschieden. Im Zeitpunkt der Gewährung des Optionsrechts werde lediglich eine Chance eingeräumt. Erst die Ausübung der Option führe zum Zufluss eines geldwerten Vorteils, vorausgesetzt, der Kurswert der Aktien übersteige den Übernahmepreis. Dieser Unterschiedsbetrag sei zu besteuern.

Allerdings werde das Optionsrecht regelmäßig nicht gewährt, um dadurch in der Vergangenheit erbrachte Leistungen abzugelten. Ziel der Optionseinräumung sei vielmehr eine zusätzliche besondere Erfolgsmotivation für die Zukunft zur Steigerung des Unternehmenswertes ("shareholder value"). Trotz der Endbesteuerung müsse daher der gesamte Zeitraum zwischen Gewährung und Ausübung des Optionsrechts als Erdienungszeitraum angesehen werden. Stehe das Besteuerungsrecht für die Einkünfte des begünstigten Arbeitnehmers in diesem Zeitraum aufgrund Abkommensrecht teilweise Deutschland und teilweise ausländischen Staaten zu, sei deswegen auch der durch Ausübung des Optionsrechts zugeflossene geldwerte Vorteil zeitanteilig aufzuteilen. In dem Urteilsfall I R 100/98 betraf dies einen Arbeitnehmer, der nach Gewährung, aber vor Ausübung des Optionsrechts von der unbeschränkten in die beschränkte Steuerpflicht gewechselt war. In dem Urteilsfall I R 119/98 waren die Optionsgewinne eines Arbeitnehmers anteilig steuerbefreit, der zwischen Gewährung und Ausübung des Optionsrechts eine Auslandstätigkeit ausgeübt hatte.

Die Entscheidung ist unter www.Bundesfinanzhof.de im Internet abrufbar.

Entscheidung vom 24.01.2001 - I R 100/98, I R 119/98