Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

(http://www.jura.uni-sb.de/projekte/Bibliothek)

Erstveröffentlichung:
Heyen/Baud (Hrsg.), Eine deutsch-französische Rechtswissenschaft:
Erträge und Perspektiven eines unterentwickelten Kulturaustausches,
Baden-Baden (: Nomos) 1999 (im Druck)


Filippo Ranieri


Französisches Recht und französische Rechtskultur in der deutschen Zivilrechtswissenschaft heute: Eine unwiderrufliche Entfremdung?



Zum Abschnitt:    >I<   >II<   >III<   >IV<   >V<



Die Beziehungen und die Verzahnungen zwischen deutschem und französischem Privatrecht stellen eine zentrale wissenschaftliche Frage und eine rechtspolitische Herausforderung für die Vereinheitlichung und Ausgestaltung eines europäischen Privatrechts dar. Einer der Väter der modernen Rechtsvergleichung, Edouard Lambert, erkannte bereits Anfang unseres Jahrhunderts, daß die europäische Rechtsvereinheitlichung eine Angelegenheit “d’un groupe limité d’Etats qui serait le groupe Germano-Latin” sei; er sah also frühzeitig, daß die Entwicklung eines Gesamteuropäischen Zivilrechts im Kern nichts anderes ist als ein Problem der Angleichung des deutschen und des französischen Privatrechts[1]. In einer ähnlichen Richtung ist auch die Begriffsbildung von René David zu sehen, der in seiner Einführung in die Rechtsvergleichung von einer “Famille des droits romano-germaniques” spricht[2]. Der Vergleich und die Angleichung zwischen deutschem und französischem Privatrecht lassen sich allerdings nicht auf eine Gegenüberstellung von materiellrechtlichen Lösungen, Gesetzesbestimmungen und Gerichtsentscheidungen reduzieren. Tieferliegende Unterschiede und Gegensätze sind nämlich vor allem in den unterschiedlichen rechtswissenschaftlichen Traditionen beider Länder zu beobachten. Unterschiedliche wissenschaftliche Modelle, eine augenfällige Verschiedenheit im Rechtsstil und in der juristischen Argumentationstechnik, haben in den letzten zwei Jahrhunderten die zwei Privatrechtsordnungen eher entfremdet als angenähert. Aus der Sicht eines Zivilrechtlers, der in beiden Traditionen groß geworden ist, ist insoweit die Beantwortung der Frage, welche sich unser Sammelband gestellt hat, nicht leicht. Bereits im Jahre 1969 konnte Karl Neumayer auch für die Privatrechtswissenschaft Trennungen zwischen Deutschland und Frankreich ausmachen, welche “bis auf unsere Tage die französische und die deutsche Kulturwelt voneinander schieden”[3]. Vielleicht war es bereits damals übertrieben, wenn Neumayer festzustellen glaubte, “daß auf beiden Seiten eine Abneigung gegen die Kulturordnung des Nachbarlandes aufgekommen ist”[4]. Unbestritten kann man allerdings zwischen deutschem und französischem Zivilrecht - wie Neumayer schreibt - eine “länger währende Periode der Beziehungsarmut” feststellen[5]. “Es ist zu beklagen” - resümiert er bei einer Würdigung des damaligen Schrifttums - “daß in der Einzelausführung Trennendes oft vorangeschoben, die Unterschiede den Gemeinsamkeiten vorangestellt wurden, so daß hüben wie drüben der Eindruck entstehen mußte, es bestünden weiterhin unüberbrückbare Gegensätze”[6]. Kürzlich widmete die Association Henri Capitant eine ihrer letzten Tagungen gerade der Problematik der “circulation du modèle juridique français”[7]. Es ist bezeichnend, daß der Referent für Deutschland bei dieser Tagung, Hans-Jürgen Sonnenberger, einer der besten, wenn nicht der beste deutsche Kenner des französischen Zivilrechts heute, als Einleitung zu seinen Ausführungen feststellen mußte, daß mit dem Wiederbeginn nach dem Zweiten Weltkrieg der deutsche Gesetzgeber und die deutsche Gerichtspraxis “se sont tournés avec une grande intensité vers le droit étranger, mais l’influence du droit français en tant que telle n’a pas été particulièrement importante”[8]. Die französische zivilrechtliche Literatur findet in der Tat bis heute im deutschen Schrifttum kaum Interesse und Berücksichtigung. Ein kleiner empirischer Befund mag dies verdeutlichen: eine Durchsicht der letzten fünfzehn Jahrgänge des Archivs für die Civilistische Praxis, der führenden Zeitschrift für die deutsche Zivilrechtswissenshaft, hat gezeigt, daß praktisch kaum Hinweise auf französische Werke oder Gerichtsentscheidungen in den Anmerkungen auszumachen sind. Die Gründe liegen nicht so sehr in den materiellrechtlichen Inhalten oder in etwaigen Sprachhindernissen als vielmehr in tief verwurzelten Unterschieden in den rechtswissenschaftlichen, stilistischen und argumentativen Traditionen beider Rechtskulturen. “Le droit français”, schrieb kürzlich Michel Fromont, “a une démarche qui est plus empirique, moins abstraite, que le droit allemand”[9]: Der Rechts- und Wissenschaftsstil beider privatrechtlicher Traditionen sei nämlich ganz verschieden; die Gründe seien in der gegenseitigen unterschiedlichen Rechtsgeschichte beider Rechtssysteme zu suchen. Der Code Civil von 1804 fußt auf einer Darstellung und Fixierung der Gerichtspraxis des Ancien droit; das deutsche BGB von 1900 ist demgegenüber Produkt der universitären rechtswissenschaftlichen Lehren der deutschen Pandektistik im 19.Jahrhundert. Damit ist die Zielsetzung dieses Beitrags präziser umschrieben: Welche unterschiedlichen historischen Einordnungen und Zusammenhänge haben die rechtswissenschaftliche Kommunikation zwischen den Zivilrechtlern beider Länder in den letzten zwei Jahrhunderten tiefgreifend beeinflußt und behindert? Ist eine solche Entwicklung unwiderruflich?



Ein mögliches Mißverständnis sei zunächst ausgeräumt. Es wäre eine voreilige Verkürzung anzunehmen, daß Deutschland heute keine Werke zum französischen Zivilrecht kennt. Selbstverständlich ist das Gegenteil der Fall. Es ist zwar nicht Anliegen dieses Beitrags, eine lückenlose bibliographische Dokumentation hierzu zu liefern. Einige Hinweise aus den Veröffentlichungen der letzten Jahre seien hier jedoch gestattet. An erster Stelle ist zunächst das monumentale Werk von Murad Ferid und Hans Jürgen Sonnenberger zum französischen Zivilrecht zu nennen. Diese systematisch angelegte Gesamtdarstellung des französischen Privatrechts in deutscher Sprache ist erstmalig aus der Feder von Murad Ferid im Jahre 1971 erschienen[10]. Das Werk, das in den vergangenen Jahren eine neue, vollständige Überarbeitung in einer zweiten Auflage aus der Hand von Hans Jürgen Sonnenberger erfahren hat, stellt eine ausführliche und lückenlose Darstellung des französischen Privatrechts in deutscher Sprache dar. Hier wird das gesamte deutschsprachige Schrifttum zum französischen Privatrecht nachgewiesen[11]. Darauf verweisend für einen lückenlosen Nachweis von bibliographischen Titeln sei hier ferner erwähnt, daß neben diesem Werk einige knappe und dennoch relativ gute und informative Einführungen in das französische Recht in deutscher Sprache existieren. Hier seien die dritte Auflage der Einführung von Hübner/Constantinesco[12] sowie eine andere aus der Feder des bereits zitierten Sonnenberger[13] zitiert. Zahlreiche Dissertationen und monographische Darstellungen sind zu einzelnen Aspekten des französischen Privatrechts erschienen. Um sich auf die Titel der letzten Jahre zu beschränken, sei etwa auf die Beiträge von Florian Endrös[14] und Wolfgang Wenner[15] zum Kaufrecht verwiesen; des weiteren sei hier die Dissertation von Maximilian Bissinger[16] zum französischen Kündigungsschutz zitiert. Die Existenz dieser Literatur reicht jedoch nicht, um von einer effektiven und wirksamen Präsenz des französischen privatrechtlichen Schrifttums in der deutschen Rechtswissenschaft zu sprechen. Im weit überwiegenden Teil der Monographien zum deutschen Zivilrecht aus den letzten Jahrzehnten findet man kaum Zitate und Verweise auf französische Werke oder auf französische Judikatur. Das Bild verändert sich naturgemäß, wenn man insbesondere auf die Werke achtet, welche auf rechtsvergleichender Basis geschrieben wurden. Viele, zum Teil hervorragende zivilrechtliche Dissertationen haben sich in den letzten Jahren mit deutsch-französischen Themen befaßt[17]. Es braucht auch nicht daran erinnert zu werden, daß die monumentalen rechtsvergleichenden Darstellungen von Hein Kötz und Christian von Bar zum europäischen Vertrags- und Deliktsrecht auch dem französischen Recht einen breiten Raum einräumen[18]. Das seit einigen Jahrzehnten zu beobachtende Vordringen der rechtsvergleichenden Methode im deutschen zivilrechtlichen Schrifttum hat das Interesse für die französische privatrechtliche Literatur jedoch nicht wesentlich gesteigert. Es gibt selbstverständlich Ausnahmen. Manche wichtigen zivilrechtlichen Untersuchungen, die das gegenwärtige französische Privatrecht umfassend einbeziehen, wie etwa die grundlegende neuere Monographie von Astrid Stadler zum Abstraktionsprinzip[19], verändern nicht das hier skizzierte Gesamtbild. Die französische Privatrechtswissenschaft teilt dieses Schicksal übrigens mit der Rechtsliteratur aus anderen kontinentaleuropäischen, vor allem romanischen Ländern: Das anglo-amerikanische Recht hat sie in den letzten Jahrzehnten aus den Interessen der deutschsprachigen Rechtsvergleichung weitgehend verdrängt[20].



Warum wird die französische privatrechtliche Literatur heute im deutschen zivilistischen Schrifttum so wenig herangezogen und zitiert? Die Suche nach den Gründen führt uns zu der Aufdeckung von historischen Kontinuitäten und z.T. Diskontinuitäten in den wissenschaftlichen Beziehungen zwischen der deutschen und der französischen Rechtskultur auf dem Gebiet des Zivilrechts. Erst die Geschichte bietet uns den Weg zur Erklärung der heutigen wissenschaftlichen Entfremdung. Man datiert gelegentlich den Bruch in der wissenschaftlichen Kommunikation zwischen französischen und deutschen Privatrechtlern auf das Inkrafttreten des BGB im Jahre 1900. So schreibt Hans Jürgen Sonnenberger im Jahre 1994 anläßlich der bereits zitierten Tagung der “Association Henri Capitant”[21]: “Toute cette évolution a connu une fin abrupte avec l’introduction du BGB. Elle a mis fin non seulement à la doctrine consacrée au Code civil mais aussi à celles portant sur les autres droits particuliers.” “De nos jours et depuis 1900” - schreibt er fort - “la doctrine allemande s’est concentrée dans son ensemble à la mise en pratique du BGB”[22]. Die neue Kodifikation sei jedoch nicht der ausschließliche Grund für die Entfremdung. “L’entrée en vigeur du nouveau Code civil allemand” - glaubt Sonnenberger beobachten zu können, “n’a pas nécessairement représenté la fin de l’intérêt porté par la doctrine (allemande) au droit français. Lors de la contribution allemande au Livre du Centenaire du Code civil le voeu a été fait que l’expérience de la jurisprudence et de la doctrine françaises influencent l’interprétation du nouveau droit allemand et inversement que le BGB influence le développement et les réformes du Code civil”[23]. Die Entfremdung sei, so Sonnenberger weiter, vor allem Konsequenz der politischen Geschichte gewesen. “L’histoire a pris une autre direction”, schreibt er fort, “non en raison des conditions scientifiques mais en raison des conditions politiques: après la Première Guerre mondiale les contacts entre juristes français et juristes allemands ont été pauvres”[24]. Einschlägige Literatur und Publikationen seien in jenen Jahrzehnten, wenn man vom Erscheinen einer deutschen Übersetzung des französischen Code Civil im Jahre 1932 absieht, kaum publiziert worden. Erst mit der Veröffentlichung der monumentalen Darstellung zum französischen Zivilrecht von Murad Ferid im Jahre 1971 habe ein neues Kapitel des Gesprächs zwischen deutschen und französischen Privatrechtswissenschaftlern begonnen.

Die Reduzierung des Problems auf eine spiegelbildliche Abbildung der politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich scheint mir allerdings irreführend. Die deutsche Zivilrechtswissenschaft hatte sich nämlich bereits längst vor 1900 vom französischen Recht entfernt. Es ist erhellend, was bei derselben Tagung der Association Capitant der italienische Zivilist und Rechtsvergleicher Rodolfo Sacco auch bemerkt: “Le vrai rival du modèle français en Europe n’est ni un code ni un législateur. L’Allemagne du XIXe siècle n’est pas soumise à un seul législateur. L’unité du droit n’existe que dans le domaine de la science. Cette science considère comme sa tâche primordiale que d’élaborer des concepts rigoureux”[25]. Das zentrale Problem sei, so Sacco, das Eindringen eines neuen abstrakten und begrifflichen Argumentationsstils in die kontinentaleuropäische Privatrechtskultur. “Cette méthode (méthode conceptuelle, ou dogmatique, ou systématique)” - so Sacco weiter - “fascine les esprits en Allemagne, et en dehors de l’Allemagne. Vers la moitié du XIXe siècle elle conquiert l’Autriche ... elle conquiert également l’Italie et de l’Italie se rediffuse en Espagne. Là où la méthode dogmatique arrive, l’influence de la doctrine française s’estompe. Les catégories juridiques, le système, la logique du juriste se renouvellent”[26]. Damit sind wir in der Tat mit dem wahren historischen Hintergrund unseres Problems konfrontiert. Die Entwicklung einer abstrakten, dogmatischen Privatrechtswissenschaft durch die Romanisten in den deutschen Universitäten des 19.Jh. hatte einen wissenschaftlichen Stil und eine Argumentationskultur sich entfalten lassen, welche in krassem Gegensatz zu der bisherigen Handhabung des Römischen Gemeinen Rechts stand. Die Entfremdung zwischen Deutschland und Frankreich auf dem Gebiet des Privatrechts beginnt also nicht so sehr mit der napoleonischen Kodifikation als vielmehr mit der Wiederentdeckung des römischen Privatrechts als Quelle für eine allgemeine Privatrechtstheorie durch die deutsche historische Rechtsschule und die Pandektisten in den deutschen Universitäten in den ersten Jahrzehnten des 19.Jh. Die scharfe Ablehnung, welche Friedrich Carl von Savigny in seiner berühmten Kodifikationsschrift im Jahre 1814 gegen die französische Privatrechtswissenschaft jener Zeit formulierte, ist repräsentativ für den damaligen Bruch zwischen den beiden Rechtskulturen. Der bekannte deutsche Zivilist Gustav Boehmer hat das richtig gesehen. Anläßlich der “Semaine internationale du droit” in Paris im Jahre 1950 schreibt er nämlich: “Die wesentliche Kritik Savignys richtete sich nicht so sehr gegen die politische Mentalität (des Code civil) als gegen die rechtstechnischen Unvollkommenheiten, Lücken, Widersprüche und wissenschaftlichen Mängel des Gesetzeswerkes, die er an einer Reihe von Beispielen mit lehrhafter Überheblichkeit des durchgebildeten Romanisten darlegte”[27]. Besonders aufschlußreich ist hier in der Tat die ausführliche Kritik, welche Savigny der Nichtigkeitsregelung im Code civil widmet[28]. Zeitgleich mit der Savigny’schen Kritik gegen den Code civil sind auch die Anfänge einer wissenschaftlichen Behandlung des französischen Zivilrechts durch die damaligen deutschen Autoren, welche ein neues Paradigma in der kontinentalen Rechtskultur begründen sollte. Bekanntlich blieben nach der Restauration der französische Code civil sowie das französische Handels- und Prozeßrecht in weiten Teilen Westdeutschlands in Geltung; man spricht in diesem Zusammenhang von der Weitergeltung des Rheinischen Rechts. Dieses blieb bekanntlich bis zum BGB in Kraft[29]. Bereits im Jahr 1808 publizierte der Heidelberger Professor Karl Salomo Zachariae ein “Handbuch des französischen Civilrechts”. Den großen Erfolg verdankte das Werk in Deutschland gerade seinem systematischen Aufbau, losgelöst von der Legalordnung des Code. Das Werk von Zachariae, durchdrungen von der systematischen Konstruktion der damaligen deutschen romanistischen Wissenschaft, war die maßgebende Geburtsstunde einer deutschen wissenschaftlichen Literatur zum französischen Zivilrecht. Zeitgleich also mit den am Gesetzestext orientierten ersten exegetischen Kommentaren der zeitgenössischen französischen “Ecole de l’exégèse”[30] erscheint in Deutschland ein Werk, welches sich in Systematik und Argumentationsweise als deutliche rechtswissenschaftliche Alternative präsentiert. In den Jahrzehnten danach wurde das französische Recht im juristischen Schrifttum der damaligen Rheinprovinzen nach den Methoden der deutschen Pandektenwissenschaft fortentwickelt und der materiellrechtliche Stoff des Code mit deren Ideen- und Methodenwelt erfüllt. Diese Literatur blieb übrigens in Frankreich nicht ohne Beachtung. Hier sei nur daran erinnert, daß die ersten Anfänge einer systematischen Behandlung des französischen Zivilrechts in der französischen Rechtsliteratur auf den “Cours de droit civil français traduit de l’allemand de H.C.S. Zachariae, revu et augmenté” durch die Strasburger Professoren Aubry und Rau zurückgehen, dessen erste Auflage zwischen den Jahren 1839 und 1846 erscheint[31].

Das französische Zivilrecht erfährt also im deutschen Schrifttum im 19.Jh. eine vollständige wissenschaftliche Aufbereitung nach den Methoden der damaligen Pandektistik. Entscheidend war hier vor allem die systematische Durchdringung des materiellen Rechtsstoffes und dessen Einordnung in eine logisch stringente Begrifflichkeit. An die Stelle der beschreibenden und umgangssprachlichen Begriffsbildung der damaligen französischen Rechtsliteratur, welche sich darin in Kontinuität zu der Tradition des gemeinrechtlichen Ancien droit befand[32], tritt nunmehr die abstrakte Begrifflichkeit der damaligen Pandektistik in den Vordergrund. Man denke hier etwa an die berühmte Monographie von Bernhard Windscheid zur Nichtigkeit im französischen Zivilrecht[33]. Diese pandektistische Aufbereitung des Code civil in der damaligen deutschen Rechtsliteratur ist bereits umfassend von Karl Neumayer untersucht und dargestellt worden[34]. Ein ähnliches romanistisches Verständnis fand auch in der judiziellen Handhabung des Code in der damaligen rheinischen Gerichtspraxis Widerhall. Eine ausführliche Untersuchung wurde auch hier bereits vorgelegt[35]. Die Krönung dieser begriffsdogmatischen Tradition in der Behandlung des französischen Zivilrechts in Deutschland findet sich in der letzten Auflage des Handbuchs von Zachariae, welche Ende des Jahrhunderts von Carl Crome besorgt wurde[36]. Diese wissenschaftliche Durchdringung des französischen Rechts im Sinne und mit der Methode der damaligen deutschen Pandektenlehre ist zugleich Abschluß und Höhepunkt der Beschäftigung der deutschen Zivilrechtler mit dem französischen Recht. “Wir haben den rohen Diamanten genommen und ihn dann geschliffen”, schreibt rückblickend im Jahre 1909 Carl Crome in der Rheinischen Zeitschrift[37]. Die wahrhaft europäische Bedeutung dieser dogmatischen Literatur zum französischen Zivilrecht in deutscher Sprache wird deutlich, wenn man in Erinnerung ruft, daß diese Werke damals sämtlich eine italienische Übersetzung erfuhren und damit zu Instrumenten der Verbreitung der pandektistischen Lehren in die italienische Privatrechtswissenschaft wurden[38].

Die Rechtsliteratur zum rheinischen Recht stand neben den übrigen partikularen Rechten als Grundlage bei der Vorbereitung des BGB. Sie wurde jedoch in Frankreich weitgehend ignoriert. “Es ist zu bedauern” - schreibt Neumayer - “daß in der gleichen Zeit die späten deutschen Schriften zum französischen Recht nicht immer jene Aufmerksamkeit in Frankreich fanden wie zuvor das Hauptwerk Zachariaes”[39]. Die einzige, z.T. isolierte Ausnahme, stellte damals das Wirken von Raymond Saleilles dar, der das BGB und die darunterliegende rechtswissenschaftliche Literatur in Frankreich insbesondere durch sein Buch “Etudes sur la théorie générale des obligations d’après le premier projet du Code civil pour l’Empire allemand” bekannt machte[40]. Durch das Werk von Saleilles werden erstmals in der französischen Literatur die Lehren von der Willenserklärung, vom einseitigen Rechtsgeschäft, vom dinglichen Vertrag, von der juristischen Person als realer Verbandspersönlichkeit bekannt gemacht. Der Beitrag von Saleilles für die deutsch-französischen Beziehungen auf rechtswissenschaftlichem Gebiet wurde in dem im Jahre 1914 erschienenen Sammelband “L’oeuvre juridique de Raymond Saleilles” in Frankreich gewürdigt. Eine literarische Begleitung des Werkes von Saleilles in der damaligen deutschen Rechtsliteratur findet man bezeichnenderweise nicht. Mit der Außerkraftsetzung des rheinischen Rechts im Jahre 1900 verabschiedete man sich also in der deutschen Zivilistik endgültig vom französischen Recht[41]. Erst 70 Jahre nach Inkrafttreten der deutschen Kodifikation erscheint die Darstellung von Murad Ferid, welche an eine Tradition wieder anküpft, welche von Zachariae 150 Jahre zuvor eröffnet worden war. Der Aufbau der Darstellung von Murad Ferid ist bereits in der ersten Auflage von 1971 programmatisch: Sie ist weitgehend nach der Systematik des BGB aufgebaut. Die allgemeinen Lehren des französischen Zivilrechts werden hier wiederum bezeichnenderweise in einem “Allgemeinen Teil” vorgestellt. Deutlicher kann die unterschiedliche Arbeitsweise des deutschen und des französischen Zivilisten nicht sichtbar werden. “Es soll” - so Murad Ferid - “dem deutschen Juristen ... auch gezeigt werden, wo er die Dinge im französischen Rechtssystem zu suchen hat, die er an der ihm vertrauten Stelle des deutschen Systems zu finden gewohnt ist”[42]. “La démarche consistante a régrouper une serie des notions et d’institutions de droit civil français dans une partie générale absente du Code civil”, schreibt ein französischer Rezensent der zweiten Auflage - “mérite d’être approuvée. Cette méthode facilite notablement les recherches du juriste allemand imprégné du plan du BGB qui, comme on le sait, gouverne toute la ‘systématique’ du droit civil allemand”[43].



Es ist aus den bisherigen Ausführungen deutlich geworden, daß die fehlende Kommunikation zwischen französischer und deutscher Privatrechtswissenschaft aus wissenschaftshistorischen Gründen erklärbar ist. Argumentationsstil und wissenschaftliche Rechtskultur sind in beiden Ländern tiefgreifend verschieden. Ein Beispiel soll diese Entfernung verdeutlichen. Sie wird etwa bei einem Vergleich des richterlichen Argumentationsstils besonders klar. Auffallend gegensätzliche Strukturunterschiede zeigen beide Rechtstraditionen nämlich auch hinsichtlich des stilistischen Aufbaus einer Gerichtsentscheidung. Gerade im Zusammenhang mit der Technik der Formulierung eines Gerichtsurteils spricht man in der Rechtsvergleichung gelegentlich vom nationalen “Rechtsstil”: Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen sind dem Thema gewidmet worden[44]. Ich werde mich hier nur auf die Zivilurteile beschränken: Diesbezüglich sind die Unterschiede zwischen deutscher und französischer Judikatur am augenfälligsten[45]. Ich brauche hier den äußeren Aufbau eines deutschen zivilrechtlichen Urteils nicht in Erinnerung zu rufen. Typisch sind hier vor allem die rigorose Trennung zwischen Tatbestand und Urteilsmotivation, die traditionelle Unterscheidung des unstreitigen Sachverhalts vom streitigen sowie die formal in Kausalsätzen, im sog. “Urteilsstil”, formulierte Urteilsbegründung. Erwähnt sei übrigens, daß der typische äußere Stil eines deutschen zivilrechtlichen Urteils, welcher an sich nicht stringent von prozeßrechtlichen Vorschriften vorgeschrieben wird, seine Grundlage primär in einer alten historischen Tradition findet. Bereits zur Zeit des Römischen Gemeinen Rechts und des deutschen Usus modernus im 17.Jh. gab es Anleitungen zu den Regeln, die man bei der Anfertigung einer Aktenrelation oder zur Formulierung eines Votums zu beachten habe. Solche Regeln, welche bis auf die Ausbildungspraxis noch zur Zeit des Reichskammergerichts zurückgehen und in die preußischen Ausbildungsordnungen des 18. und des 19.Jh. Eingang fanden, leben heute noch in der sog. Klausur- und Relationstechnik und in der Referendarausbildung fort, übrigens ohne daß sich Referendare und Ausbilder darüber bewußt sind[46]. Typisch für ein deutsches Zivilurteil ist vor allem der wissenschaftliche Charakter seiner ausführlichen Begründung: Wissenschaftliche Zitate in einer deutschen Urteilsbegründung sind keinesfalls verpönt; vielmehr setzt sich eine Entscheidung einer höheren Gerichtsinstanz üblicherweise umfassend nicht nur mit der bisherigen Judikatur, sondern auch mit den wissenschaftlichen Stellungnahmen im Schrifttum auseinander. Manche Urteile des deutschen Bundesgerichtshofs oder gar des Bundesverfassungsgerichts erinnern uns unweigerlich an eine wissenschaftliche Abhandlung. Dies wird gelegentlich heftig kritisiert[47]. Man vergißt dabei, daß dies der deutschen Justiztradition entspricht. In der Tat beteiligen sich die deutschen Gerichte durch solche Urteilsbegründungen auch an der rechtswissenschaftlichen Diskussion. Es ist also kein Zufall, daß zahlreiche Richter in Deutschland als Autoren von wissenschaftlichen Werken und Kommentaren und als Hochschullehrer tätig sind.

Ein französisches Zivilurteil stellt gerade das Gegenteil dazu dar. Bekanntlich wird eine Entscheidung des französischen Cour de Cassation heute noch mit der Technik des sog. “jugement à phrase unique” redigiert: Ein Urteil besteht demgemäß nur aus einem Satz, welcher mit dem Subjekt “La Cour” beginnt und durch das Verb “casse” bzw. “rejette” abgeschlossen wird; durch eingeschobene Relativsätze, welche durch die Formulierung “attendu que” beginnen, werden die wesentlichen Elemente aus der Prozeßgeschichte sowie aus den Kassationsmitteln der Parteien mitgeteilt, soweit der Kassationshof dies im Hinblick auf die im Zentrum der Entscheidung stehende Rechtsvorschrift und Rechtsauslegung für mitteilungsbedürftig hält. In seinem Umfang überschreitet ein Zivilurteil der Cour de Cassation selten eine gedruckte Seite. Ein solcher Begründungsstil ist außerordentlich formalistisch und entspricht in der Tat einer legalistischen Rechtsgesinnung, welche nicht zufällig unmittelbar an die Tradition des Tribunal de Cassation Ende des 18.Jh. anknüpft und auf die französische Kodifikation Anfang des 19.Jh. zurückgeht[48]. Trotz gelegentlich heftiger Kritik im französischen Schrifttum hat der französische Kassationshof bis heute diese seit den ersten Jahrzehnten des 19.Jh. existierende Technik in der Redaktion seiner Urteile nicht aufgegeben. Solche Urteile stellen nur die Mitteilung einer Rechtsentscheidung dar. Die Begründung wird häufig nur durch einen Hinweis auf die herangezogenen gesetzlichen Vorschriften angedeutet und ist in der Sache selbst nur für die Prozeßbeteiligten und die sonstigen professionellen Kenner der Rechtsprechung des Gerichts erkennbar und nachvollziehbar. In der lakonischen Kürze von manchmal nur wenigen Druckzeilen spielt jedes benutzte oder eben nicht benutzte Wort eine entscheidende Rolle. Die Kunst der Auslegung der sibyllinischen “arrêts” der Cour de Cassation ist seit jeher ein wesentliches Element der professionellen französischen Rechtskultur[49]. Es ist insoweit nicht zufällig, daß gerade die französische Rechtsliteratur seit dem 19.Jh. die besondere Literaturgattung der sog. “note” kennt, der Urteilsanmerkung nämlich, in welcher die Hintergründe der juristischen Begründung eines Urteils und dessen Einordnung in die bisherige Rechtsprechung offengelegt und erläutert werden. Die “note” erfüllt im französischen Rechtssystem funktional dieselbe Aufgabe wie die wissenschaftlichen Ausführungen in den deutschen Urteilen. Der Kenner des französischen Rechts weiß, daß ohne Urteilsanmerkungen und ohne den Rückgriff auf die Kommentierung und Systematisierung in der wissenschaftlichen Literatur die französische Rechtsprechung nicht verstanden und nicht beherrscht werden kann. Eine solche Stiltradition prägt unweigerlich auch die Juristenausbildung: Seit Generationen werden die französischen Rechtsstudenten an die Beherrschung einer solchen judiziellen Tradition herangeführt. Bezeichnenderweise heißt die wichtigste schriftliche Arbeit in einer französischen Rechtsfakultät die Ausarbeitung eines “commentaire d’arrêt”. “Cette pratique”, schrieb kürzlich Fromont[50], “conduit à empêcher les juges français de se lancer dans des discussions abstraites, théoriques ou doctrinales. De ce fait, le dialogue entre juristes français et allemands est toujours difficile”. Es ist in der Tat nicht zufällig und besonders lehrreich, daß selbst im 19.Jh. in denjenigen deutschen Territorien, in welchen das französische Zivil- und Prozeßrecht weiter galt, die deutschen Gerichte den französischen Begründungs- und Urteilsstil nicht übernahmen. Die deutsche Judikatur zum damaligen sog. Rheinischen Recht zeigt einen Begründungs- und Argumentationsstil, der völlig anders aussieht als die zeitgenössische Rechtsprechung der französischen Cour de Cassation. Eine neuere rechtshistorische Untersuchung hat zudem deutlich gemacht, daß selbst bei der Handhabung des im Rheinland weitergeltenden französischen Kassationssystems das Modell der französischen Cour de Cassation in der Rechtspraxis in den damaligen deutschen Territorien tiefgreifende Veränderungen erfuhr[51].

Der französische Cour de Cassation zitiert grundsätzlich nie, weder die eigene Judikatur noch gar das wissenschaftliche Schrifttum. Die Kenntnis der eigenen Präzedenten und der gelegentlichen literarischen Kritik wird zwar vorausgesetzt, aber nicht mitgeteilt; deren Durchdringung bleibt der professionellen Kompetenz und der Erfahrung von Anwälten und Professoren vorbehalten. Die französische “doctrine” begleitet also die Rechtsprechung und sieht heute ihre primäre Aufgabe vor allem in der Systematisierung und Rationalisierung ihrer Ergebnisse, in einer der Judikatur dienenden Funktion also, die die Ferne zur selbstbewußten Haltung des deutschen rechtswissenschaftlichen Schrifttums heute noch deutlich offenbart. Im heutigen französischen Zivilrecht spielt die Kodifikation von 1804 insoweit eine andere Rolle als das BGB für die deutsche Zivilistik. Die historische Ferne mancher Texte des napoleonischen Code civil haben diese in der zivilrechtlichen Argumentationstechnik der heutigen französischen Juristen zu Elementen einer eher historisch symbolischen Begründung verwandelt: Das heutige französische Zivilrecht, betrachtet man insbesondere das “droit appliqué”, ist nämlich nunmehr weitgehend zu einem “Case law” geworden.



Ist ein gemeinsamer Diskurs zwischen deutschen und französischen Zivilisten heute noch möglich? Die bisherigen Ausführungen und Befunde stellen nicht nur einen Grund für Skepsis dar, sondern sie sind zugleich eine wissenschaftliche und rechtspolitische Herausforderung. Man glaubt gelegentlich, daß man eine fremde Rechtsordnung kennt oder besser kennenlernen wird, wenn man die fragliche sprachliche Verständigung verbessert; manche Rechtspraktiker erwarten in der Tat, daß eine bessere Kenntnis der normativen Unterschiede zwischen zwei Rechts- und Justizsystemen, notfalls mittels Übersetzungen, ausreichen kann, um sich in einer fremden Rechts- und Justizordnung bewegen zu können. Das gilt häufig gerade für die Rechtsbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich. Mißverständlich ist hier vor allem der Glaube, daß sich ein Rechts- und Justizsystem, und das gilt insbesondere für das Privatrecht, auf seine normative Grundlagen reduzieren läßt. Die Unterschiede unserer europäischen Rechts- und Justizsysteme liegen allerdings nur z.T. in ihren unterschiedlichen gesetzlichen Grundlagen; gerade diese Unterschiede nehmen zudem aufgrund der europäischen Gesetzgebung allmählich eher ab. Zahlreiche gemeinschaftsrechtliche Richtlinien zum Verbraucherschutz - man denke etwa an die Richtlinien zu den mißbräuchlichen Vertragsklauseln oder zum Verbraucherkredit - sind in den letzten Jahren sowohl in das deutsche als auch in das französische Privatrecht rezipiert worden. Gerade der Einfluß der frühzeitigen französischen Verbraucherschutzgesetzgebung als rechtspolitisches Modell auf europäischer Ebene hat diesem Sektor des französischen Privatrechts zu einem mittelbaren Einfluß in Deutschland verholfen[52]. Das zentrale Problem liegt in der Tat allerdings jenseits der verschiedenen normativen und gesetzlichen Regelungen: die tiefgreifenderen Gegensätze betreffen vielmehr die jeweiligen justizprofessionellen Traditionen, die Denk- und Argumentationsweise, das unterschiedliche nationale Selbstverständnis und die Einordnung der Rechtspraktiker in den jeweiligen Rechts- und Justizsystemen. Die Rechtsvergleichung spricht in diesem Zusammenhang vom “Rechtsstil”. Gerade ein Vergleich zwischen der französischen und der deutschen Privatrechtskultur und dem rechtswissenschaftlichen Schrifttum hat diesen unseren Befund bestätigt.

Die europäische rechtspolitische Aufgabe einer wissenschaftlichen Reflexion zu diesen Themen liegt vor allem darin, daß die Rechtswissenschaftler und Rechtspraktiker über ihr nationales Selbstverständnis hinaus auch über die Unterschiede, die gegensätzlichen Entwicklungen, die funktionalen Ähnlichkeiten und historischen Zusammenhänge in den europäischen Rechtsordnungen aufgeklärt werden müssen. Darin wird die eigentliche Funktion von Rechtsgeschichte und Rechtsvergleichung als spezifische juristische Grundlagenforschung sichtbar. Diese will und kann keine unmittelbaren Handlungsanweisungen geben; sie kann jedoch die rechtspolitischen Handlungsspielräume aufzeigen, Argumente für eine rationale Diskussion liefern und zugleich die Relativität nationaler Rechtstraditionen verdeutlichen. Dadurch wird auch verständlich, welchen Zweck eine “wissenschaftlich” gehaltene juristische Ausbildung erfüllen soll. Die europäische Verständigung und die juristische Zusammenarbeit in Europa machen es zunehmend notwendig, daß diese Selbsterkenntnis noch mehr in eine wissenschaftliche Ausbildung auch der künftigen Juristen Eingang findet. Ein gemeinsames Studium sowohl des deutschen als auch des französischen Zivilrechts sowohl in einer deutschen als auch in einer französischen Rechtsfakultät stellt den wesentlichen, unverzichtbaren Weg einer wissenschaftlichen und rechtspraktischen Verständigung dar. Seit Jahrzehnten studieren deutsche und französische Studenten an der Saarbrücker Rechtsfakultät gemeinsam. Neben deutschen unterrichten hier auch französische Professoren im Rahmen einer zugleich deutschen und französischen Rechtsfakultät[53]. Saarbrücker Absolventen zeigen dadurch, daß man als Jurist in zwei Rechtsordnungen wachsen und agieren kann. Darin liegt eine der primären Aufgaben einer universitären wissenschaftlichen Juristenausbildung im europäischen Raum.



F u ß n o t e n

[1] Vgl. die Ausführungen von DEMOGUE, Les notions fondamentales de droit privé, Paris 1911, S.275.
[2] Vgl. R. DAVID, Les grands systèmes de droit contemporaines, 3 ed., Paris 1969, insbes. S.39 ff., zum deutschen Recht S.122-123; siehe auch DENS., Le rôle des juristes dans l’élaboration du droit selon la conception traditionelle du système de droit romano-germanique, in: Vom Deutschen zum Europäischen Recht. Festschrift für H. Dölle, Bd.I, Tübingen 1963, S.
[3] So K.H. NEUMAYER, Deutsche und französische Zivilrechtswissenschaft. Besinnliches zu einem Nachbarschafts- und Partnerschaftsverhältnis unter Verwandten, in: Ius privatum gentium. Festschrift für M. Rheinstein, Bd.I, 1969, S.165 ff., insbes. S.166.
[4] Ebda, S.166.
[5] Ebda., S.182.
[6] Ebda., S.182.
[7] La circulation du modèle juridique français (Journées franco-italiennes), T. XLIV (1993), Paris 1994 (Travaux de l’Association Henri Capitant des amis de la culture juridique française).
[8] H.J. SONNENBERGER, Allemagne, in: La circulation du modèle juridique français, S.317 ff., insbes. S.320.
[9] M. FROMONT, La protection juridictionelle des libertés garanties par la constitution française, in: Recht und Gesetz im deutsch-französischen Dialog, Köln-Berlin-München 1997, S.65 ff., insbes. S.76.
[10] Vgl. dazu die Rezension von BATIFFOL, in: Revue critique de droit international privé 1972, S.193: “il constitue un genre nouveau dans l’étude comparative des systèmes”.
[11] M. FERID/H.J. SONNENBERGER, Allgemeine Lehren des französischen Zivilrechts. Bd.I, Teil 1, Einführung und Allgemeiner Teil des Zivilrechts, 2.Aufl. Heidelberg 1994; DIES., Bd.II, Recht der einzelnen Schuldverhältnisse. Sachenrecht, 2.Aufl. Heidelberg 1986; DIES., Bd.III, Familienrecht, Erbrecht, 2.Aufl. Heidelberg 1987; DIES., Bd.IV, Teil 1, Ergänzungen, 2.Aufl. Heidelberg 1993.
[12] U. HÜBNER/V. CONSTANTINESCO, Einführung in das französische Recht, 3.Aufl. 1994.
[13] H.J. SONNENBERGER/E. SCHWEINBERGER, Einführung in das französische Recht, 2.Aufl. 1986; vgl. auch H.J. SONNENBERGER, Französisches Handels- und Wirtschaftsrecht, Heidelberg 1991.
[14] F. ENDRÖS, Kaufen und Verkaufen in Frankreich, 1996.
[15] W. WENNER/CH. SCHOEDEL, Kaufvertragsrecht in Frankreich, in: F. GRAF VON WESTFALEN (ed.), Handbuch des Kaufvertragsrechts in den EG-Staaten einschließlich Österreich, Schweiz und UN-Kaufrecht, 1992, insbes. S.417-479.
[16] M. BISSINGER, Beendigung des Arbeitsverhältnisses in Frankreich, 1996.
[17] Siehe etwa die Freiburger Dissertation von TH. HINRICHS, Die Berücksichtigung des Mitverschuldens bei der Haftung für Personenschäden im französischen und deutschen Recht, 1991 (Arbeiten zur Rechtsvergleichung, Bd.151).
[18] Vgl. H. KÖTZ, Europäisches Vertragsrecht, Bd.I, Tübingen 1996; CHR. VON BAR, Gemeineuropäisches Deliktsrecht, Bd.I, München 1996.
[19] Vgl. A. STADLER, Gestaltungsfreiheit und Verkehrsschutz durch Abstraktion. Eine rechtsvergleichende Studie zur abstrakten und kausalen Gestaltung rechtsgeschäftlicher Zuwendungen (Ius Privatum, Bd.13), Tübingen 1996, insbes. S.28-35, S.353-361.
[20] Hierzu und zur Orientierung der deutschen Privatrechtsvergleichung vor allem nach dem Zweiten Weltkrieg vgl. F. RANIERI, Cenni sull’esperienza della civilistica tedesca di questo secolo, in: L’apporto della comparazione alla scienza giuridica (Studi di diritto comparato, Bd.20), Milano 1980, S.33 ff., insbes. S.53-56.
[21] H. J. SONNENBERGER, Allemagne, in: La circulation du modèle juridique français (Anm.8), insbes. S.341.
[22] Ebda., S.342.
[23] Vgl. H.J. SONNENBERGER, ebda., S.342.
[24] H.J. SONNENBERGER, ebda., S.342.
[25] Vgl. R. SACCO, Rapport de synthèse, in: La circulation (Anm.7), insbes. S.11.
[26] So R. SACCO, ebda., S.11; ähnlich die Feststellung von C. WITZ, Rapport introductif, in: La circulation (Anm.7), insbes. S.305: “L’influence du modèle français diminue inexorablement au fil des décennies dans la plupart des pays concernés”.
[27] So G. BOEHMER, Der Einfluß des Code civil auf die Rechtsentwicklung in Deutschland, Archiv für civilist. Praxis 151 (1951), S.289 ff., insbes. S.304.
[28] Hierzu im einzelnen vgl. F. RANIERI, Le traduzioni e le annotazioni di opere giuridiche straniere nel sec. XIX come mezzo di penetrazione e di influenza delle dottrine, in: La Formazione storica del diritto moderno in Europa. Atti del terzo Congresso internazionale della Società italiana di Storia del diritto, Bd.III, Firenze 1977, S.1487 ff., insbes. S.1502-1503 mit weiteren Nachweisen.
[29] Vgl. hierzu zuletzt mit breiten Literaturhinweisen N.J. GROSS, Der Code civil in Baden. Eine deutsch-französische Rechtsbegegnung und ihr Erbe, 1993 (Schriftenreihe der deutsch-französischen Juristenvereinigung, Bd.3); hier umfassende Hinweise auf die neueren rechtshistorischen Forschungen von FEHRENBACH, SCHUBERT und DÖLEMEYER.
[30] Zuletzt zur französischen Privatrechtswissenschaft im 19.Jh. M. GLÄSER, Lehre und Rechtsprechung im französischen Zivilrecht des 19.Jh. (Ius Commune. Bd.81), Frankfurt a.M. 1996; A. BÜRGE, Das französische Privatrecht im 19.Jh. zwischen Tradition und Pandektenwissenschaft (Ius Commune, Bd.52), Frankfurt a.M. 1991; J.L. HALPERIN, Histoire du droit privé français depuis 1804, Paris (PUF) 1996, insbes. S.56 ff.
[31] Dazu F. RANIERI, Le traduzione (Anm.28), insbes. S.1499-1501 mit weiteren Nachweisen. Vgl. auch V. LASSERRE-KIESOW, Plaidoyer pour une meilleure connaissance du droit civil allemand, in diesem Band, S.
[32] Zu den historischen Hintergründen der unterschiedlichen Argumentationsstile und Rechtssprachen im französischen und deutschen Zivilrecht siehe P.G. MONATERI, La sineddoche. Formule e regole nel diritto delle obbligazioni e dei contratti (Studi di diritto comparato, Bd.26), Milano 1984, insbes. S.375-433; DENS., Règles et techniques de la définition dans le droit des obligations et des contrats en France et en Allemagne: la synecdoque, in: Rev. intern. de droit comparé (1984), S.7-57.
[33] Vgl. B. WINDSCHEID, Zur Lehre des Code Napoléon von der Ungültigkeit der Rechtsgeschäfte, Düsseldorf 1847, S.302. Zur Geschichte des Werkes dogmenhistorisch und rechtsvergleichend vgl. zuletzt A. NEGRI, Il ricupero dell’atto nullo mediante esecuzione. Il sistema francese e il sistema italiano, Napoli 1981, insbes. S.126 ff.
[34] Vgl. K.H. NEUMAYER, Die wissenschaftliche Behandlung des kodifizierten Rechtsstoffes im Großherzogtum Baden und auf dem linken Rheinufer bis zum Beginn der Vorarbeiten zum BGB (1874), in: H. COING/W. WILHELM, Wissenschaft und Kodifikation des Privatrechts im 19.Jahrhundert, Bd.I, Frankfurt a.M. 1974, S.197 ff.
[35] Vgl. hierzu SCHUMACHER, Das rheinische Recht in der Gerichtspraxis des 19.Jahrhunderts. Ein Beitrag zur Auslegung rezipierter Rechtsnormen (Schriftenreihe des Instituts für Europäisches Recht, Bd.9), Stuttgart/Brüssel 1969; vgl. auch F. RANIERI, Rezeption und Assimilation ausländischer Rechtsprechung, dargestellt am Beispiel des europäischen Einflusses der französischen Judikatur im 19.Jh., in: Ius Commune, Bd.VI, Frankfurt a.M. 1977, S.202 ff., insbes. S.214 ff.
[36] Vgl. C. CROME, Allgemeiner Teil der modernen französischen Privatrechtswissenschaft, Mannheim 1892 sowie DENS., Grundlehren des französischen Obligationenrechts, Mannheim 1894 sowie DENS., Handbuch des französischen Zivilrechts, begründet von ZACHARIAE VON LINGENTHAL, 8.Aufl., Mannheim 1894.
[37] Vgl. C. CROME, Intensive und extensive Bedeutung des französischen Privatrechts, in: Rheinische Zeitschrift, Bd.I, 1909, S.6.
[38] Vgl. hier etwa die Übersetzungen der genannten Werke durch ASCOLI und CAMMEO (Milano 1906 und 1908); das Handbuch wurde von L. BARASSI ins Italienische übersetzt (Milano 1907-1909). Zu den italienischen Ausgaben, welche mit Hinweisen auf das damalige italienische Recht ergänzt wurden, vgl. insbes. meine Ausführungen in: F. RANIERI, Le traduzioni (Anm.28), insbes. S.1501 mit umfassenden bibl. Nachweisen.
[39] So K.H. NEUMAYER, Deutsche und französische Zivilrechtswissenschaft (Anm3), S.174.
[40] 3.Aufl., Paris 1925.
[41] Keine Ausnahme stellt die Monographie von W. SIEBERT, Verwirkung und Unzulässigkeit der Rechtsausübung, Marburg 1934, dar: hier wird auf die französische Theorie des “abus des droits” zurückgegriffen, in völliger Verkennung allerdings deren tatsächlicher Anwendung in der französischen Rechtspraxis, um die Judikatur des Reichsgerichtss zu § 242 BGB zu rechtfertigen; siehe hierzu die Kritik von O. DE BOOR, Methodisches zur Dogmatik und Rechtsvergleichung, in: Archiv für civil. Praxis 81935), S.262 ff. Zum Thema vgl. F. RANIERI, Cenni sull’esperienza (Anm.20), S.54; zuletzt H.P. HAFERKAMP, Die heutige Rechtsmißbrauchslehre. Ergebnis nationalsozialistischen Rechtsdenkens? (Berliner Jur. Universitätsschriften, Bd.1), Berlin 1995, insbes. S.328 ff.
[42] So M. FERID, Das Französische Zivilrecht, Bd.I, 1.Aufl., Frankfurt a.M.-Berlin 1971, Vorwort, S.4.
[43] So C. WITZ, in: Revue critique de droit international privé, 85 (1996), S.578, insbes. 579. Ähnlich M. FROMONT, La protection (Anm.9), insbes. S.77: “du fait de l’existence d’une partie générale dans le Code Civil allemand, les Allemands sont toujours habitués à combiner plusieurs dispositions entre elles, c’est beaucoup moins les cas du juriste français. Le juriste français a toujours tendences à appliquer les dispositions applicables en peu isolément”.
[44] Vgl. dazu mit weiteren Hinweisen F. RANIERI, Styles judiciaire dans l’histoire européenne: Modèles divergents ou traditions communes?, in: R. JACOB (ed.), Les juges et le jugement dans les traditions juridiques européennes. Etudes d’histoire comparée, Paris (Droit et Société 17) 1996, S.181-195.
[45] Zum Thema vgl. F. RANIERI, ebda.
[46] Vgl. hier meine Ausführungen in: F. RANIERI, Das Reichskammergericht und der gemeinrechtliche Ursprung der deutschen zivilrechtlichen Argumentationstechnik, in: ZEuP 3/1997, S.718-734.
[47] Siehe zuletzt ST. HEITMANN, Plädoyer für ein Auslaufmodell, in: NJW 1997, S.1826-1827; CH. BALZER, Schlanke Entscheidungen im Zivilprozeß, in: NJW 1995, S.2448 ff.; vgl. insbes. S.2455: “deutsche Juristen ... werden kaum jemals das Vergnügen empfinden dürfen, das der französische Jurist der Lektüre von Urteilen der Cour de Cassation abgewinnen kann, Urteilen, die von Souveränität, Prägnanz und cartesianischer Klarheit geprägt sind”. Französische Autoren kritisieren allerdings gerade die sibyllinische Kürze der “arrêts” des französischen Kassationshofes: vgl. zuletzt C. WITZ, Libres propos d’un universitaire français à l’étranger, in: Rev. trim. droit civil, 91 (1992), S.737 ff.
[48] Dazu F. RANIERI, ebda.
[49] Siehe etwa J. VOULET, L’interprétation des arrêts de la Cour de Cassation, in: Semaine Juridique, 1970, Doctrine, n.2305.
[50] Vgl. M. FROMONT, La protection juridictionelle (Anm.9), insbes. S.76-77.
[51] L. MONTAZEL, Entre fait et droit: histoire d’un pouvoir judiciaire. Les techniques de la cassation civile en France et en Allemagne au XIXème siècle, Frankfurt a.M. 1998, insbes. S.114 ff.; vgl. insbes. S.119: “aussi instruits qu’ils soient du droit et de la jurisprudence français, les juges allemands ne peuvent faire abstraction du mode de pensée propre à leurs pays et qui a fait partie de leur formation”.
[52] Vgl. hierzu den Beitrag von D. LUZEAUX in diesem Sammelband, S.
[53] Vgl. CH. AUTEXIER, Doppelstudium der deutschen und französischen Rechtswissenschaften, in: Informationen für die Beratungs- und Vermittlungsdienste der Bundesanstalt für Arbeit, Nr.24/94, S.2175; DENS., ELSA-Saarbrücken e.V./CJFA (Hrsg.), Recht und Gesetz im deutsch-französischen Dialog. Symposium anläßlich des 40jährigen Jubiläums des Centre Juridique franco-allemand), Annales Universitatis Saraviensis, Bd.130 (1997); DENS. im Internet: http://www.jura.uni-sb.de/CJFA; zuletzt CH. EYMERY: Jurastudium à la française: Studium des französischen Rechts am Centre Juridique franco-allemand der Universität des Saarlandes, in: ZEuP 3/98, S.790.

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