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Pressemitteilung des Bundesfinanzhofs
Nr. 4 vom 29. Januar 1998



Vizepräsident des Bundesfinanzhofs Dr. Albert Beermann und Vorsitzende Richterin Dr. Ruth Hofmann treten in Ruhestand



Mit Ablauf des 31. Januar 1998 treten der Vizepräsident des Bundesfinanzhofs Dr. Albert Beermann und die Vorsitzende Richterin am Bundesfinanzhof Dr. Ruth Hofmann nach Erreichen der Altersgrenze in den gesetzlichen Ruhestand.

Albert Beermann, geboren am 6. Januar 1933 in Emsdetten, Westfalen, trat nach dem Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an der Universität Münster im Jahr 1962 in den Dienst der Zollverwaltung ein. Nach mehrjähriger Tätigkeit als Referent bei der Oberfinanzdirektion Münster und Leiter des Hauptzollamts Oldenburg war er von 1968 bis 1972 wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesfinanzhof in München. Anschließend arbeitete er als Referent für die Organisation der Zollverwaltung im Bundesministerium der Finanzen in Bonn.

Am 1. Dezember 1977 wurde Albert Beermann zum Richter am Bundesfinanzhof ernannt und ist seither Mitglied des für Zölle, Verbrauchsteuern und Marktordnungsrecht zuständigen VII. Senats. Im Oktober 1990 wurde ihm der Vorsitz in diesem Senat übertragen. Vier Jahre später wurde er zum Vizepräsidenten des Bundesfinanzhofs ernannt.

Vor Übernahme des Vorsitzes im VII. Senat war Albert Beermann neben seiner richterlichen Tätigkeit Präsidialrichter und Vertreter des Pressereferenten. Ebenfalls mehrere Jahre gehörte er dem Präsidium und dem Präsidialrat des Gerichts an. Über 18 Jahre lang war er schließlich mit der Einführung und später dem Ausbau der EDV für die richterliche Tätigkeit im Bundesfinanzhof befaßt.

Albert Beermann ist auch wissenschaftlich durch zahlreiche Aufsätze sowie als Mitautor des Standardkommentars zur Abgabenordnung und Finangerichtsordnung von Hübschmann/Hepp/Spitaler als Herausgeber des mehrbändigen Werks "Steuerliches Verfahrensrecht" hervorgetreten. Seit 1995 nimmt er einen Lehrauftrag für Allgemeines Steuerrecht mit den Fachgebieten Finanzverfassung und Abgabenordnung an der Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster wahr.

Die in München gebürtige Steuerjuristin Ruth Hofmann begann ihre Laufbahn in der bayerischen Finanzverwaltung. 1968 wurde sie Richterin am Finanzgericht in München, im Jahr 1975 wählte sie der Richterwahlausschuß zur Richterin am Bundesfinanzhof. Hier war sie Mitglied im II. Senat - zuständig für Verkehrsteuern und die Einheitsbewertung - und im Umsatzsteuersenat, bevor sie ab 1. Juni 1991 den Vorsitz im II. Senat übernahm.

Ruth Hofmann war die erste Richterin in der bayerischen Finanzgerichtsbarkeit und sie ist nach wie vor die erste und bis heute einzige Frau, die das hohe Richteramt der Vorsitzenden Richterin beim Bundesfinanzhof erreicht hat; sie führt damit auch eine für Steuerjuristen einmalige Familientradition fort: Großvater Enno Becker, der als Schöpfer der Reichsabgabenordnung von 1919 angesehen wird, war Senatspräsident am Reichsfinanzhof.

Ruth Hofmann hat sich daneben durch wissenschaftliche Tätigkeit einen Namen gemacht. Seit nahezu 30 Jahren wirkt sie am Kühn/Hofmann, einem Kommentar zur Abgaben- und Finangerichtsordnung, mit. Ebenfalls unter ihrem Namen ist ein Grunderwerbsteuerkommentar mit dem ab 1983 völlig neugestalteten Recht auf dem Markt. Der Deutschen Steuerjuristischen Gesellschaft ist sie als langjähriges Mitglied im wissenschaftlichen Beirat - seit 1983 - besonders verbunden.

Albert Beermann und Ruth Hofmann werden am 30. Januar 1998 im Rahmen einer Feierstunde im Bundesfinanzhof durch den Staatssekretär im Bundesministerium der Justiz Heinz Lanfermann verabschiedet. Gleichzeitig werden voraussichtlich der Nachfolger im Amt des Vizepräsidenten in sein Amt eingeführt und zwei weiteren Richtern am Bundesfinanzhof die Urkunden zur Ernennung als Vorsitzende Richter ausgehändigt werden.

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