Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

(http://www.jura.uni-sb.de/projekte/Bibliothek)

Erstveröffentlichung:
Vortrag, gehalten anlässlich der
Verleihung der Ehrendoktorwürde durch die
Universität des Saarlandes am 16. Juli 2003


Gerhard Käfer

Rechtsinformation zwischen Papier und Bytes
- ein Paradigmenwechsel?




Sehr geehrter Herr Dekan Prof. Dr. Glaser,

sehr geehrter Herr Prodekan Prof. Dr. Beckmann,

meine Damen und Herren Professorinnen und Professoren,

werte akademische Gemeinde,


ich bedanke mich für die Auszeichnung, mit der Sie mich beehrt haben, und die ich als außergewöhnlich empfinde. Sie macht mich etwas verlegen: Meinen akademischen Beitrag schätze ich eher gering ein: ein paar Veröffentlichungen, hier und da ein Vortrag, eine Vorlesung über juris seit neun Jahren. So etwas ganz Besonders ist das nicht.

Ich akzeptiere diese Ehrung als Würdigung meines Beitrages beim Aufbau von juris, einer Entwicklung von gesellschaftlicher Bedeutung. Dabei lege ich Wert auf die Betonung des Wortes „Beitrag“, denn die Erfolgsstory von juris ist nicht das Werk eines Einzelnen, sie ist das Werk vieler.

Bei dieser Gelegenheit möchte ich meinen langjährigen Geschäftsführerkollegen Werner Stewen begrüßen, ohne den die juris GmbH die ersten Jahre im freien Wirtschaftsleben nicht überlebt hätte, und dessen Name mit dem wirtschaftlichen Erfolg von juris untrennbar verbunden ist. Ich begrüße Dich und Elsa sehr herzlich und freue mich, dass Ihr heute nach Saarbrücken gekommen seid.

Nennen möchte ich in diesem Zusammenhang auch den langjährigen Aufsichtsratsvorsitzenden der juris GmbH, Herrn Ministerialdirektor  Gerrit Stein vom Bundesministerium der Justiz. Herr Stein hat im März 1993, also vor 10 Jahren, den Vorsitz im Aufsichtsrat der juris GmbH übernommen. In seine Zeit fällt der wirtschaftliche Aufschwung der juris GmbH und die Teilprivatisierung von juris, die das Unternehmen fit machen wird für eine zukünftige positive Entwicklung auch unter veränderten Bedingungen.  Ich empfinde es als besondere Ehre, dass Sie heute aus Berlin hierher gekommen sind und begrüße Sie von dieser Stelle aus sehr herzlich.

Ganz besonders freue ich mich eine „Urahnin“ von juris begrüßen zu dürfen: Ministerialrätin a.D. Maria Schlagböhmer.

Frau Schlagböhmer war seit den frühen siebziger Jahren Referatsleiterin im BMJ bei juris. Neben vielen Leistungen fallen zwei besonders ins Gewicht:

Frau Schlagböhmer schuf die Bundesrechtsdatenbank. Sie entwickelte vor dreißig Jahren die Konzepte für die Normendatenbank und insbesondere für die Verweisdokumentation, die heute noch ihre Gültigkeit haben. Ihrer Weitsicht verdanken wir heute Daten und Strukturen, die es uns  ermöglichen, mit moderner Technik per Hyperlink Verweisketten zu erzeugen und Beziehungen zwischen den Rechtsvorschriften aufzuzeigen, um die uns viele Mitbewerber beneiden.

Die zweite besondere Leistung von Frau Schlagböhmer, die ich persönlich noch höher bewerte, besteht darin, dass sie mich bei juris eingestellt hat. Sie war damals die zuständige  Beamtin, die das Einstellungsgespräch mit mir führte. Hätte sie damals den Daumen gesenkt, stünde ich heute nicht hier. Das war im Jahre 1974.

Dass Sie heute hierher gekommen sind freut mich und berührt mich zu gleich.

Es wären weitere Namen zu nennen. Ich werte die heutige Auszeichnung als Anerkennung dafür, dass mit juris etwas geschaffen wurde, das weitaus bedeutsamer ist als nur ein erfolgreiches Wirtschaftsunternehmen. Ich nehme die heutige Auszeichnung entgegen - gleichsam als Vertreter für all die, die an weniger exponierter Stelle am Aufbau des juristischen Informationssystem  mitgewirkt haben.


Verlegen hat mich aber auch Ihre Laudatio gemacht,  verehrter Herr Prof. Herberger, in der Sie die in lateinischer Sprache abgefassten  Gründe für die Ehrenpromotion erläuterten. 

Sie haben mir dabei in besonderer Weise mein Alter vor Augen geführt: Ich besitze zwar das große Latinum, aber in Ermangelung praktischer Übung ist mir die lateinische Sprache völlig abhanden gekommen. In einer Situation wie dieser empfinde ich dies als erheblicher Bildungsmangel. Ich bedanke mich für Ihre Worte und die darin zum Ausdruck kommende Anerkennung.


Verlegen machen mich aber auch Sie, meine sehr verehrten Damen und Herren, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Freunde und Familie, die Sie so zahlreich heute hierher gekommen sind, um an dieser Feierstunde teilzunehmen. Ich werte dies als ein Zeichen persönlicher Wertschätzung, die ich erwidere und für die ich Ihnen danke. 

Und an die Musiker gerichtet: auch ihnen herzlichen Dank für stimmungsvolle Begleitung dieser Feierstunde. 


Gestatten Sie mir, dass ich eine persönliche Anmerkung anfüge, die mir in diesem Zusammenhang wichtig erscheint und die mich unmittelbar auch zu dem Thema führen wird, über das ich sprechen möchte: Ich hatte das große Glück, mich vor vierzig Jahren für ein Studium entschieden zu haben, das mir ein Tätigkeitsfeld eröffnete, das mich auch heute noch befriedigt. Die Entscheidung, Jura zu studieren,  war keine naheliegende Entscheidung: Mein Vater war erfolgreicher Ingenieur, und Technik  hat auch mich immer fasziniert, und sie fasziniert mich auch heute noch. Ich habe mich letztendlich dagegen entschieden, mein Hobby zum Beruf zu machen. Hobbys sind in der Regel Zeiterscheinungen, die vergehen. Das erschien mir als Berufsbasis als zu schmal. Andererseits muss ich gestehen, dass auch die Entscheidung für Jura so rational nicht war: Ich konnte mir wenig darunter vorstellen, und ich entschied mich dafür, weil ich einige Ahnen habe, die sehr erfolgreiche Juristen waren. Ich hoffte, dass dies etwas auf mich abfärben würde.

Folgerichtig war es jedenfalls vor diesem Hintergrund, dass ich mich als junger Staatsanwalt in Darmstadt bewarb, als das Bundesjustizministerium junge Richter und Staatsanwälte für die Entwicklung und den Aufbau eines juristischen Informationssystem suchte. Das war im Jahr 1974, als Frau Schlagböhmer mich einstellte. 

Damit, meine sehr verehrten Damen und Herren, bin ich beim Thema:

Rechtsinformation zwischen Papier und Bytes - ein Paradigmenwechsel?

Vorab eine Anmerkung zum Titel: Er war Gegenstand einer über mich geführten akademischen Diskussion zweier professoralen Mentoren: Der eine - wegen des akademischen Dissenses nenne ich keine Namen - sah den Unterschied zwischen Papier und elektronischen Medien auf diese Weise kurz und prägnant beschrieben. Dem anderen - so mein Eindruck - schien der Titel etwas zu salopp. Er wies im übrigen - zu recht - darauf hin, dass im Titel unzulässigerweise ein Medium - Papier - in Beziehung gesetzt würde zu einem Inhalt - einem Zeichen, einem Byte. Dies sei aussagetheoretisch nicht zulässig. Er hatte Recht, trotzdem bin ich beim Titel geblieben, da er mir kurz und prägnant erschien und weil mir kein Besserer eingefallen ist .

Zum Thema selbst wurde ich durch eine Diskussion vor zwei Monaten auf der konstituierenden Sitzung des neuen Sachverständigenrates der juris GmbH angeregt. Diskutiert wurden dort die Erfolgsaussichten unseres neuen Praxiskommentars BGB Allgemeiner Teil und Schuldrecht. Dieser Kommentar wurde von den Herausgebern, den Saarbrücker Professoren Herberger, Martinek, Rüßmann und Weth als reiner Online Kommentar konzipiert. Wir werben für ihn - einer Anregung von Prof. Herberger folgend - mit der Aussage „ein Kommentar, der zuvor kein Buch war - garantiert holzfrei!“.

Die Diskussion Print versus Elektronik ist allerdings älter. Sie wird bei juris seit der Gründung geführt, und im Mai war es sicherlich die 29. Auflage dieser Diskussion - allerdings auf besonders hohem Niveau. Die hohe Zahl bedeutet jedoch keineswegs, dass es sich um eine überflüssige, vielleicht sogar überholte Diskussion handelt. Im Gegenteil, sie beweist lediglich, dass wir noch immer keine Antwort haben, obwohl sie von zentraler Bedeutung für den Betreiber eines elektronisches Rechtsinformationssystem ist. Dies ist der Grund, weshalb ich das Thema heute erneut aufgreife, auch wenn es die dreißigste Auflage ist. Ein Vorteil, dies in diesem Rahmen zu tun, besteht sicherlich auch darin, dass ich mich nur mit virtuellen Diskutanten auseinander setzen muss, deren Diskussionsbeiträge ich natürlich nach Belieben steuern kann. Im wirklichen Leben, ich denke da z.B. an Diskussionen mit Prof. Herberger,   ist man deutlich stärker gefordert.

Vor dreißig Jahren, als ich bei juris anfing, hätte ich die Antwort genau gewusst  - ohne viel nachzudenken: Im Jahre 2000, dessen war ich mir sicher, würde der Jurist keine papierenen Kommentare mehr wälzen müssen und schon gar keine Entscheidungssammlungen mehr konsultieren. Der Grund für diese Überzeugung lag auf der Hand: Jeder, der Kommentare benutzt, stand schon vor den Situation, dass ihm seine Finger nicht ausreichten, die vielen Verweisstellen innerhalb eines Kommentars zu markieren. Das Überprüfen externer Verweisstellen hat der Praktiker erst gar nicht versucht, da er an die Quelle so wie so nicht herankam. Dies würde - ich rede vom Jahr 1974 - mit juris anders werden und dies war ja auch der Grund, weshalb ich damals dort anfing.

Heute zählen wir das Jahr 2003 und ich bin dreißig Jahre älter und Rechtsinformationen stehen noch immer auf Papier.

Die Erfolge von juris sind zwar groß: Im Jahr 1986, als wir an den Markt gingen, wurde juris 18.000 Stunden im ganzen Jahr genutzt. Heute sind es mehr als 40.000 Stunden allein in einem Monat. Wir werden dieses Jahr die 500.000 Stundengrenze deutlich überschreiten.  Wenn man diese Zahlen hört, könnte man meinen, dass meine damaligen Erwartungen nicht überzogen waren. Aber das scheint nur so: Trotz dieser beeindruckenden Zahlen müssen wir heute feststellen, dass bislang erst nur eine verschwindend kleine Zahl von Juristen elektronische Medien für ihre juristische Informationsbeschaffung regelmäßig nutzen.

Diese Feststellung hat zweierlei Bedeutungen: In ihr schwingt einmal das Bedauern mit, dass wir bis jetzt nicht mehr erreicht haben. Andererseits, und das freut den Vertriebsmann in mir, ist der Markt bei weitem noch nicht gesättigt und bietet noch viel Platz für weitere Entwicklungen.

Was müssen wir tun für den weiteren Erfolg? Es gibt sicherlich viele Parameter, die zu beachten sind. Eine Frage ist allerdings von zentraler Bedeutung, nämlich die nach dem Verhältnis von Papier und Bytes.

In der Vergangenheit sind wir von der Überlegenheit des elektronischen Mediums gegenüber dem Papier einfach ausgegangen. Wir haben diesen Ansatz nicht hinterfragt, er war für uns selbstverständlich. Wir haben erwartet, dass unsere Kunden, nämlich Sie als Anwender, sich an das elektronische System anpassen würden, weil es in bestimmten Informationssituationen unbestreitbare Vorteile gegenüber dem Papier als Informationsträger hat. 

Eine erste schmerzliche Erfahrung in diese Richtung habe ich kurz nach der Gründung der juris GmbH gemacht: Noch im Bundesministerium der Justiz habe ich eine Liste mit Anfragen nach dem Entwicklungsstand von juris geführt, die am Schluss rund 1.300 Adressen enthielt.  Je nach Dringlichkeit der Anfrage habe ich diese Anfragen bewertet als unmittelbaren Anschlusswunsch bis hin zu nur einem allgemeinen Informationsinteresse. Den rund 300 Absendern, deren Anfrage ich  als unmittelbaren Anschlusswunsch gewertet habe, habe wir nach Gründung der juris GmbH einen Online-Vertrag angeboten, ganze 20 Absender sind juris Kunden geworden, was ich als äußerst enttäuschend empfand.

Der Irrtum bestand darin, dass ich glaubte, dass die Informationskrise im Recht, die damals in aller Munde war und der Prof. Spiros Simitis im Jahr 1970 ein Buch widmete, den Leidensdruck der Informationssuchenden so erhöht hätte, dass sie bereit sein würden, dreibändige Handbücher zu studieren, um mit juris umzugehen. Heute würde ich sagen, dass es erstaunlich war, dass es überhaupt Juristen gab, die sich damals diesen Mühen unterzogen haben.

Worin bestand der Denkfehler? Nun, er bestand einmal darin, dass es die Informationskrise, von der Simitis sprach, in dieser Form gar nicht gab, zumindest als solche nicht empfunden wurde. Und selbst diejenigen, die  ihre Informationssituation als unbefriedigend empfanden, waren nicht bereit, sich der erheblichen Mühen zu unterziehen, um die damals doch noch recht bescheidenen Früchte aus der Nutzung einer Online-Datenbank zu ernten.

Was lernen wir aus diesen Erkenntnissen? Wir lernen daraus, dass die Fragestellung Papier oder Elektronik wenig zielführend ist. Für den Anwender ist das Medium von sekundärer Bedeutung. Der Anwender ist interessiert an der Rechtsinformation selbst und wie schnell und einfach und kostengünstig er sie findet.

Der Entwicklungsansatz von juris war anfangs stark systemisch geprägt. Das heißt, Systementwickler mit tollen technischen Ideen entwickelten, was Juristen nutzen sollten. Natürlich waren an diesen Entwicklungen auch juristische Experten beteiligt - ich war ein solcher - , aber auch ich war technikverliebt und glaubte, was ich toll finde, müsste jeder Jurist toll finden. Was ich dabei übersehen habe,  ist, dass ich zwar eine juristische Ausbildung habe, dass ich aber seit dreißig Jahren nicht mehr wirklich juristisch gearbeitet habe.

Die Frage Papier oder Bytes stellt sich nicht als natürlicher Gegensatz, nicht als eine Frage von entweder oder. Sie stellt sich aber sehr wohl, wenn es darum geht, Informationssuchenden in ganz bestimmten Informationssituationen zu unterstützen. Denn beide Medien - Print oder Bytes - haben ganz spezifische Stärken und Schwächen, die es bei der Lösung von Informationsproblemen  intelligent einzusetzen gilt.

Lassen Sie mich in einer vereinfachten SWOT-Analyse die Stärken und Schwächen, Chancen und Bedrohungen von papiergebundenen und elektronischer Rechtsinformation gegenüberstellen.

Was sind die Stärken von Papier? Nun, sie liegen auf der Hand, jeder kennt sie: 

  • Ein Buch oder eine Zeitschrift können genutzt werden ohne spezielle Hilfsmittel, sieht man vielleicht von einer notwendigen Brille ab. 
  • Ein Buch ist haptisch, man kann es anfassen, man kann es mitnehmen, und man kann es in der Bahn oder im Flugzeug oder in der Badewanne oder sonst wo auch immer lesen oder in ihm nachschlagen.
  • Das Buch gehört einem, man kann eine Beziehung zu ihm aufbauen. Der Verleger Dr. Hans Beck aus München hat einmal zu mir gesagt, ein Buch rieche so gut. 
  • Und vielleicht die wichtigste Stärke von allen: Papier als Informationsträger ist dem Menschen vertraut seit 5.000 Jahren.

Papier hat aber auch seine Schwächen:

  • Das Fassungsvermögen eines Buches ist begrenzt, was in bestimmten Situationen nachteilig sein kann. 
  • Zusammengehörende Informationsmengen, die mittels Papier transportiert werden können, sind beschränkt. Der Staudinger ist zwar eine imposante Leistung, mit seinen mehr als 50 Bänden aber kaum noch handhabbar. 
  • Es bereitet Mühe, in einem umfangreichen Buch bestimmte Informationen gezielt zu finden. 
  • Die Inhaltserschließung erfolgt in der Regel über das Inhaltsverzeichnis, zusätzlich vielleicht auch über Register. Beide Erschließungsmittel - Inhaltsverzeichnis und Register - funktionieren über die Reduktion einer inhaltlichen, komplexen Aussage auf ein Schlüsselwort  oder -phrase. Diese Reduktion ist mit Informationsverlusten verbunden, die dazu führen können, dass gerade der Aspekt, der für den Informationssuchenden von Bedeutung ist, im Register nicht berücksichtigt wurde.
  • Und schließlich passiert es immer wieder, dass man bestimmte Informationen in einer bestimmten Zeitschrift sucht, obwohl sie in einer anderen abgedruckt sind.


Was sind die Stärken des elektronischen Mediums?

  • Da ist einmal das Fassungsvermögen. Es ist - betrachtet man Online-Datenbanken - praktisch unbegrenzt.
  • Die Suchmöglichkeiten sind so vielfältig, dass auch sehr spezielle Fragestellungen beantwortet erden können. 
  • Für den Anwender ist es gleichgültig, ob eine Information in der NJW oder GRUR abgedruckt ist, er findet sie, wenn sie in der Datenbank berücksichtigt sind.
  • Die Aktualität ist ein wichtiges Qualitätsmerkmal des elektronischen Mediums insbesondere in seiner Online-Form: Nach inhaltlicher Aufbereitung durch den Dokumentar oder den Redakteur steht die Information sofort für die Nutzung zur Verfügung - ohne zeitaufwändige Herstellungs- und  Auslieferungszeiten.
  • Und schließlich - das Internet hat diese Funktion in Aller Bewusstsein gebracht - ist es per Hyperlink möglich, juristische Zitatketten zu verfolgen ohne Medienwechsel, einfach per Maus-Klick. Dies ist nicht nur eine Komfortsteigerung, sondern das Medium selbst weist den Anwender aktiv auf Beziehungen und Zusammenhänge zwischen den Informationen hin, die auf Papier im Verborgenen blieben.

Das sind Vorteile von elektronischen Datenbanken. Sie haben aber auch Nachteile:

  • Um sie zu nutzen, benötigt man immer technische Hilfsmittel. Man benötigt einen Computer und man benötigt eine CD-ROM oder einen Online-Zugang. Ohne Strom geht gar nichts, und einen Internet-Anschluss brauchen Sie auch.   
  • Dies bedeutet eine eingeschränkte Mobilität bei der Informationsnutzungsmöglichkeit gegenüber dem Buch oder der Zeitschrift.
  • Und dies bedeutet darüber hinaus auch eine mögliche Einschränkung Ihrer Arbeitsgewohnheiten wegen der Technik, obwohl wir gerade gesagt haben, dass die Technik sich an den Menschen anpassen muss und nicht umgekehrt der Mensch an die Technik.
  • Und schließlich - möglicherweise die größte Schwäche der Bytes gegenüber dem Papier - ist das  elektronische Medium noch neu. Es muss einen 5.000-jährigen Vorsprung des Papiers aufholen. Das braucht Zeit. Der Mensch hat noch nicht gelernt, damit umzugehen. Es ist ihm fremd. Um noch einmal auf Dr. Beck zurückzukommen: Online riecht nicht.
  • Und zum Schluss - ganz wichtig: Was kann man auch von einem elektronischen Rechtsinformationssystem nicht erwarten:  Dass es aus einem schlechten Juristen einen guten macht.  Ein Informationssystem kann lediglich Informationen bereitstellen. Es ist und bleibt ureigenste Aufgabe des Informationssuchenden, aus diesen Informationen die richtigen Schlüsse zu zeihen. Und dies ist es letztendlich, was die Qualität eines Juristen ausmacht.   

Aus diesen Stärken und Schwächen der Informationsmedien lassen sich Informationssituationen ableiten, in denen das eine oder das andere Medium vorteilhafter ist:

Das Buch wird dort noch lange seinen Platz behalten, wo es darum geht, umfangreiche und komplexe Zusammenhänge zu erklären.

Die Zeitschrift wird dort ihre Bedeutung behalten, wo sie den Leser losgelöst von dessen konkreten, Fall-bezogenen Informationsbedürfnissen über wichtige Entwicklungen in seinem Rechtsgebiet informiert. Konkurrenz können ihr allerdings auch für diesen Bereich durch e-Mail basierte Push-Dienste erwachsen. Bei diesen Diensten werden bestimmte juristische Themen von Online-Redakteuren aktuell aufbereitet und als Aktualitätsdienste, Newsletter und der gleichen angeboten. Der Kunde kann einzelne Themen abbonieren. Die Informationen werden per e-Mail übermittelt. Sie lassen sich ausdrucken und sind dann wieder so handhabbar wie eine normale Zeitschrift. Diese Dienste sind regelmäßig aktueller als traditionelle Fachzeitschriften, da deren Herstellungs- und Auslieferungszeiten entfallen. Der Erfolg dieser Dienste wird abhängen von der Qualität der Redaktion, die die Informationen sammelt und aufbereitet.

Die Bedeutung von Fachzeitschriften als Wissensarchiv wird schwinden, da das Nachschlagen in einer Datenbank wesentlich effektiver ist, als das endlose Wälzen von Registerbänden und Fundheften.

An Bedeutung verlieren werden Entscheidungssammlungen. Sie sind bereits jetzt reine Archive mit sehr eingeschränkten Suchmöglichkeiten. Hier ist die Datenbank mit ihren präziseren Erschließungsmethoden deutlich überlegen.

Wenn man diese Ergebnisse zusammenfasst, wird man feststellen, dass bei den meisten alltäglichen Fragestellungen wie

  • bei der Suche nach aktuellen Informationen,
  • bei der Durchforstung großer Informationsmengen oder 
  • bei der Verfolgung von Verweisketten

die elektronische Darbietung von Rechtsinformation der papierenen Form eigentlich überlegen sein müsste:

Wenn diese Informationswünsche mit Hilfe der Elektronik so viel einfacher zu erfüllen sind, warum wird sie dann bis heute noch nur so selten genutzt?

Die bisherige geringe Nutzungsintensität elektronischer Medien hat mit Sicherheit mehrere Gründe:

Ein Grund ist sicherlich, dass wir Anbieter noch am Herumtasten sind, wie wir unsere Informationen unseren Kunden präsentieren. Ist der juris Web-Zugang der kundenfreundlichste oder aber die Beck-Online-Lösung?  Hat Westlaw.de das Ei des Kolumbus entwickelt, oder ist Juriforum besser?

Meine Antwort kann natürlich nur lauten, dass es nichts besseres gibt als juris Web. Ich würde mich allerdings nicht ernsthaft verteidigen können, wenn man mich parteiisch bezeichnen würde.

Ein Grund - der wichtigste Grund für die geringe Nutzung von elektronischer Rechtsinformation vielleicht überhaupt - könnte ein ganz banaler sein.

Meine These:  Die meisten Informationen, die Sie als der Rechtsanwender benötigen, gibt es noch gar nicht elektronisch.

Diese Erkenntnis schmerzt, sie schmerzt mich als Vertreter von juris besonders, da wir ja mit dem Anspruch an die Öffentlichkeit treten, das umfassendste und vollständige Informationsangebot in Bezug auf Primärquellen in Deutschland zu haben. Diese Aussage ist richtig, zu ihr stehe ich und doch: Betrachtet man die Summe aller Rechtsinformationen, wie sie beispielsweise in der Bibliothek des Bundesjustizministeriums in Papierform vorgehalten werden, so ist das, was wir anbieten, nur ein ganz kleiner Ausschnitt.  Und auch das Angebot von Beck-Online ist da nur ein Tropfen auf dem heißen Stein.

Was lernen wir aus dieser Feststellung?

Es wäre rechtlich unzulässig und auch wirtschaftlich nicht vertretbar, dass juris - oder ein anderes Unternehmen - in das Bundesjustizministerium ginge und dort die ganze Bibliothek digitalisiert.

Die Kunst wird es sein - und auch hier wird es eine Konkurrenz unter den Anbietern von elektronischen Rechtsinformationen geben, diejenigen Rechtsinformationen zu identifizieren und zu elektronifizieren, die auf eine solche Nachfrage stoßen, die diesen - aufwändigen - Prozess rechtfertigt.  Dies ist ein heikler Vorgang insbesondere deshalb, weil es im Wesentlichen wirtschaftliche Gründe sein werden, nach denen diese Auswahl getroffen wird. Ich weiß, dass diese Feststellung gerade in dem Kreis, vor dem ich spreche, Unbehagen auslöst. Es hilft aber nichts, die Augen vor der Realität zu schließen: Kein Unternehmen kann es sich leisten, Leistungen zu erbringen, für die es keine Abnehmer gibt.

Das ist der Obersatz, die reine Lehre.

Wie wirkt sich dieser Satz in der Praxis aus:

Ganz so dramatisch nicht. Die Bewertung, was wirtschaftlich ist, ist eine unternehmerische Entscheidung. Und unternehmerische Entscheidungen werden nach sehr individuellen Bewertungen getroffen. Dazu zwei Beispiele: Auch juris hatte das Angebot, den Staudinger als Online-Angebot aufzubauen. juris hat sich aus wirtschaftlichen Gründen gegen die Annahme dieses Angebotes entschieden, während Thomson für Westlaw das Angebot angenommen hat. Auf der anderen Seite hat juris die unternehmerische Entscheidung getroffen, den juris Praxiskommentar BGB Allgemeiner Teil und Schuldrecht herauszubringen. Kürzlich haben wir mit den Herausgebern sogar entschieden, ihn auf das ganze BGB auszudehnen. Sie sehen an diesen Beispielen, dass wirtschaftliche Entscheidungen durchaus unterschiedlich ausfallen können. Eine pluralistische, marktwirtschaftlich orientieret Gesellschaft bietet eine hohe Gewähr dafür, dass die Marktteilnehmer bestimmen, wie der Markt sich entwickelt. Jeder Anbieter wird versuchen, ein möglichst umfassendes, attraktives und dem Informationssuchenden nützliches Informationsangebot aufzubauen, um ein möglichst großes Stück vom Nutzungskuchen zu ergattern. Das ist gut für den Anwender und schwer für die Anbieter, aber das ist so gewollt.

Ich akzeptiere, dass diese Erwägungen nicht all Ihre Sorgen zerstreuen, die durch eine solch primär wirtschaftlich geprägte Denkweise ausgelöst werden. Als Geschäftsführer von juris kenne ich die Diskussion um das Wirtschaftsgut „Rechtsinformation“ zur Genüge und nehme aktiv an ihr teil. Ich akzeptiere auch ohne jede Einschränkung, wenn ein Präsident eines obersten Bundesgerichts darauf hinweist, dass er seiner Arbeit nicht mehr ordnungsgemäß nachkommen kann, wenn der freie Markt den Umfang und die Qualität seiner Gerichtsdokumentation bestimmen würde. Aber in dieser Akzeptanz sehe ich keinen Widerspruch zu meinen bisherigen Ausführungen: Für mich ist dieser Präsident Markt. Die juris GmbH ist ein Dienstleistungsunternehmen u.a. für das Bundesverfassungsgericht und die obersten Gerichtshöfe des Bundes. Damit ist selbstverständlich, dass die juris GmbH nach bestem Wissen und mit all ihrer Kraft die Bedürfnisse dieser Kunden befriedigt - die diese Leistungen ja auch bezahlen.

Nach dieser Maxime werden alle Anbieter handeln, da sie möglichst viele zufriedene Kunden haben wollen, so dass ich als Anwender ganz optimistisch wäre, dass meine Bedürfnisse mittelfristig befriedigt werden.

Natürlich ist nicht auszuschließen, dass bei diesem - marktorientierten - Verfahren Lücken im elektronischen Informationsnachweis entstehen können. Hier ist zu entscheiden, wo dieser Nachteil in Kauf genommen  werden kann, weil es z.B. diese Informationen in Papierform ja noch gibt, oder ob an anderer Stelle politischer Handlungsbedarf besteht, diesen Mangel abzustellen. Dies ist aber dann eine politische Entscheidung, die nicht von mir als Unternehmer getroffen werden kann.


Mich treibt eine andere Frage um, und sie wird auch die Letzte sein, mit der ich mich in meinem Vortrag beschäftigen werde:

Die juris GmbH ist ein wissensorientiertes Unternehmen, das tagtäglich Entscheidungen treffen muss, die auf Wissen basieren.

Einige habe ich bereits genannt:

  • Wie präsentiere ich unseres Angebot im elektronischen Medium. 
  • Wie führe ich den Anwender von seiner Jahrtausend alten Papiernutzung hin zum elektronischen Medium.
  • Was benötigt der Rechtsanwender an Information. Sie haben vielleicht mitbekommen, dass juris sich zum Ziel gesetzt hat, sich von dem führenden juristischen Datenbankanbieter in Deutschland zu einem führenden juristischen Verlag mit elektronischem Schwerpunkt zu entwickeln. Um hier erfolgreich zu sein, müssen wir wissen, was unsere Kunden brauchen.

Nun könnte man meinen, dass sich dieses Problem dadurch lösen ließe, dass man einfach genügend schlaue Leute - sog. Experten - einstellt, die in der Lage sind, die richtigen Entscheidungen zu treffen.  Dies ist sicherlich ein Weg, den man beschreiten muss. Die Frage stellt sich allerdings, ob das reicht. Wo bekommt ein Unternehmen Wissen her, das es für seine Entscheidungen benötigt?

Wenn ein Geschäftsführer eines Unternehmens eine solche Frage in einem Rahmen wie diesen stellt, ist die Antwort naheliegend: Könnte man es nicht einmal mit der Universität versuchen. Gestatten Sie mir, dass ich bei den nun folgenden Überlegungen auf einige Gedanken zurückgreife, die ich ansatzweise bereits bei der offiziellen Vorstellung unseres juris Praxiskommentars BGB Allgemeiner Teil und Schuldrecht geäußert habe:

Ich habe damals festgestellt, dass die Universität ein Hort sei, in dem unermessliche Wissensschätze aufgehäuft sind, die es zu heben gilt. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass die Zeiten vorbei sind, da der Professor einsam im Elfenbeinturm forscht und sich an seinen Erkenntnissen autistisch berauscht.  Ziel muss  es sein, diese Wissensschätze zu heben, zum Nutzen der Wissenschaft und zum Nutzen der Gesellschaft. 

Dass dieser Gedanke in der Universität des Saarlandes schon lange ein offenes Ohr gefunden hat, haben wir bereits erfahren, den wir erfreuen uns einer bereits langjährigen Kooperation mit der Universität:

Prof. Dr. Herberger begleitete die juris GmbH seit ihrem Umzug nach Saarbrücken mit wissenschaftlichem Rat und Anregungen. Er war und ist Vorsitzender unseres Sachverständigenrates, den es seit vielen Jahren gibt, und der sich vor zwei Monaten in einer neuen Zusammensetzung und neuer Aufgabenstellung neu konstituiert hat. 

Einweiteres Beispiel ist die Saarjus GmbH. Von Herberger initiiert, von Prof. Dr. Weth realisiert, hat sich die SaarJus GmbH zu einem Dienstleistungsunternehmen entwickelt, das vielfältige Dienstleistungen für juris erbringt.

Mit Prof. Dr. Pinkal, Institut für Computerlinguistik und Phonetik, arbeiten wir seit der Rechtschreibereform zusammen. Zur Zeit evaluiert er in unserem Auftrag maschinelle Verfahren, mit denen unsere alte Sachgebietsgliederung auf eine modernere neue Gliederung umgestellt werden soll. 

In die Rubrik der Zusammenarbeit zählt auch meine Vorlesung zum Thema (wie könnte es anders sein) „Einführung in das juristische Informationssystem juris“, die ich seit neun Jahren halte.

Bisheriger Höhepunkt der Kooperation zwischen Universität und juris ist die erfolgreiche Markteinführung des bereits erwähnten juris Praxiskommentars BGB Allgemeiner Teil und Schuldrecht, der von den Saarbrücker Professoren Herberger, Martinek, Rüssmann und Weth herausgegeben wird.

Es wäre schade, wenn es bei diesen Beispielen bliebe.  Ziel muss es sein - und die Geschäftsführung der juris GmbH steht wie ein Mann (wie zwei Männer) hinter diesem Ziel - diese Zusammenarbeit auszubauen.

Dabei sollten wir allerdings auch nicht die Augen davor verschließen, dass es erhebliche Unterschiede im Selbstverständnis und dem Verständnis der eigenen Nützlichkeit zwischen der Universität und einem Wirtschaftsunternehmen gibt. Ich habe deutlich gemacht, dass unser Handlungsgebaren im Wesentlichen von wirtschaftlichen Überlegungen geleitet wird, ein Ansatz der der Universität eher fremd ist. Die Universität ist eher dem Ideal der reinen Erkenntnis, der Wahrheit verpflichtet. Ein erkannter Missstand ist zu beseitigen, einfach nur deshalb, weil es diesen Missstand gibt!

Diese Unterschiede in der Wahrnehmung und in der Zielsetzung eigenen Handelns gilt es bei einer solchen Kooperation zu berücksichtigen.

Die Frage ist, wie kann man diese in der Universität schlummernden Wissensschätze  für ein Wirtschaftsunternehmen nutzbar machen? Es bietet sich an, über Consultingleistungen nachzudenken.  Wir beauftragen ja heute schon Beratungsunternehmen mit der Aufbereitung bestimmter Fragestellungen. Könnten diese Leistungen nicht auch von der Universität erbracht werden? Vor Jahren wurde juris von McKinsey untersucht und wir wurden später gefragt, weshalb wir nicht gleich die Universität beauftragt hätten. Auch die McKinsey-Berater hätten auf das Know-how der Universität zurückgreifen müssen. Hätten wir gleich in der Universität nachgefragt, hätten wir die gleichen Antworten bekommen, nur billiger. 

Was unterscheidet ein Beratungsunternehmen wie McKinsey von einer Universität?

Der Mc-Kinsey-Berater hat vom Beratungsgegenstand erst einmal wenig Ahnung.  Er hat lediglich ein methodisches Instrumentarium, mit dem er sich durch Befragung der verschiedensten Experten (die ihm im übrigen vom Auftraggeber zugeführt werden) die notwendige Wissensbasis verschafft, auf der er dann seinen Rat gründet. Diesen Rat verkauft er dem Auftraggeber, dem es dann überlassen bleibt, ob er dem Rat folgt oder nicht. Eigene Ziele bezüglich des Beratungsgegenstand  hat der Berater nicht.

Demgegenüber ist der akademische Berater in der Regel selbst Experte in Bezug auf den Beratungsgegenstand. Das ist ein unbestreitbarer Vorteil. Zum Nachteil kann dieser Vorteil allerdings werden, wenn der universitäre Berater mit dem Rat auch eigene Ziele verfolgt oder sich seinen Rat so zu eigen macht, dass er es nicht mehr akzeptieren kann, wenn man seinem Rat nicht folgt - obwohl der Rat doch richtig ist!

Einen zweiten Gesichtspunkt, den man im Auge haben muss, wenn Universität und ein Wirtschaftsunternehmen kooperieren, sind die unterschiedlichen  Organisationsformen und das daraus resultierende unterschiedliche Selbstverständnis.

Eine Definition universitärer „just in time“ - Leistung   sähe - so meine These - anders aus als die gleiche Definition eines Automobilzulieferers.


Aber nicht nur Universitäten sind komplexe Organismen mit besonderen Spezies, dasselbe gilt auch für Wirtschaftsunternehmen - nur anders.

Eine besondere Art von Spezies von Wirtschaftsunternehmen sind deren Geschäftsführer: Sie sind in der Regel eitel. Im konkreten Zusammenhang möchten sie mindestens dreierlei: 

  • Geschäftsführer möchten in der Regel selbst bestimmen, wann sie über was beraten werden wollen. Sie unterscheiden sich insoweit von Studenten, den man manchmal noch sagen muss, womit sie sich beschäftigen sollen.
  • Wenn sich Geschäftsführer für einen Beratungsgegenstand entschieden haben, möchten sie gut beraten werden und schließlich:   
  • Wenn das Beratungsergebnis vorliegt, möchten Geschäftsführer selbst entscheiden, was damit zu tun ist.

Ich möchte diese Unterschiede nicht weiter problematisieren. Ich möchte lediglich Ihr Augenmerk auf diese Unterschiede lenken, damit wir uns bei der Vertiefung unserer Kooperation der Unterschiede unserer Herkünfte bewusst bleiben. 

Zu einer Vertiefung unserer Kooperation gibt es keine Alternative. juris und  die Universität des Saarlandes müssen ihre Zusammenarbeit intensivieren. Wir stehen erst am Anfang einer Entwicklung. Ich habe in diesem Vortrag eine Vielzahl von Fragen gestellt, die beantwortet werden müssen. 

  • Wir sind mitten in einer stürmischen technologischen Entwicklung mit vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten aber auch Gestaltungsnotwendigkeiten,  
  • wir müssen völlig neue Beziehungen zwischen Mensch und Technik regeln und 
  • wir müssen uns mit dem auseinandersetzen, was der Informationssuchende wirklich braucht.  

Dies sind Fachfragen, dies sind aber zum Teil auch Wertfragen und Wertentscheidungen, die beantwortet bzw. die getroffen werden müssen. Hier könnte die Universität einen  Beitrag leisten, und es liegt an uns, einen Rahmen zu definieren, in dem ein solcher Austausch stattfinden kann, zum Nutzen beider Parteien.


Damit komme  ich auch wieder zu meinem Thema zurück: Rechtsinformation zwischen Papier und Bytes - ein Paradigmenwechsel? Ich habe viele Fragen gestellt und nur wenige beantwortet. Ich fürchte, es wird eine einunddreißigste Auflage dieser Diskussion geben. Ich bin froh, dass von dieser Rede meine akademische und berufliche Zukunft nicht abhängt, da ich dann heute mehr Antworten hätte geben müssen. Ich danke Ihnen, dass Sie mir im Gegenteil heute eine besondere Ehre zu Teil werden ließen. Sie haben dies getan, ehe Sie mich reden ließen, auch hierfür bedanke ich mich.

Eine Antwort will ich aber noch geben: Der Titel meines Vortrages endet mit einem Fragezeichen. Für heute muss ich nach dem Gesagten als Antwort ein eindeutiges „nein“ geben, es gibt keinen Paradigmenwechsel, Papier ist nach wie vor der Informationsträger der Gegenwart.

Ich wäre allerdings nicht Käfer, wenn ich dieses „nein“ nicht in dem Sinne von „noch nicht“ verstanden wissen wollte. Ich habe mit mir gerungen, ob ich dieses „noch nicht“ um ein „aber bald“ ergänzen sollte. Um nicht als alter Tor dazustehen, der nichts aus seiner Vergangenheit gelernt hätte, habe ich darauf verzichtet. Ich überlasse diesen Optimismus Jüngeren und freue mich, dass es solche gibt.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit. 



 


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