Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

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Erstveröffentlichung:
Vortrag, gehalten am 29. Januar 2003 in Saarbrücken
im Rahmen der Ringvorlesung über Gerechtigkeit


Heinz Müller-Dietz

 

              

Die Gerechtigkeitsfrage in der Literatur [1]

 

I.

 

Eigentlich ist das ein Nichtthema, weil es in einem Vortrag schwerlich zureichend zu behandeln ist. Eigentlich wäre Schweigen die angemessene Reaktion auf das, was Dichter dazu zu sagen haben. Schweigen kann ja der beredteste Ausdruck dessen sein, was überhaupt zur Sprache gebracht werden kann. Karl Kraus ist einer jener Autoren gewesen, die durch Schweigen dem Zeitgeist am deutlichsten zu verstehen gegeben haben, was von ihm zu halten ist – was dieser aber nicht verstanden hat [2]. Das ist in den Schicksalsjahren 1914 und 1933 der deutschen Zeitgeschichte der Fall gewesen.

 

Jenes Schweigen blieb ebenso unverstanden wie das öffentliche nicht Sprechen können der zeitlebens letztlich doch einsam gebliebenen Kärntner Dichterin Ingeborg Bachmann, der Dorothea Dieckmann jüngst ein lebendes, lebendiges, ihrer Sprache nachempfundenes literarisches Denkmal gesetzt hat – das die Öffentlichkeit wohl ebenso wenig erreichen wird wie jene Dichterin wider die Zeit vor dieser selbst zurückgeschreckt ist [3]. Es gibt – Kleist zum Trotz [4] - eben Literaten, die sich zu ihren Zeiten schwer tun mit dem Verfertigen von Wörtern beim Reden. Und schon darum gerade in einer Epoche wenig Gehör finden oder gar auf Unverständnis stoßen, die es fertig bringt, das Gerede dem Reden vorzuziehen, ohne daran zu ersticken.

 

II.

 

Es wäre ein Leichtes, über dem Thema „Gerechtigkeit“ in literarischer Hinsicht die Akten zu schließen – noch ehe man sie geöffnet hat. Das könnte mit dem Ausspruch von Albert Camus in seinen „Tagebüchern“ beginnen: „Es gibt keine Gerechtigkeit, es gibt nur Grenzen.“ [5] Und das ließe sich fortsetzen mit der Feststellung, die der amerikanische Gerichtsautor William Gaddis zu Beginn seines Justizromans „Letzte Instanz“ getroffen hat: „Gerechtigkeit ? – Gerechtigkeit gibt’s nur im Jenseits; hier auf Erden gibt’s das Recht.“ [6] Eberhard Schmidhäuser hat sich in seiner Analyse von Dürrenmatts Erzählung, Hörspiel und Komödie „Die Panne“ gar veranlasst gesehen zu fragen, ob in diesen Texten die Erörterung von Verbrechen und Strafe nicht zu einem bloßen „Reflex des Phantoms ‚Gerechtigkeit’“ denaturiert sei [7].

 

Der Reigen solcher und ähnlicher Statements ließe sich beliebig fortsetzen. Freilich stehen für eine solche Sichtweise häufig genug Sentenzen der modernen Literatur. Derart skeptisch-relativierende, ja negierende Aussagen wird man in älteren Werken schwerlich in und mit gleicher Intensität antreffen – wenn auch da schon immer wieder Zweifel angemeldet oder Fragen aufgeworfen werden. Das ist vermutlich kein Zufall.

 

Indessen sind jene Zweifel noch im Vorraum der eigentlichen Fragestellung angesiedelt, vielleicht haften- oder stehen geblieben. Hätte sie doch dem Problem zu gelten, was denn nun unter Gerechtigkeit inhaltlich zu verstehen ist, wie sie jenseits formaler Definitionen vom Gleichheitssatz und von der Gleichbehandlung qualitativ zu fassen ist [8]. Jedoch hat die angedeutete Skepsis der modernen Literatur jedenfalls auch mit der inhaltlichen Auseinandersetzung und Verständigung darüber zu tun, was Gerechtigkeit eigentlich bewirken, leisten soll. Darauf ist noch zurückzukommen.

 

III.

 

Am Anfang einer solchen Betrachtung muss man wohl einem Schriftsteller das Wort geben. So hat Robert Musil in seinem perspektivenreichen Roman „Der Mann ohne Eigenschaften“ in der ihm eigenen ironischen Weise sagen zu müssen geglaubt: „Es ist schwer, der Gerechtigkeit in Kürze Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.“ [9] Freilich ist es keineswegs nur das jenem Begriff – oder Phänomen – innewohnende Problem der Komplexität, das der Kürze der Darstellung Schwierigkeiten bereitet.

 

Wenn Schriftsteller über Gerechtigkeit und Recht sprechen, dann tun sie das aus der Distanz – und zwar nicht allein, ja nicht einmal so sehr des Respektes vor der Größe des Themas wegen [10]. Allenfalls auf Umwegen, indirekt, geben sie Meinungsäußerungen und Stellungnahmen zu jenem Problemkreis das Wort. Sie lassen ihre Protagonisten räsonnieren oder geben durch den Handlungsablauf zu erkennen, wie Gerechtigkeit erlebt und erfahren werden kann. Dies muss aber beileibe nicht Ausdruck einer persönlichen Stellungnahme oder eigenen Bekenntnisses sein.

 

Literatur wird von Lesern, vielleicht auch von Kritikern oft genug viel zu direkt und unvermittelt als Beschreibung der Wirklichkeit, als Kommentar zu Grundsatzfragen oder zum Zeitgeschehen gesehen und verstanden. Schriftsteller sind indessen ex professione und nach ihrem Selbstverständnis keineswegs dazu da, ungelöste Welträtsel zu enthüllen oder gar normativ verbindliche Aussagen zu treffen. Und wenn dies doch einmal geschieht, dann eben auf Umwegen, die den Leser oder Kritiker nicht selten irreführen, gar aufs Glatteis lotsen.

 

Das bringt denn auch Hans Erich Nossack aus eigener Erfahrung zur Sprache, wenn er seinen einschlägigen Beitrag mit den Worten einleitet: „Als Thema interessieren sich Literatur und Literaten niemals direkt für Recht und Gerechtigkeit.“ [11] Der Schriftsteller meinte darin übrigens, das Problem der Gerechtigkeit sei „in der Literatur von Kleist im Michael Kohlhaas“ gültig abgehandelt worden [12]. Gewissermaßen ex cathedra für alle Zeiten verbindlich. So dass das Lebensschicksal des Rosshändlers gleichsam zum Symbol dafür geworden ist, wie sich die Majestät des Rechts in Gestalt der Gerechtigkeit auch und gerade allen Übersteigerungen des Rechtsgefühls gegenüber zu behaupten weiß [13]. Eine Fabel also, für Lehr- und Lernzwecke tauglich, als Schulbeispiel geeignet, das Schule machen kann und soll? Die Welt erträgt es nicht, dass das Rechtsgefühl – wie es bei Kleist heißt – einer Goldwaage gleicht [14] - eher schon das Gold selber, das auf die Waage gelegt wird. Schon weil es dem schönen Schein gleicht, der blendet. Wenn auch Gerechtigkeit – so wie sie oft verstanden und gehandhabt wird – ihrerseits sehr wohl verblenden, blind zu machen vermag.

 

Wie zur Bestätigung der Nossack’schen These, dass Schriftsteller -  aus guten Gründen – den direkten Weg zur Darstellung der Gerechtigkeit meiden, kann der Umstand gedeutet werden, dass sich nur wenige Autoren essayistisch zum Thema geäußert haben. Nossacks eigener Beitrag aus dem Jahre 1968 stellt neben dem „Monstervortrag“ Dürrenmatts über „Gerechtigkeit und Recht“ aus dem Jahre 1967 eines der wenigen Beispiele unmittelbarer literarischer Auseinandersetzung mit diesem Problemkreis dar. Und selbst da hat der Dichter seine Reserve gegenüber landläufigen Erwartungen und seine Distanzierung von ihnen fast überdeutlich mit den Worten zum Ausdruck gebracht: Dass Dramatiker „alle möglichen und unmöglichen Verbrechen in ihren Stücken behandelten, leiste dem Irrtum Vorschub, ihnen gehe es um Gerechtigkeit und Recht; in Wahrheit beschäftigt sich der Dramatiker ebenso wenig damit wie der Verbrecher; wie der Verbrecher begnügt sich der Dramatiker, dem Juristen Stoff für dessen Nachdenken und Klassifizieren zu liefern.“ [15] So hat denn auch Dürrenmatt seine Stellungnahme zum Thema – von der noch die Rede sein wird – in Gleichnisse, Parabeln gefasst, die einmal mehr zum Reflektieren über Gerechtigkeit anhalten, statt den ersehnten Schlüssel zur Problemlösung zu liefern. Den Freibrief, den der Dichter hier für Dramatiker in Anspruch nimmt, muss man indessen Schriftstellern generell ausstellen.

 

IV.

 

Die Idee der Gerechtigkeit bildet eines der zentralen Themen der Weltliteratur von der Antike bis zur Gegenwart. Namentlich in Dramen, Romanen und Erzählungen, die Gerichtsverhandlungen in den Mittelpunkt der Darstellung rücken, spielt jener Topos eine bedeutsame Rolle. Exemplarisch dafür ist etwa die Tragödie  „König Ödipus“ von Sophokles [16] - die ja in gewisser Weise die Vorlage für die Bauernkomödie „Der zerbrochne Krug“ von Kleist geliefert hat [17]. Jenes „Gerichts-Stück“ veranschaulicht dem Literaturkritiker Albert von Schirnding zufolge den „engen Zusammenhang“, der „für das griechische Denken zwischen Gerechtigkeit und Wahrheit besteht“ [18]. „Der Verbrecher muß ans Licht kommen, um die gerechte Strafe zu empfangen. Der Sieg der Gerechtigkeit ist zugleich der Sieg der Wahrheit.“ [19]

 

Dafür steht nicht nur die klassische Tragödie – zuweilen sekundiert von der Komödie, etwa eines Aristophanes [20]. Vielmehr können etliche Werke der Weltliteratur von Shakespeare [21] bis Goethe [22] und Schiller [23] gleichsam als Dokumente menschlichen Strebens nach Gerechtigkeit gelesen und verstanden werden.

 

„Fünf Vorträge über Macht und Recht, Staat und Justiz“, die der Strafprozessualist Eberhard Schmidt unmittelbar nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes gehalten hat, hat er unter der gleichsam klassischen Maxime „Justitia Fundamentum Regnorum“ zusammengefasst [24]. Sie bildet gewissermaßen das Pendant zu Augustins Verdikt, dass Staaten ohne Gerechtigkeit nichts anderes als große Räuberbanden seien [25]. Jener Grundsatz, wonach Gerechtigkeit die Grundlage der Staaten ist, hat lange vor Schmidts Betrachtungen Eingang in literarische Darstellungen gefunden.

 

In der Weimarer Epoche etwa haben ihm – ungeachtet aller zur Anschauung gebrachten Skepsis – vor allem drei Autoren wohl nicht zufällig zur gleichen Zeit Ausdruck gegeben. Auch wenn die Vertreter jener Maxime – allein schon auf Grund der heraufziehenden Barbarei – praktisch auf verlorenem Posten gestanden haben, haben ihnen ihre Schöpfer das Wort geliehen. Gewiss, es waren Gerechtigkeitsdiskurse, die uns heute angesichts der Komplexität der Lebensverhältnisse und Zeitsituation – aber auch ihrer gegenwärtigen literarischen Verarbeitung – eher naiv und holzschnittartig erscheinen mögen.

 

So hat Arnold Zweig beispielsweise in seinem Roman über den ersten Weltkrieg „Der Streit um den Sergeanten Grischa“ von 1928 der Überzeugung zur Sprache verholfen, dass ein Staat, der die Gerechtigkeit dem Machterhalt und Kadavergehorsam opfert, nicht wert ist, länger zu bestehen, ja in transzendentaler Hinsicht letztlich verdammt ist. „Das Rechtsgefühl des Volkes“, sagt einer der Protagonisten, „bleibe das Abbild himmlischer  Gerechtigkeit, und wenn man es in eine Ecke schmeiße aus politischen Gründen, so könne niemand wissen, ob nicht mit solchem Frevel das Urteil des Staates selber falle in den ewigen Sphären der göttlichen Gerechtigkeit“ [26]. Und ein anderer, der gleichfalls gegen eine „menschliche Gerechtigkeit“ aufbegehrt, die Unschuldige auf dem Altar militärischer Disziplin opfert, sieht sich gleichfalls in der Pflicht: „Die Völker dazu zu bringen, Gerechtigkeit über sich in den Sternen zu fühlen, so wie der einzelne, wenn er vom Geldverdienen nicht verrückt oder verblödet ist, sie über sich in den Sternen fühlt, das scheint unsere nächste Aufgabe.“ [27]

 

Die Geschichte des Sergeanten Grischa, der in Arnold Zweigs Roman als Unschuldiger im ersten Weltkrieg erschossen wurde, ging noch weiter, natürlich. Denn es sollte noch einen zweiten Weltkrieg geben, in dem es einmal mehr darum ging, „Manneszucht“ und militärische „Disziplin“ auch und gerade um den – letztlich sinnlosen – Preis von Menschenleben – der allerdings damals recht gering war -.aufrecht zu erhalten. Die Erzählung „Ein Kriegsende“ von Siegfried Lenz könnte freilich dahin gedeutet werden, dass es hier um mehr geht als um die schlichte Alternative von Kadavergehorsam und menschlich verständlicher, vielleicht sogar moralisch zu rechtfertigender Befehlsverweigerung [28]. Wenngleich sich in diesem Text einmal mehr die Frage stellt, was von der bedingungslosen Durchsetzung eines Kriegsrechts zu halten ist, die der Ahndung einer Rebellion gegen einen Befehl gilt, dessen Ausführung angesichts der inzwischen eingetretenen militärischen Lage ganz und gar sinnlos, ja geradezu selbstmörderisch geworden ist.

 

In seinem ebenfalls im Jahre 1928 erschienenen Roman „Der Fall Maurizius“ schildert Jakob Wassermann die Wahrheitssuche des von einem nachgerade fanatischen Gerechtigkeitswillen beseelten Etzel Andergast, der sich ganz dem Nachweis der Unschuld des seit achtzehn Jahren im Zuchthaus sitzenden Protagonisten verschrieben hat. Der Schriftsteller selbst hat das zentrale Thema seines Romans auf den Nenner gebracht: „Es ist die Idee der Gerechtigkeit, die den Herzpunkt im ‚Fall Maurizius’ bildet.“ [29]. Das Ziel, sie realiter – und obendrein noch mit den (beschränkten) Mitteln der Justiz - zu verwirklichen, beherrscht Etzels Denken und Handeln. Davon zeugen nicht zuletzt seine Auseinandersetzungen mit Waremme/Warschauer, der durch seinen Meineid Leonhard Maurizius ins Zuchthaus gebracht hat – aber auch mit seinem Vater, dem Oberstaatsanwalt von Andergast, der sich gleichfalls als sog. „Realist“ in einer Welt voller Ungerechtigkeit mit den Worten zu erkennen gibt: „Laß ab von der Vorstellung, dass Gerechtigkeit und Justiz ein und dasselbe sind oder zu sein haben. Sie können es nicht sein. Es liegt außerhalb menschlicher und irdischer Möglichkeit.“ [30]

 

Der Topos der Gerechtigkeit spielt auch im 1930 veröffentlichten Roman „Erfolg“ von Lion Feuchtwanger eine unübersehbare Rolle – wie sehr hier gleichfalls eine letztlich von Sarkasmus getragene Skepsis und Relativierung durchschlagen mögen. Noch in der Ironisierung der Gerechtigkeitsidee durch den Schriftsteller Jacques Tüverlin und ihrer Perhorreszierung durch den bayerischen Justizminister Dr. Otto Klenk im Roman schimmert eine Sichtweise durch, die jenem Ideal gleichsam ex negativo Gehör zu verschaffen sucht. Bezeichnenderweise hat Feuchtwanger das Kapitel, in dem er den Vorstellungen des Ministers Ausdruck gibt, in Anspielung auf die von Eberhard Schmidt zugrunde gelegte Maxime mit „Fundamentum Regnorum“ überschrieben [31]. Klenk selbst wird dort mit der Äußerung zitiert , „Gerechtigkeit sei das Fundament des Staates; aber gerade darum müsse eines jeden Staates Gerechtigkeit aus dem gleichen Stoff sein wie der Staat selbst.“ Was dann den Minister zu der jedenfalls ihn befriedigenden Feststellung veranlasst, „seine bayerische Gerechtigkeit sei die beste unter allen denkbaren“ [32].

 

Es versteht sich, dass auch in der Folgezeit immer wieder literarische Anläufe unternommen worden sind, der Gerechtigkeitsidee zur Anschauung zu verhelfen. An Kleists Erzählung „Michael Kohlhaas“ gemahnt die Geschichte, die der hierzulande wenig bekannte norwegische Schriftsteller Ronald Fangen (1895-1946) in seinem 1934 erschienenen Roman erzählt. Das Werk trägt in der deutschen Übersetzung den bezeichnenden Titel: „Der Mann, der die Gerechtigkeit liebte“. Es ist die Geschichte eines rechtschaffenen und tüchtigen Schuhmachermeisters, den sein Hochmut, „Werkzeug der absoluten Gerechtigkeit“ zu sein, zu Fall bringt – bis ihm dann, der Intention des Autors entsprechend, religiöse Einsicht zur „wahren“ Selbsterkenntnis verhilft [33].

 

So einfach stellt sich die Welt dem Existenzialisten Albert Camus keineswegs dar. In seinem Schauspiel „Les justes“ („Die Gerechten“) von 1949 sucht er am Beispiel russischer Attentäter zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu veranschaulichen, wie eine abstrakt-ideologisch verstandene Gerechtigkeitsidee letztlich in den (Tugend-)Terror münden muss. Einer der Revolutionäre rechtfertigt im Bewusstsein, die Welt durch den Anschlag auf den Großfürsten vom Tyrannen befreien zu können, die Tat mit den Worten: „Wir nehmen es auf uns, Verbrecher zu sein, damit die Erde endlich von Unschuldigen bewohnt wird.“ [34] Ein anderer Attentäter hingegen meint: „Wir, die wir nicht an Gott glauben, haben die ganze Gerechtigkeit nötig, sonst müssten wir verzweifeln.“ [35]

 

Nicht einmal die vorgebliche Reinheit der Idee hat letztlich vor ihrem eigenen Anspruch Bestand. Erst recht müssen sich diejenigen, die durch ihre „befreiende“ Tat der Welt Gerechtigkeit schenken wollen, die Finger schmutzig machen. Damit greift Camus einmal mehr das Thema auf, das bereits Jean-Paul Sartre kurz zuvor, 1948, in seinem Drama „Les mains sales“ („Die schmutzigen Hände“) nachhaltig beschäftigt hat. In seinen „Tagebüchern“ sollte Camus dann pointiert auf den Begriff bringen, was schließlich als grundsätzliches Problem in Dürrenmatts „Monstervortrag“ wiederkehrt: „Wenn es dem Menschen mißlingt, Gerechtigkeit und Freiheit miteinander auszusöhnen  dann mißlingt ihm alles.“ [36]

 

V.

 

Wer dem Verständnis von Gerechtigkeit in der Literatur nachspürt, begegnet irgendwann dem Begriff der „poetischen Gerechtigkeit“. Es ist dies jenes Prinzip, das dem Dichter bis ins 18, Jahrhundert hinein die Rolle eines Richteramtes zuwies, kraft dessen er seine Figuren je nach Verdienst belohnen oder bestrafen konnte – und auch sollte. Im Ergebnis lief ein solches Vorgehen – verkürzt und vereinfacht ausgedrückt – darauf hinaus, dass Schriftsteller in ihren Darstellungen tunlichst darauf bedacht sein mussten, ihre Geschichten zu einem guten, d.h. dem allgemeinen – oder jedenfalls mutmaßlichen – Gerechtigkeitssinne entsprechenden Ende zu bringen.

 

Wulf Segebrecht hat den Weg der „poetischen Gerechtigkeit“ durch die Jahrhunderte an Hand literarischer Werke und der Literaturkritik nachgezeichnet. Dabei sind die Vergleiche  mit und Parallelen, die  zu Darstellungen der „juristischen Gerechtigkeit“ gezogen wurden, nicht zu übersehen: „Autoren und Kritiker beziehen sich in gleicher Weise auf die Attribute der Justitia: vor allem auf die Waage und das Schwert.“ [37] „Die Poesie übermittelt dem Leser die Grundsätze der göttlichen Gerechtigkeit und befestigt ihn im Glauben an sie. Die Funktion der Kunstrichter ist es, darüber zu wachen, dass diese Grundsätze in der Poesie eingehalten werden.“ [38]

 

Im Laufe des 17. Jahrhunderts hat sich – namentlich unter dem Einfluss Gottscheds – ein Wandel in der literarischen und literaturkritischen Beurteilung der „poetischen Gerechtigkeit“ vollzogen. Vor dem Hintergrund realer Erfahrungen mit einer als ungerecht erlebten Welt wurde der Poesie in zunehmendem Maße – zugleich im Vertrauen auf den Gerechtigkeitssinn des lesenden Publikums – die Rolle des Richters über geschichtliche Macht und Herrschaft zugewiesen. Beispielhaft dafür erscheint etwa die Schaubühnen-Rede Schillers, in der es heißt: „Die Gerichtsbarkeit der Bühne fängt an, wo das Gebiet der weltlichen Gesetze sich endigt. Wenn die Gerechtigkeit für Gold verblindet und im Solde der Laster schwelgt, wenn die Frevel der Mächtigen ihrer Ohnmacht spotten und Menschenfurcht den Arm der Obrigkeit bindet, übernimmt die Schaubühne Schwert und Waage und reißt die Laster vor einen schrecklichen Richterstuhl.“ [39] Segebrecht bringt diese Sicht der „poetischen Gerechtigkeit“ auf den Nenner: „Die Dichtung erhebt gleichsam den Anspruch auf den alleinigen Besitz der höchsten Gerechtigkeit, und wer sich deutend um das Verständnis der Dichtung bemüht, dem wird ein Anteil an diesem Besitz gewährt oder in Aussicht gestellt.“ [40]

 

VI.

 

Die Veränderungen, die der Topos „poetische Gerechtigkeit“ in der Folgezeit erfahren hat, werden namentlich in neueren interdisziplinären Studien, die der Beziehung zwischen Literatur und Recht gelten, thematisiert. So hat Jörg Schönert etwa konstatiert, in der deutschen Erzählprosa zwischen 1850 und 1880 lasse sich „eine deutliche Tendenz ausmachen, dass Konstruktionen der ‚poetischen Gerechtigkeit’ die Mängel in der realen Praxis literarisch kompensieren sollen“ [41]. Wolfgang Naucke hat in ersten Überlegungen die Beziehung zwischen strafjuristischer und literarischer Gerechtigkeit eher als eine Art Ergänzungs- oder wechselseitiges Kontrollverhältnis  beschrieben, „als Möglichkeit, aus der einen abzulösen, was der anderen fehlt“ [42].

 

Deutlich wird – vor allem an Einzeluntersuchungen von Kriminalitätsdarstellungen -, dass sich literarische Vergegenwärtigungen „poetischer Gerechtigkeit“ im 19. Jahrhundert immer wieder an eigenständigen ästhetischen Normen orientieren, die durchaus vom juristischen Verständnis und Sprachgebrauch abweichen. Dies ist selbst dann der Fall, wenn sie – wie in der Regel – „mit den geltenden gesellschaftlichen Erwartungen vermittelt sind“ [43]. „Das Gefühl des Unbehagens führt zur Forderung nach vollkommener Gerechtigkeit, die sich in der Poesie ausdrücken muß.“ [44]  Hartmut Mangold hat diese Perspektive mit Bezug auf die literarische Gestaltung rechtlicher Konfliktsituationen durch den Dichterjuristen E. T. A. Hoffmann analysiert; er ist auf Grund dessen zum – auch seine Studie – abschließenden Ergebnis gelangt: „Gerechtigkeit kann in der Poesie – doch auch nur in der Poesie – erfahren werden.“ [45]

 

Damit werden bereits Übergänge zu einer literarischen Sichtweise markiert, die vor allem im späten 19. Jahrhundert wachsende Bedeutung gewinnen sollte. Freilich hat die Kritik am Topos der „poetischen Gerechtigkeit“ schon wesentlich früher eingesetzt. Im Anschluss an Ludwig Tieck und Gottsched hat Segebrecht auf jene Entwicklung verwiesen: „Schon Gottsched und Lessing, Schiller und Goethe, E. T. A. Hoffmann und Tieck – um nur einige prominente Verächter der ‚Poetischen Gerechtigkeit’ zu nennen – haben sich über diese ‚fatale Justizperson’ lustig gemacht, ‚die schon so viele gute Bücher verdorben hat’ [46] und die den Dichtern glaubt vorschreiben zu können, sie hätten in ihren Werken stets ‚die Tugend als glücklich und belohnt; das Laster aber, als unglücklich und gestraft zu zeigen’“ [47].

 

Was dort und damals aber eher noch als eine aus dem Geiste literarischer Qualität geborene Kritik an allzu billigen literarischen Aussöhnungs- und Harmonisierungsszenarien zu verstehen war, die mit dem publikumswirksamen Mittel des moralischen „happy end“ operierten, nahm aber später grundsätzliche Bedeutung an. Segebrecht hat das Ergebnis dieser Entwicklung auf die einprägsame Formel gebracht: „Der Weg der literarischen Moderne ist nun – auf den Umgang mit der ‚Poetischen Gerechtigkeit’ bezogen – dadurch gekennzeichnet, dass nicht mehr nur Formen der Abweichung von der ‚Poetischen Gerechtigkeit’ bzw. der Etablierung einer ganz eigenen, dichtungsimmanenten Gerechtigkeit entwickelt werden, sondern dass an ihre Stelle zunehmend Darstellungen der Verweigerung oder Unerreichbarkeit von Gerechtigkeit treten.“ [48]

 

Diesen Prozess veranschaulicht de Literaturwissenschaftler an verschiedenen Textbeispielen, beginnend mit Gerhart Hauptmanns Komödie „Der Biberpelz“ und endend mit Franz Kafkas Roman „Der Proceߓ. Seine Analyse mündet in der Diagnose, dass die Dichtung der Moderne sich nicht nur einer wie immer definierten „poetischen Gerechtigkeit“ verweigert, sondern auch nicht mehr dazu bereit ist, „dem Leser den Maßstab abzufordern oder mitzuteilen, nach dem sie eine eigene Gerechtigkeit vollzieht“ [49]. Kafkas Roman erscheint Segebrecht als das nachgerade „klassische“ Beispiel für solche literarische Modernität, welche die Deutung des erzählten Geschehens voll und ganz in die „Zuständigkeit und in die Verfügungsgewalt des Interpretierenden verlegt“ [50] - und damit auch dessen Verständnis von Gerechtigkeit anheim stellt. Die moderne Literatur hat in dieser Sicht den Topos „poetische Gerechtigkeit“ einstiger Provenienz aufgekündigt. Die Leerstelle, die sie in der realen Welt vorfindet, hält nunmehr auch sie nicht mehr besetzt.

 

VII.

 

Dieser Diagnose der literarischen Moderne korrespondiert in gewisser Weise der Quantensprung, der in Dürrenmatts literarischem und essayistischem Werk zu konstatieren ist. Ist es doch dieser Dichter gewesen, der bereits vor einem halben Jahrhundert in seinen „Theaterproblemen“ die These entwickelt hat, die alten menschheitsgeschichtlichen Fragen, die sich um Gerechtigkeit und Wahrheit ranken, ließen sich in der heutigen Welt nicht mehr angemessen mit den Mitteln der Tragödie darstellen. Deren Platz müsse nunmehr die Komödie, die Farce, die Groteske einnehmen. „Die Tragödie, als die strengste Kunstgattung, setzt eine gestaltete Welt voraus. Die Komödie – sofern sie nicht Gesellschaftskomödie ist wie bei Molière – eine ungestaltete, im Werden, im Umsturz begriffene, eine Welt, die am Zusammenpacken ist wie die unsrige. Die Tragödie überwindet die Distanz“ [51]. „Die Komödie schafft Distanz“. „Die Tragödie setzt Schuld, Not, Maß, Übersicht, Verantwortung voraus, in der Wurstelei unseres Jahrhunderts, in diesem Kehraus der weißen Rasse, gibt es keine Schuldigen und auch keine Verantwortlichen mehr. Alle können nichts dafür und haben es nicht gewollt. Es geht wirklich ohne jeden.“ „Uns kommt nur noch die Komödie bei. Unsere Welt hat ebenso zur Groteske geführt wie zur Atombombe, wie ja die apokalyptischen Bilder des Hieronymus Bosch auch grotesk sind. Doch das Groteske ist nur ein sinnlicher Ausdruck, ein sinnliches Paradox, die Gestalt nämlich einer Ungestalt, das Gesicht einer gesichtslosen Welt“ [52]. Dürrenmatt hat damals freilich sein Plädoyer für die Komödie als die der heutigen Welt einzig angemessene Kunstform mit der bemerkenswerten Forderung beendet: Die Literatur muß so leicht werden, dass sie auf der Waage der heutigen Literaturkritik nichts mehr wiegt: Nur so wird sie wieder gewichtig.“ [53]

 

Ob es die Gedankengänge jenes Schriftstellers waren oder ob sie gleichsam in der Luft lagen – jedenfalls haben sie später in mehr oder minder modifizierter Form Nachfolge gefunden. Albert von Schirnding zählt etwa zu den Literaturkritikern von Graden, die in ihrer historischen Retrospektive von der Antike bis zur Gegenwart jene Sicht Dürrenmatts nachvollzogen haben. Er hat sie explizit – schon im Blick auf den Wandlungsprozess, den das Drama von Sophokles’ „König Ödipus“ bis zu Kleists „Zerbrochnem Krug“ durchlaufen hat [54] - mit den Worten übernommen: „Aus der Tragödie ist eine Komödie geworden.“ [55] „Eine gottlose Welt bietet für die Unterscheidung von Gut und Böse keine verbindliche Norm mehr. Das Böse wird anonym und banal.“ [56] „Damit ist der Kausalnexus von Tat und Schuld, von Schuld und Sühne zerrissen. Täter und Opfer stehen sich nicht mehr gegenüber. Die Verbrecher sind austauschbare Handlanger eines allgemeinen Bösen, anonyme Funktionäre von Strukturen, Systemen, Mechanismen geworden. ‚Wo alle schuldig sind, kann man letzten Endes über niemand zu Gericht sitzen’, heißt es bei Hannah Arendt.“ Das Fazit dieser Analyse lautet: „In Auschwitz und Hiroshima ist die Individualität liquidiert worden, von der die Literatur so lange gezehrt hat.“ [57]

 

VIII.

 

Während die Juristen noch auf der Suche nach einer gültigen, nicht nur für alle verbindlichen, sondern auch akzeptierten und durchsetzbaren – vor allem aber zugleich akzeptablen, d.h. gerechten – Weltordnung sind [58], haben die Schriftsteller nach jenem Befund ihre Mitarbeit an diesem Werk eingestellt. Sie beschreiben nicht mehr nur das Fehlen einer solchen Weltordnung, um es zu kritisieren und für deren Schaffung einzutreten. Sie haben in jener Perspektive gleichsam den Gerechtigkeitsdiskurs aufgekündigt [59]

 

In literaturwissenschaftlicher Sicht wird dieses Phänomen nicht selten als Verlust an transzendentaler, religiöser Orientierung gedeutet, der vor allem der literarischen Moderne zugeschrieben wird. Albert von Schirnding etwa hat einen solchen Nachweis an Hand des allmählichen Austauschs der übergeordneten Instanz zu führen gesucht, die für die Gewährleistung von Gerechtigkeit in der Welt steht und gegebenenfalls für deren (Wieder-)Herstellung sorgt. Ursprünglich war es in seinem Verständnis die Gottheit, die von der Antike bis über das Mittelalter hinaus in literarischen Darstellungen die Garantie für Gerechtigkeit – im Wortsinne – verkörperte. „Deswegen ist die griechische Tragödie“ – sagt von Schirnding – „eben insofern Gottesdienst, als sie Gerichtsverhandlung ist“ [60].

 

Doch hat sich das seiner Sicht zufolge nach dem Aufklärungszeitalter entscheidend gewandelt. „Zwar geht es auf der Bühne des modernen Theaters immer noch um eine Rekonstruktion der gestörten Weltordnung, aber es fehlt eine absolute, die Gültigkeit der Rechtsidee garantierende Instanz.“ [61] Des Transzendentalen entkleidet wird die Herstellung von Gerechtigkeit  - wenn sie denn stattfindet und so sie überhaupt gelingt – zu einer ganz und gar profanen, diesseitigen Veranstaltung. „Die Justiz, die sich an die leergewordene Stelle Gottes setzt, wird eben damit zum Inbegriff einer gottverlassenen Welt.“ [62]

 

Man begegnet solchen Sichtweisen, die den transzendentalen Bezug in der heutigen Kunst, namentlich der Literatur, vermissen, auch anderwärts. George Steiner hat in seiner Studie „Von realer Gegenwart“ nicht nur die Vorherrschaft des Sekundären und Parasitären in der heutigen Zeit einer fundamentalen Kritik unterzogen, sondern in der Schlusspassage auch angemerkt: „In neuerem Kunstschaffen und Denken ist es nicht ein Vergessen, das am Werk ist, sondern ein negativer Theismus, ein besonders lebhaftes Gefühl der Abwesenheit Gottes oder, um präzise zu sein, seines Abtretens.“ [63] War es nur eine Variation dieses Themas, dass die Schriftstellerin Dorothea Dieckmann in ihrer eingangs erwähnten Studie zu Protokoll gab: „Die Tragik –Opfer und Täter, Verstrickung und Schuld, Tausch und Verhängnis – hat sich in die Immanenz verkrochen, mit der Erinnerung daran, dass das Schauspiel menschengemacht und der Gott fehlbar ist.“ [64] ? Ob es der in kunst- oder literaturkritischer Hinsicht beklagte Verlust an Transzendenz ist, ob nun in dieser Sicht in literarischen Werken der Gegenwart tatsächlich irdische Instanzen an die Stelle überweltlicher Mächte getreten sind – die Skepsis, dass auf solche Weise die postulierte Gerechtigkeit verwirklicht werden kann, scheint damit vollkommen. Diese Perspektive legt namentlich – und keineswegs zufällig – das Werk Dürrenmatts nahe.

 

IX.

 

In seinem Kolportageroman „Justiz“ (1985) erzählt der Autor die Geschichte eines Mordes,   seiner Aburteilung sowie seiner gesellschaftlichen Zusammenhänge und Hintergründe. Das Geschehen muss letztlich vielen, wenn nicht den meisten Lesern wirklichkeitsfremd erscheinen. Demnach hat in Zürich der Kantonsrat Dr. h.c. Isaak Kohler den Germanisten Professor Adolf Winter vor den Augen vieler Leute in einem öffentlichen Lokal erschossen [65] Das was Martin Walser in seinem umstrittenen Werk als bloßes Gedankenspiel inszeniert hat [66], ist in der Darstellung des Schweizer Autors tatsächlich geschehen. Doch über diese scheinbare Gemeinsamkeit hinaus sind die beiden Texte inhaltlich wie formal nicht miteinander vergleichbar. Die überaus verschlungene Story, die Dürrenmatt den Protagonisten seines Romans, den jungen, aufstrebenden Rechtsanwalt Dr. Felix Spät, schildern lässt, kann und sollte – unter Verzicht auf freilich nicht unwichtige Abwege und Details – schließlich doch auf eine einigermaßen überschaubare Grundstruktur zurückgeführt werden.

 

Der rasch überführte Kantonsrat wird wegen seiner Tat – die er allerdings im Strafverfahren nie gestanden hat – zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt und in die Strafanstalt Regensdorf eingewiesen. Dort gewinnt er Spät für das diesem jedoch befremdlich erscheinende Vorhaben, das ganze Geschehen unter der Annahme zu untersuchen, dass er, Kohler, doch nicht der wahre Täter sei. Im Zuge seiner Recherchen kommt der Anwalt – auf Grund einer Vielzahl von Widersprüchen und Unklarheiten, nicht zuletzt in den Zeugenaussagen – indessen zu dem paradoxen Ergebnis, dass die Täterschaft des Kantonsrates entgegen den ursprünglich recht eindeutigen Feststellungen des Gerichts überaus zweifelhaft ist und dass stattdessen nur ein anderer, nämlich die recht dubiose Persönlichkeit Dr. Bennos, für den Mord in Frage kommen kann.

 

Der mehr als irritierte Spät glaubt nunmehr in eine Falle geraten zu sein. Statt nun seinen Bericht dem Auftraggeber auszuhändigen, verkauft er ihn aus finanziellen Gründen dem sog. „Staranwalt“ Stüssi-Leupin. Der erreicht durch eine entsprechende Eingabe, dass Kohlers Fall vor einem Geschworenengericht neu verhandelt wird. Der ursprünglich Verurteilte wird auf freien Fuß gesetzt. Dr. Benno, der nun seinerseits ein Strafverfahren wegen Mordes zu fürchten hat, sieht keinen anderen Ausweg mehr als im Freitod.

 

Spät wird jetzt vollends an der irdischen Gerechtigkeit irre: Der wahre Täter wird – wie es im Roman heißt – „mit Glanz und Gloria freigesprochen“ [67], der vermeintliche in den Selbstmord getrieben. Um die Gerechtigkeit wieder herzustellen, will Spät deshalb einen – wie er meint – „gerechten Mord“ begehen, also den Kantonsrat nun seinerseits erschießen. Er wird jedoch durch den Polizeikommandanten, der den Rechtsanwalt durchschaut, an der Ausführung seines Plans gehindert.

 

Eine der zentralen Pointen des Geschehens besteht nun darin, dass der Leser recht spät über die Hintergründe des Mordes am Germanisten ins Bild gesetzt wird: Demnach hatte der von Kohler erschossene Winter zuvor zusammen mit Dr. Benno Hélène, die Tochter des Kantonsrates, vergewaltigt. Aus Rache hat dieser dann – auf Betreiben des Opfers – den Germanisten ermordet und Dr. Benno schließlich in den Freitod getrieben.

 

Das Ende der kolportagehaften Handlung lässt sich in aller Kürze wie folgt zusammenfassen: „Der dem Trunke ergebene, heruntergekommene Spät, der in Zürich als ‚Hurenanwalt’ bekannt und berüchtigt gewesen war und dort sein Patent, d.h. seine Zulassung, wegen seines Lebenswandels verloren hatte, kann zwar in einem Bergdorf seine berufliche Tätigkeit als ‚Bauernanwalt’ fortsetzen. Doch stirbt er alsbald, körperlich und seelisch völlig am Ende. Der fast hundert Jahre alte Kohler hingegen erntet Beifall und Gelächter, wenn er in feiner Gesellschaft seinen Mord und seinen späteren Freispruch zum Besten gibt.“ [68]

 

X.

 

Wer will, mag in dem ganzen Geschehen das Walten einer Art „höherer Gerechtigkeit“ erblicken – die freilich die irdische, die Justiz, nicht zu verwirklichen vermocht hat. Die Täter, die sich auf so schändliche Weise an Hélène vergangen haben, haben gewissermaßen ihre Tat gesühnt; sie hat – wenn auch jeweils auf eigene Weise – der Tod ereilt, eine gewiss harte Strafe, die das schweizerische StGB für sie nicht vorgesehen hatte. Der Rächer der Tat, der Kantonsrat, hat immerhin für seine eigene zeitweilig im Zuchthaus gesessen, ist aber schließlich doch wieder auf freien Fuß gekommen. Der letztlich völlig heruntergekommene Rechtsanwalt Spät, der mit seinen lediglich aus materialistischen Gründen betriebenen Recherchen eine für das Alpenland allerdings nicht ganz ungewöhnliche Lawine ausgelöst hat, wurde an der Begehung eines weiteren Mordes gehindert – der ja die Sache auch nicht besser gemacht hätte.

 

Freilich weist der ganze Handlungsablauf bei näherem Zusehen nicht unerhebliche Brüche und Verwerfungen auf. Wenn sein Ende in einer Art „höherer Gerechtigkeit“ bestanden haben soll, dann hat deren Verwirklichung immerhin den Preis der irdischen gekostet. Der Kantonsrat hatte ja, was immer seiner Tochter angetan worden war, kein Recht darauf, Winter zu erschießen. Zwanzig Jahre Zuchthaus mögen in Anbetracht aller Umstände des Falles vielleicht zu viel gewesen sein; doch ein Freispruch war juristisch schwerlich zu rechtfertigen. Dass der „Gerechtigkeitsfanatiker“ [69] Spät letztlich so elend zugrunde gegangen ist, mag man in Anbetracht seines ja insgesamt nicht unproblematischen Verhaltens noch hinnehmen. Dass Kohler aber sich in Gesellschaft seiner Handlungsweise mit Erfolg rühmen kann, hat wohl mit Moral oder „höherer Gerechtigkeit“ wenig zu tun.

 

Dürrenmatts Roman durchziehen auch Aussagen der handelnden Personen, die das Befremdliche, Verstörende des Geschehens gerade im Blick auf Gerechtigkeit mehr als deutlich zum Ausdruck, ja sogar auf einen Nenner  bringen. So meint der „Staranwalt“ Stüssi-Leupin in entsprechendem Zusammenhang, die Wahrheit spiele „sich in Etagen ab, die für die Justiz unerreichbar sind“ [70]. Nicht minder bezeichnend für das Geschehen ist es, dass Spät fest daran geglaubt hat, nur durch einen Mord die Gerechtigkeit (wieder-)herstellen zu können, dass aber andererseits aus der Verwirklichung dieses Vorhabens nichts wurde.

 

Am Anfang der Darstellung steht denn auch die fast an die Tragikomödie „Der Besuch der alten Dame“ [71] erinnernde Überzeugung des jungen Rechtsanwalts: „Die Gerechtigkeit läßt sich nur durch ein Verbrechen wiederherstellen.“ [72] Also nicht durch irdische Gerichtsbarkeit. Da wirkt die Feststellung Hélènes am Schluss fast noch halbwegs entschuldigend oder wenigstens relativierend, „es gäbe Fälle, wo die Justiz ihren Sinn verloren habe, zur bloßen Farce werde“ [73].

 

Dürrenmatt, der sich ja in seinen doppelbödigen Theaterstücken, Romanen und Erzählungen zeitlebens auf die Darstellung der Ambivalenz und Zwiespältigkeit menschlichen Verhaltens und gesellschaftlicher Einrichtungen verstanden hat, enthält erst recht in „Justiz“ den Leser den immer wieder gesuchten Schlüssel zur Erschließung des Geschehens vor. Die Lektüre des Romans gleicht dem Gang durch ein Labyrinth – nicht nur von den Ereignissen her, sondern auch und gerade von den darin aufscheinenden Vorstellungen über die Gerechtigkeit und ihre Verwirklichung auf Erden. Da ist es auch nicht gerade hilfreich, wenn der Schriftsteller seinem Protagonisten Spät den ironisch-sarkastischen Gedanken eingibt: „Denken ist ein nihilistischer Zug, stellt die Werte in Frage“ [74]. Man hat ja gesehen, wohin unaufhörliches Reflektieren führen kann – wenn auch beileibe nicht muss.

 

XI.

 

Vielleicht gibt es auch zu viele Gerechtigkeiten – denen die Gerechtigkeit selbst, die „eigentliche“ oder wie immer zu nennende, nicht gewachsen ist  [75]. Die „revolutionäre Gerechtigkeit“ haben wir unter Hekatomben von Opfern hinter uns gebracht. Die „Gerechtigkeit von unten“, die einst Ernst Bloch derjenigen von oben hat entgegensetzen wollen [76], hat uns gleichfalls zu sehr nach Parteinahme – im Wortsinne – gerochen – wiewohl sie in Gestalt des sozialen Weltforums (in Porto Alegre) einmal mehr weniger fröhliche als traurige Urständ’ gefeiert hat, um sich gegenüber dem Weltwirtschaftsforum (in Davos) behaupten zu können. Wobei wiederum die alte Gretchenfrage inzwischen globale Ausmaße angenommen hat, wie lange noch die wirtschaftliche Armut in der Welt durch ihren geistigen Reichtum kompensiert werden soll und kann.

 

Die „wirkliche Gerechtigkeit“ [77] prätendiert wahrscheinlich ebenso einen Anspruch, den sie noch nicht einmal in abstracto einlösen kann. Die „aufräumende Gerechtigkeit der Divina Commedia“ – von der gleichfalls Ernst Bloch im Blick auf Dante gesprochen hat [78] - hat vielleicht mit den großen Verbrechern auf der Bühne Schluss zu machen verstanden; auf der Weltbühne agieren sie mehr oder minder munter weiter. Die „sozialistische Gerechtigkeit“ hat sich – im Prozess der Entideologisierung – womöglich zur „sozialen“ gemausert; doch hat sie selbst in ihrer eher moderaten Gestalt wenig Aussicht, von allen als die Verkörperung von Gerechtigkeit schlechthin akzeptiert zu werden.

 

So gibt es in der Tat vielleicht doch zu viele Gerechtigkeiten. Wie es eben eine Holz-, Weide- und Bergbau-Gerechtsame oder –Gerechtigkeit gibt. Mit denen das Recht bis heute zu tun hat. Ohne dass es damit jedoch den Anspruch auf allumfassende Gerechtigkeit verbinden würde. Oder auch könnte.

 

XII.

 

Dass das Thema und Problem der Gerechtigkeit seit altersher die Literatur in einem so ungemein starke Maße beschäftigt, hat gewiss verschiedene Gründe. So vielfältig wie die Fragestellungen sind, mit denen Menschen sich schon immer auseinandersetzen, so vielgestaltig sind auch literarische Texte. Sie lassen sich immer schon angelegen sein, was Menschen interessiert, mehr noch was sie bewegt. In diesem Sinne dürfte ein zentrales Motiv in dem Umstand zu sehen sein, dass das Streben nach Gerechtigkeit einem urmenschlichen Bedürfnis entspringt.

 

Wie immer Menschen sich in ihrer Geschichte weiterentwickelt haben – wenn sie es denn realiter getan haben sollten [79] - es existieren vermutlich zwei anthropologische Grundkonstanten, aus denen heraus sie leben und mit denen sie leben. Beide stehen in einer wohl unauflöslichen Wechselbeziehung zueinander. Das sind die Hoffnung – nicht nur was die Zukunft oder eine bessere Zukunft betrifft, sondern auch darauf, dass das Leben einen verstehbaren, nachvollziehbaren Sinn hat, der alle Mühen und Nöte letztlich rechtfertigt – und eben die Erwartung, die auf Verwirklichung von Gerechtigkeit gerichtet ist.

 

„Das Prinzip Hoffnung“ ist nicht nur ein philosophisches Werk Ernst Blochs [80], dessen Botschaft sich im Licht spätaufklärerischer oder postmoderner Entideologisierung überlebt haben mag. Es ist aber auch keine bloße Metapher für spekulative Sehnsüchte des Menschen. Vielmehr rührt Hoffnung aus einem – religiös, weltanschaulich oder wie immer zu verstehenden – Grundbedürfnis des Menschen her, der schließlich aus der Hoffnung lebt. Wer dem Menschen die Hoffnung nimmt, nimmt ihm die Zukunft – ja, mehr noch, er raubt ihm den Sinn des Lebens.

 

Nicht anders muss es um das Streben, die Sehnsucht nach Gerechtigkeit bestellt sein. Wie immer diese selbst im einzelnen definiert und verstanden werden mag. Auch dieses Bedürfnis wurzelt zutiefst im Menschen. Dass es sich um ein gleichsam uranthropologisches Phänomen handeln muss, hat Jakob Wassermann an seinem Protagonisten Etzel Andergast im „Fall Maurizius“ zu demonstrieren versucht. In einer Schlüsselszene des Romans, der Auseinandersetzung mit seinem Vater, gibt der junge Mann seiner Überzeugung mit den Worten Ausdruck: „Gerechtigkeit ist wie Geburt. Ungerechtigkeit ist der Tod.“ [81] Eine Erkenntnis, der dann – wie in Stein gemeißelt – die nicht minder pathetische Feststellung folgt: „Der Mensch besitzt ein Urrecht, in seiner Brust, sein mit ihm geborenes. Teil hat jeder an der Gerechtigkeit, wie er teilhat an der Luft. Raubt man ihm die, muß die Seele ersticken.“ [82]

 

Wer der nüchternen Version dieses Grundbedürfnisses mehr Verständnis entgegen zu bringen vermag, der sei an den Roman des amerikanischen Schriftstellers David Guterson „Schnee, der auf Zedern fällt“ erinnert, in dem die Ehefrau des wegen Mordes angeklagten Protagonisten den ganzen Prozess als ungerecht empfindet. Im Gespräch mit ihr meint der ihr von Jugendzeiten her bekannte Journalist Ishmael, der in seiner Zeitung über das Strafverfahren berichten muss, er frage sich manchmal, ob Ungerechtigkeit nicht „ein Teil des Lebens ist. Ich frag mich, ob wir Gerechtigkeit überhaupt erwarten können, ob wir annehmen dürfen, wir hätten einen Anspruch darauf.“. Die einstige Jugendfreundin vermag ihn indessen davon zu überzeugen, dass Ungerechtigkeit mitnichten einem Naturgesetz entspringt: „Du hast recht – die Menschen sind nicht gezwungen, ungerecht zu sein.“ [83]

 

Gerechtigkeit kann ganz profane diesseitige Züge annehmen, wie es sich beispielsweise im Begriff der „sozialen Gerechtigkeit“ manifestiert. Sie kann aber auch transzendental begriffen werden, als etwas, als ein Ziel, auf das menschliches Denken und Handeln zwar ausgerichtet werden, an dem es sich orientieren soll, das es aber letztlich nicht zu erreichen vermag. Ein Blick in die Wortkonkordanz lehrt, welche geradezu fundamentale Rolle der Begriff der Gerechtigkeit in der Bibel spielt. Jedenfalls in quantitativer Hinsicht übersteigt seine Bedeutung dort noch diejenige der Hoffnung [84].

 

Natürlich ist das biblische Verständnis von Gerechtigkeit nicht mit demjenigen gleichzusetzen, das Juristen meinen, wenn sie sich darauf berufen [85]. Auch im Alltag der Menschen und im Leben der Völker und Staaten geht es der Sache nach um eine ganz und gar irdisch verstandene Gerechtigkeit. Doch wie immer sie jeweils begriffen werden mag – allemal weist sie über das positive oder tradierte Recht hinaus. In rechtsphilosophischer Sicht verkörpert sie einen jener zentralen Rechtswerte, an denen sich Recht schlechthin zu orientieren hat, durch den es selbst legitimiert wird.

 

 

XIII.

 

Das alles macht verständlich, weshalb Schriftsteller in ihren Werken in solchem Maße auf Gerechtigkeit rekurrieren, dem menschlichen Streben danach narrative Gestalt verleihen.. Dabei spielt unübersehbar – ungeachtet der Hoffnung oder der Skepsis, die sie damit verbinden – die Vorstellung eine Rolle, dass Gerechtigkeit auf Erden allemal, wenn überhaupt, nur annäherungsweise zu verwirklichen ist. Das Streben nach ihr hat Anteil am menschlichen Tun schlechthin, das seine Ziele nie rein und unverfälscht erreicht. Von der heilsamen Ernüchterung,  die in solcher Erkenntnis steckt, zeugt nicht erst die literarische Moderne, wenn auch sie ganz besonders. Bereits der Antike war das Fragmentarische, Bruchstückhafte, Unvollkommene menschlichen Strebens geläufig. Und das zieht sich wie ein roter Faden durch die Literaturgeschichte. In einem ihrer Höhepunkte, in Goethes „Faust“, ist davon besonders eindrucksvoll die Rede. Erst recht freilich in den literarischen Werken der Gegenwart – soweit sie sich überhaupt auf dieses Thema einlassen (vgl. VII. und VIII.).

 

Noch immer besucht uns Dürrenmatts „alte Dame“. Noch immer fordert sie auf ihre, nein, auf unsere Weise Gerechtigkeit ein. Noch immer trägt die Gerechtigkeit in der Wirklichkeit unserer Tage Züge des Grotesken, ja zuweilen sogar des Barbarischen. Weil sie selbst in den realitätsenthobenen Sphären der reinen Abstraktion und Begrifflichkeit Schwierigkeiten hat, ideale humane Gestalt anzunehmen, die auf unser aller Zustimmung rechnen kann. Je konkreter sie werden will, desto mehr scheint sie sich von ihrem eigenen Ideal zu entfernen. Je abstrakter sie ist, um so eher kann sie sich mit einer Wirklichkeit aussöhnen, die nicht fürchten muss, an ihrer Idee gemessen zu werden. Je öfter wir Gerechtigkeit im Munde führen oder ihr schriftlich Ausdruck geben, desto weniger bleibt von ihr im realen Dasein übrig. Die Mächtigen, die Herren dieser Erde hatten es immer schon gerne, wenn sich Gerechtigkeit – auf die sie sich ja gleichfalls mit Nachdruck berufen – zur Idee, zum Ideal verflüchtigt, um das sie sich – natürlich strebend bemühen, um wenigstens von der irdischen Gerechtigkeit erlöst zu werden.

 

Einmal mehr gilt es zum Schluss an Albert Camus anzuknüpfen – und an die Interpretation, die sein Werk durch den Rechtsphilosophen Peter Schneider gefunden hat. Zu erinnern ist an das Wort des Schriftstellers, wonach es keine Gerechtigkeit, aber Grenzen gebe [86]. Schneider hat es keineswegs im Sinne einer absoluten Negation, sondern vielmehr einer Relativierung gedeutet, die sich am Maß und an den Möglichkeiten des Menschen orientiert: „Es gibt keine Gerechtigkeit, heißt: es gibt keine absolute Gerechtigkeit, so wenig es absolute Freiheit und absolute Macht geben kann. Wer auszieht, die absolute Gerechtigkeit zu verwirklichen, wird bei der absoluten Vernichtung enden, genauso wie derjenige, der die absolute Freiheit oder die absolute Macht will.“ [87]      



[1] Überarbeitete Fassung des Vortrags, den ich am 29. Januar 2003 im Rahmen der Ringvorlesung über Gerechtigkeit in Saarbrücken gehalten habe.

[2] Vgl. Heinz Müller-Dietz, Recht, Nationalsozialismus und Karl Kraus – Eine notwendige Erinnerung , in: Strafgerechtigkeit. Festschrift für Arthur Kaufmann zum 70. Geburtstag, Heidelberg 1993, S. 769-802 (778). Wieder abgedruckt in: Müller-Dietz, Recht und Nationalsozialismus. Ges. Beiträge, Baden-Baden 2000, S. 133-178 (145 f.); Fritz Betz, Das Schweigen des Karl Kraus. Paradoxien des Medienalltags, Pfaffenweiler 1994, S. 76 ff., 94 ff.

[3] D. Dieckmann, Sprachversagen, Graz-Wien 2002.

[4] Heinrich von Kleist, Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden, in: Ders, Anekdoten. Kleine Schriften (dtv-Gesamtausgabe, Bd. 5), München 1964, S. 53-58..

[5] A. Camus, Tagebücher 1935.1951, Reinbek 1972, S. 253.

[6] W. Gaddis, Letzte Instanz. Roman, Reinbek 1998, S. 9.

[7] Eb. Schmidhäuser, Verbrechen und Strafe heute – nur noch Reflex des Phantoms ‚Gerechtigkeit’? Friedrich Dürrenmatt: „Die Panne“ – Erzählung, Hörspiel, Komödie, in: Ders., Verbrechen und Strafe. Ein Streifzug durch die Weltliteratur von Sophokles bis Dürrenmatt, 2. Aufl. München 1996, S. 209-230. Zu jenem Werk auch Gunther Arzt, Bemerkungen zu Friedrich Dürrenmatt: „Die Panne“ – aus strafrechtlicher Sicht, Schweizer. Ztschr. f. Strafrecht 1989, S. 1-14.

[8] Zum aktuellen rechtswissenschaftlichen Gerechtigkeitsdiskurs z.B. Werner Maihofer und Gerhard Sprenger (Hg.), Praktische Vernunft und Theorien der Gerechtigkeit, Stuttgart 1992; Bernd Rüthers, Das Ungerechte an der Gerechtigkeit, 2. Aufl.. Zürich 1993; Günter Stratenwerth, Wie wichtig ist Gerechtigkeit? In: Strafgerechtigkeit (Fn. 2), S. 353-362;   Rainer Zaczyk, Gerechtigkeit als Begriff einer kritischen Philosophie im Ausgang von Kant, in: Hans-Joachim Koch (Hrsg.), Theorien der Gerechtigkeit, Stuttgart 1994, S. 105-122; Ingo von Münch, Rechtsstaat versus Gerechtigkeit?, Der Staat 1994, S. 165-184; Arthur Kaufmann, Rechtsphilosophie, 2. Aufl. München 1997, 10.-12. Kap.; Rüdiger Zuck, Gibt es eine natürliche Pflicht zur Gerechtigkeit?, Ztschr. f. Rechtspolitik 1998, S. 381-383; Hans Jürgen Sonnenberger, Recht und Gerechtigkeit, Jura 2000, S. 561-564; Forschungsgemeinschaft Mensch im Recht (Hrsg.), Ist der Rechtsstaat auch ein Gerechtigkeitsstaat? Interdisziplinäre Referatsreihe an der Universität Basel im Wintersemester 1998/1999, Basel-Genf-München 2000; Florian Schwill, John Rawls’ Theorie der Gerechtigkeit, Juristische Arbeitsblätter 2002, S. 433-440. 

[9] R. Musil, Der Mann ohne Eigenschaften. Roman (Ges. Werke, hrsg. von Adolf Frisé ,  Bd. 2), Reinbek 1978, S. 537.

[10] Wobei allerdings die Warnung Musils – gerade auf Grund der ihr innewohnenden Ironie – bedacht werden sollte, dass nichts „dem Geist so gefährlich wäre wie seine Verbindung mit großen Dingen“ (Fn. 9), S. 398.

[11] H. E. Nossack, Das Verhältnis der Literatur zu Recht und Gerechtigkeit, Wiesbaden 1968, S. 3.

[12] Nossack (Fn. 11), S.5.

[13] Kleists Erzählung hat fast eine ganze Bibliothek an Sekundärliteratur auf den Plan gerufen. Vgl. nur Horst Sendler, Über Michael Kohlhaas – damals und heute, Berlin 1985; Hartmut Boockmann, Mittelalterliches Recht bei Kleist. Ein Beitrag zum Verständnis des ‚Michael Kohlhaas’, in: Kleist-Jahrbuch 1985, S. 84-108; Eb. Schmidhäuser, Verbrechen und Strafe (F. 7), S. 19-42; die Beiträge von Regina Ogorek, Malte Diesselhorst, Joachim Rückert und Joachim Bohnert, in: Kleist-Jahrbuch 1988/89, S. 96-125, 334-356, 375-403, 404-431; Wolfgang Naucke und Joachim Linder, in: Kleist, Michael Kohlhaas (1810), Baden-Baden 2000, S. 111-129, 131-163; Bernd Hesse, Querulatorischer Terrorist oder Kämpfer um’s Recht? – Kleists „Michael Kohlhaas“, Neue Juristische Wochenschrift 2003, S. 621-525.

[14] Kleist, Michael Kohlhaas (dtv-Gesamtausgabe, Bd. 4), München 1964, S. 5-93 (10).

[15] Dürrenmatt, Monstervortrag über Gerechtigkeit und Recht, Nebst einem helvetischen Zwischenspiel, Zürich 1969, S. 8.

[16] Sophokles, König Ödipus. Hrsg. und übertragen von Wolfgang Schadewaldt, Frankfurt a.M. 1973.

[17] Schadewaldt, Der „Zerbrochne Krug“ von Heinrich von Kleist und Sophokles’ „König Ödipus“, in: Sophokles (Fn. 16), S. 109-116. Über „Justizkritik im ‚Zerbrochnen Krug’“ Hans-Peter Schneider, in: Kleist-Jahrbuch 1988/89, S. 309-326.

[18] von Schirnding, Recht und Richter im Spiegel der Literatur, Stuttgart 1989, S. 8.

[19] von Schirnding (Fn. 18), S. 9.

[20] Rechts-, namentlich Gerichtskritik findet sich etwa in der Komödie „Die Wespen“ (Aristophanes, Komödien. Übersetzt von Johann Gustav Droysen, Bd. 2, Wiesbaden-Berlin o.J., S. 171-238.

[21] Vgl. z.B. Josef Kohler, Shakespeare vor dem Forum der Jurisprudenz, Berlin, Leipzig 1919; Rupert Stettner, Gedanken zu Recht und Gnade in Shakespeares Komödien „Maß für Maߓ und „Der Kaufmann von Venedig“, Deutsche Richterzeitung 1985, S. 457-464; Eb. Schmidhäuser, Verbrechen und Strafe (Fn. 7), S. 63-84.

[22] Vgl. etwa Eb. Schmidhäuser, Goethes Denken über Recht und Staat aus der Sicht von gestern und heute, in: Goethe-Jahrbuch 1999, S. 178-190; Klaus Lüderssen (Hrsg.), „Die wahre Liberalität ist Anerkennung“. Goethe und die Jurisprudenz, Baden-Baden 1999; Müller-Dietz, Goethes Rechtsdenken zwischen Konservatismus und Modernismus, in: Karl Richter/Gerhard Sauder (Hrsg.), Goethe: Ungewohnte Ansichten. Beiträge zu einer Ringvorlesung der Philosophischen Fakultät der Universität des Saarlandes im Wintersemester 1999/2000, St. Ingbert 2000, S. 187-221.

[23] Vgl. z.B. C. F. W. Behl, Schiller und die Gerechtigkeit, Neue Juristische Wochenschrift 1959, S. 2041-2043; Peter Schneider, „...ein einzig Volk von Brüdern“. Recht und Staat in der Literatur, Frankfurt a.M. 1987, S. 102-137; Günter Spendel, Schillers „Wilhelm Tell“ und das Recht, Schweizerische Ztschr. f. Strafrecht 1990, S. 154-167; Eb. Schmidhäuser, Verbrechen und Strafe (Fn. 7), S. 1-18.

[24] Eb. Schmidt, Justitia Fundamentum Regnorum. Fünf Vorträge über Macht und Recht, Staat und Justiz, Heidelberg 1947.

[25] Dazu etwa Otfried Höffe, Politische Gerechtigkeit. Grundlagen einer kritischen Philosophie von Recht und Staat, Frankfurt a.M. 1987, S. 147; Robert Alexy, Begriff und Geltung des Rechts, 2. Aufl. Freiburg i.Br., München 1994, S. 60.

[26] Arnold Zweig, Der Streit um den Sergeanten Grischa, Gütersloh o.J., S. 243.  Vgl. auch Jörg Schönert, „...mehr als die Juden weiß von Gott und der Welt doch niemand.“ Zu Arnold Zweigs Roman Der Streit um den Sergeanten Grischa, in: Gunter E. Grimm, Hans-Peter Bayerdörfer (Hrsg.), Im Zeichen Hiobs. Jüdische Schriftsteller und deutsche Literatur im 20. Jahrhundert, 2. Aufl. Frankfurt a.M. 1986, S. 223-242; Rudolf Wolff (Hrsg.), Arnold Zweig: „Der Streit um den Sergeanten Grischa“, Bonn 1986.

[27] Zweig (Fn. 26), S.326.

[28] Siegfried Lenz, Ein Kriegsende, Hamburg 1984.

[29] Jakob Wassermann, Der Fall Maurizius. Roman, Frankfurt a.M. und Hamburg 1964, S. 430. Über die Gerechtigkeitsvorstellungen des Schriftstellers Werner Böhm, Die Idee der Gerechtigkeit im Werk Jakob Wassermanns, Paris 1937.

[30] Wassermann (Fn. 29), S. 433.

[31] Lion Feuchtwanger, Erfolg. Drei Jahre Geschichte einer Provinz. Roman, Berlin 1948, S. 164-172.

[32] Feuchtwanger (Fn. 31), S. 171.

[33] Heiko Uecker, in: Kindlers Neues Literatur Lexikon, hrsg. von Walter Jens, Bd.5, München 1988, S. 389 f. (389).

[34] Albert Camus, Die Gerechten, in: Ders, Dramen, Hamburg 1962, S. 188-234 (196)..

[35] Camus (Fn. 34), S. 215.

[36] Camus (Fn. 5), S. 208.

[37] W. Segebrecht, Über ‚Poetische Gerechtigkeit’. Mit einer Anwendung auf Kafkas Roman Der Proceß, in: Karl Richter/Jörg Schönert/Michael Titzmann (Hrsg.), Die Literatur und die Wissenschaften 1770-1930. Walter Müller-Seidel zum 75. Geburtstag, Stuttgart 1997, S. 49-67 (50). 

[38] Segebrecht (Fn. 37), S. 51.

[39] Friedrich Schiller, Was kann eine gute stehende Schaubühne eigentlich wirken? (1784), in: Ders, Theoretische Schriften. Vierter Teil (Sämtliche Werke, Bd. 20), München 1966, S. 13-26 (17 f.)..

[40] Segebrecht (Fn. 37), S. 56.

[41] J. Schönert, Literatur und Kriminalität, in: Ders. (Hrsg.), Literatur und Kriminalität. Die gesellschaftliche Erfahrung von Verbrechen und Strafverfolgung als Gegenstand des Erzählens. Deutschland, England und Frankreich 1850-1880, Tübingen 1983, S. 1-13 (9). Zum Verhältnis von „poetischer“ und „juristischer Gerechtigkeit“ auch Joachim Linder, Deutsche Pitavalgeschichten in der Mitte des 19. Jahrhunderts, Monika  Frommel, Internationale Reformbewegung zwischen 1880 und 1920, in: Jörg Schönert (Hrsg.), Erzählte Kriminalität. Zur Typologie und Funktion von narrativen Darstellungen in Strafrechtspflege, Publizistik und Literatur zwischen  1770 und 1920, Tübingen 1991, S. 313-348 (325), 467-495 (476 f.).

[42] W. Naucke, ‚Verfachlichung’ des Strafrechts im 19. Jahrhundert, in: Schönert, Literatur und Kriminalität (Fn. 41), S. 55-67 (66).

[43] Joachim Linder/Jörg Schönert, Literarische Verständigung über ‚Kriminalität’ in der deutschen Literatur 1850-1880, in: Schönert, Literatur und Kriminalität (Fn. 41), S. 184-238 (187).

[44] Linder/Schönert (Fn. 43), S. 225.

[45] H. Mangold, Gerechtigkeit durch Poesie. Rechtliche Konfliktsituationen und ihre literarische Gestaltung bei E. T. A. Hoffmann, Wiesbaden 1989, S. 299.

[46] Ludwig Tieck, zitiert von Segebrecht (Fn. 37), S. 49.

[47] Gottsched, zitiert von Segebrecht  (Fn. 37), S. 49.

[48] Segebrecht (Fn. 37), S. 57.

[49] Segebrecht  (Fn. 37), S. 58.

[50] Segebrecht (Fn. 37), S. 66. Vgl. auch Rosmarie Zeller, Die Lüge wird zur Weltordnung gemacht. Information und Desinformation in Robert Walsers und Franz Kafkas Werken, in: West-östlicher Divan zum utopischen Kakanien. Hommage à Marie-Louise Roth, hrsg. von Annette Daigger u.a., Bern etc. 1999, S. 289-314 (296-304).

[51] Friedrich Dürrenmatt, Theaterprobleme (1954), in: Ders., Gesammelte Werke, Bd. 7: Essays, Gedichte, Zürich 1996, S. 28-69 (58 f.).

[52] Dürrenmatt (Fn. 51), S. 59.

[53] Dürrenmatt (Fn. 51), S. 69.

[54] von Schirnding (Fn. 18), S. 13.

[55] von Schirnding (Fn. 18), S. 11.

[56] von Schirnding (Fn. 18), S. 16 f.

[57] von Schirnding (Fn. 18), S. 17.

[58] Ebenso natürlich auch die Philosophen. Vgl. nur John Rawls, Das Recht der Völker, Berlin 2003.

[59] Diese Bemerkung bedarf – wie namentlich die Diskussion nach dem Vortrag ergeben hat – zweier klarstellender Hinweise: Zum einen wird hier die Sichtweise bestimmter, wenn auch namhafter Literaturkritiker wiedergegeben. Zum anderen könnte sie – wenn sie denn zutreffen sollte – schwerlich Allgemeingültigkeit hinsichtlich der Gegenwartsliteratur schlechthin erheben. Sie würde dann lediglich für allerdings gewichtige Werke des europäischen Schrifttums gelten können.

[60] von Schirnding (Fn. 18), S. 9.

[61] von Schirnding (Fn. 18), S. 10.

[62] von Schirnding (Fn. 18), S.27.

[63] George Steiner, Von realer Gegenwart. Hat unser Sprechen Inhalt? München 1990, S. 298.

[64] Dieckmann (Fn. 3), S.16.

[65] Die folgenden Überlegungen stützen sich weitgehend auf meinen Beitrag: Justiz in „Justiz“. Zum Roman Friedrich Dürrenmatts, in: Festschrift für Klaus Lüderssen zum 70. Geburtstag, Baden-Baden 2002, S. 919-930.

[66] Martin Walser, Tod eines Kritikers. Roman, Frankfurt a.M. 2002. Dazu auch Thomas Henne, Alles schon mal dagewesen? – Parallelen zwischen den „Mephisto“-Entscheidungen der deutschen Gerichte und Walsers „Tod eines Kritikers“, Neue Juristische Wochenschrift 2003, S. 639-641.

[67] Friedrich Dürrenmatt, Justiz. Roman, Zürich 1987, S. 288.

[68] Müller-Dietz (Fn. 65), S. 922.

[69] Dürrenmatt (Fn. 67), S. 301.

[70] Dürrenmatt (Fn. 67), S. 276.

[71] Vgl. dazu nur Eb. Schmidhäuser, Verbrechen und Strafe (Fn. 7), S. 186-208; Peter Schneider (Fn. 23), S. 332-338; Michael Walter, „Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt, in: Frank Neubacher/Michael Walter (Hg.), Sozialpsychologische Experimente in der Kriminologie. Milgram, Zimbardo und Rosenhan kriminologisch gedeutet, mit einem Seitenblick auf Dürrenmatt, Münster 2002, S. 143-150.

[72] Dürrenmatt (Fn. 67), S. 11.

[73] Dürrenmatt (Fn. 67), S. 361.

[74] Dürrenmatt (Fn. 67), S. 50.

[75] Die unter XI. abgehandelten Paraphrasierungen der Gerechtigkeitsidee knüpfen – in freilich ironischer Absicht – an den einschlägigen Abschnitt in Ernst Blochs „Naturrecht und menschliche Würde“ (Frankfurt a.M. 1961, S. 227-232) an, setzen sich also nach einem vorherrschenden Verständnis von „political correctness“ zumindest dem Verdacht mangelnder Ernsthaftigkeit aus.

[76] E. Bloch (Fn. 75), S. 227 ff.

[77] Bloch (Fn. 75), S. 229.

[78] Bloch (Fn. 75), S. 230.

[79] Zur einschlägigen Skepsis Müller-Dietz, Gibt es Fortschritt im Strafrecht?, in: Heike Jung/Heinz Müller-Dietz/Ulfrid Neumann (Hrsg.), Perspektiven der Strafrechtsentwicklung. Ringvorlesung im Sommersemester 1994 an der Universität des Saarlandes, Baden-Baden 1996, S. 31-56; ders., Gibt es Fortschritt im Strafrecht?, in: Kurt Schmoller (Hrsg.), Festschrift für Otto Triffterer zum 65. Geburtstag, Wien, New York 1996, S. 677-693.

[80] Ernst Bloch, Das Prinzip Hoffnung, Bd. 1-3, Frankfurt a.M. 1967.

[81] Wassermann (Fn. 29), S. 433.

[82] Wassermann (Fn. 29), S. 434. Man muss sich freilich des Umstandes bewusst bleiben, dass dieses literarische Verständnis menschlichen Gerechtigkeitsempfindens keineswegs unbedingt der wissenschaftlichen Sicht entspricht – der sich jenes Phänomen ungleich vielfältiger, differenzierter und komplexer darstellt. Vgl. z.B. die Beiträge von Thomas Schwinger, Rechtsgefühl und sozialpsychologische Theorien interpersonaler Gerechtigkeit, Carl F. Graumann, Sinn für Gerechtigkeit in der Masse, in: Ernst-Joachim Lampe (Hrsg.), Das sogenannte Rechtsgefühl, Opladen 1985, S. 303-316, 319-326; Christoph Meier, Zur Diskussion über das Rechtsgefühl. Theorienvielfalt – Ergebnistrends - neue Forschungsperspektiven, Berlin 1986, S. 71 ff., 93 ff. Vgl. auch Ernst-Joachim Lampe (Hrsg.), Zur Entwicklung von Rechtsbewußtsein, Frankfurt a.M. 1997.

[83] David Guterson, Schnee, der auf Zedern fällt. Roman, Berlin 1998, S. 358.

[84] Stuttgarter Biblisches Nachschlagewerk. Anhang zur Stuttgarter Jubiläumsbibel mit erklärenden Anmerkungen, Stuttgart 1955, S. 282, 317.

[85] Vgl. Fn. 8.

[86] Vgl. Fn. 5.

[87] Peter Schneider, Mass und Gerechtigkeit. Zu Albert Camus’ Rechts- und Staatsauffassung, in: Festgabe für Carlo Schmid .Zum 65. Geburtstag, Tübingen 1962, S. 171-191 (191).

 


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