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Ich bitte Sie dringend um Ihren Rat, welche Rechtswege ich zur Verfügung habe in einer Angelegenheit betr. Rückgabe von Vermögenswerten.


Sehr geehrter Herr Professor;

Da ich in USA lebe und mit dem deutschen Rechtswesen unbekannt bin, bitte ich Sie dringend um Ihren Rat, welche Rechtswege ich zur Verfügung habe in einer Angelegenheit betr. Rückgabe von Vermögenswerten.

Es geht hier um sehr wertvolles Land, für das ich schon 1992 ein Dokument vom zuständigen AoVM in meiner Geburtsstadt (Schmölln) in Thüringen, erhielt, das mein Recht zur Rückgabe dieses Vermögenswertes beinhaltet. Seit drei Jahren bin ich total von dem zuständigen Amt ignoriert worden, dh. meine zahlreichen FAX-schreiben, Telefonate - Briefe oder sogar meine Klage beim Landratsamt in Gera, sowie persönliches Vorsprechen einer Privatperson, die meine Interessen wahrnimmt, blieben unbeantwortet. Da ich alleinstehend bin, ist es finanziell sehr schwer für mich, mich gegen anscheinende Korruption in Deutschland zu verteitigen.

Der in Frage stehende Vermögenswert wird selbst von der Stadtverwaltung meiner Geburtsstadt sehr begehrt. Es handelt sich hier zumindest um absichtliche Verzögerung des Abschlusses der Sache, zudem ein eingelegter Widerspruch beim Landesamt Gera von demselben vor über zwei als illegal abgelehnt wurde. Ich erlaube mir, Sie in folgender Angelegenheit auf diesem Wege anzusprechen, da ich hier in USA keinerlei Auskunft für meine Rechte in Deutschland bekommen kann.

Somit bitte ich Sie sehr um Ihre Hilfe und mir mitzuteilen, welcher Rechtsweg mir von hier aus zur Verfügung steht bzw. welche höchste Instanz in Deutschland ich von hier aus anschreiben kann, um Beistand in dieser Sache zubekommen.

Ich würde Ihnen wirklich sehr danken, könnten Sie mit mir via e-mail Kontakt aufnehmen und vielleicht eine oder die andere Frage im Sinne des Rechtswesens beantworten. Andere, weitere Vermögenswerte, die schon zurückgegeben worden sind, werden ebenfalls sehr seltsam von gewissen Immobilienmakler behandelt, d.h. es handelt sich hier offensichtlich um einen "Konflikt von Interessen". Ein Gerichtsverfahren wird in einer Woche stattfinden, um mich sowie meine Miterben nicht nur zum Verkauf anderer Grundstücke, die an fünf Familien zum Bau sehr teurer Familienhauser während DDR-Zeiten gegeben wurden, zu zwingen und zwar zu einem Preis der 90% unter dem Verkehrswert steht. Ist es überhaupt möglich in Deutschland den Verkauf von Grundstücken zu erzwingen? Keine Pacht ist je bezahlt worden. Diese Grundstücke wurden schon uns schon vor einigen Jahren mit entsprechenden Grundbucheintragen zurückgegeben

Ich kann mich selbst nicht beraten und fühle mich benachteiligt, da ich in USA lebe und mich persönlich nicht verteidigen kann. Ich würde Ihre Antwort bestimmt sehr schätzen und danke Ihnen für die Zeit, die Sie genommen haben, um diesen Brief zu lesen.

Mit freundlichen Grüßen

Eva B.

So ist es meine Hoffnung, von Ihnen zu hören, welche weiteren Schritte ich hier unternehmen kann.


Sehr geehrte Frau Borgeson,

Prof. Herberger bedauert außerordentlich, daß er aufgrund erheblicher Arbeitsueberlastung nicht selbst die Zeit gefunden hat, Ihnen zu antworten. Ich schreibe Ihnen daher in seinem Auftrag.

Nach umfangreichem Studium Ihres Schreibens muß ich Ihnen leider mitteilen, daß wir uns außerstande sehen, Ihnen einen konkreten Rechtsrat zu erteilen.

Zum einen beinhaltet der von Ihnen geschilderte Vorgang diverse Rechtsprobleme. Obwohl Sie die Situation eingehend dargestellt haben, reichen die Informationen dennoch nicht aus, um die Probleme abschließend zu beurteilen. Hierzu mueßte man zunächst alle mit dem Vorgang in Zusammenhang stehenden Dokumente einsehen und gegebenenfalls diverse behördliche Auskuenfte einholen.

Zum anderen gibt es in Deutschland das Rechtsberatungsgesetz, das die Rechtsberatung ausschließlich Anwälten, Notaren, Steuerberatern und ähnlichen Berufsgruppen vorbehält. Als Nicht-Anwälte duerften wir Ihnen daher auch gar keinen konkreten Rechtsrat erteilen, da wir sonst gegen dieses Gesetz verstoßen wuerden.

Unter Zugundelegung dieser Aspekte kann ich Ihnen somit nur raten, einen Anwalt zu konsultieren, der Sie sicher umfassend beraten und gegebenenfalls die erforderlichen Schritte für Sie einleiten kann. Höchstwahrscheinlich brauchen Sie sowieso spätestens dann einen Anwalt, wenn Sie sich entschließen sollten, Ihr Recht vor einem Gericht durchzusetzen, denn bei etlichen Verfahrensarten besteht in Deutschland Anwaltszwang.

Um einen deutschen Anwalt zu finden, können Sie entweder einen amerikanischen Anwalt konsultieren, der einen Kontaktanwalt in Deutschland hat oder einen Anwalts-Suchdienst nutzen. Diverse Suchdienste fuer deutsche Anwälte sind im Internet verfuegbar, z.B.:

Anwalt-Suchservice (Suche unter anderem nach Orten, Fremdsprachen und Rechtsgebieten möglich) http://www.anwaltssuche.de/

Deutsches Anwaltsverzeichnis - Marktplatz Recht (Suche nach Orten, Fremdsprachen und Rechtsgebieten möglich) http://www.marktplatz-recht.de/averz/index.html

Jurinfo (Suche nach Orten, Fremdsprachen und Rechtsgebieten möglich) http://www.jurinfo.de/anwaelte.html

RA-MICRO - Anwaltsdatenbank (Suche nach Orten und Rechtsgebieten möglich) http://www.ra-info.de/

Vielleicht kann Ihnen auch die deutsche Botschaft bzw. das deutsche Konsulat in Ihrer Nähe Kontaktadressen nennen.

Ich hoffe, daß Ihnen diese Angaben weiterhelfen und beauere sehr, daß wir nicht mehr für Sie tun können.

MfG Iris Speiser

[27.04.98]