Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

(http://www.jura.uni-sb.de/projekte/Bibliothek)

Zur Veröffenlichung angenommen in:
Sammelband zur Tagung der
Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)
im März 1996



Klaus Richter

Wibald von Stablo und die Schwalenberger:
Konfliktverhalten und Strafrecht im 12. Jahrhundert


Gliederung

I.   Abt Wibald von Stablo
II.  Die Konflikte - ein historischer Befund
   1.  Einführung
   2.  Die Konflikte mit den Grafen von Schwalenberg
    a.  "Immenkhusen"
    b.  "Friedhof"
    c.  "Höxter"
    d.  "Stadtgraf"
III.  Die Schwalenberger Konflikte
      und die Entstehung des öffentlichen Strafrechts
   1.  "Öffentlichkeit" und "öffentliches Strafrecht"
       "im Hochmittelalter
   2.  Rechtsetzung und Gerichtswesen im 12. Jahrhundert
    a.  Gottesfriedensbewegung
    b.  Die Landfriedensbewegung
    c.  Strafziele im Hochmittelalter
    d.  Mittelalterliches Gerichtswesen
   3.  Die Schwalenberger Konflikte
    a.  Die angerufenen Schutzsysteme
    b.  Wandel in der Bedeutung hoheitlichen Handelns
    c.  Mögliche Auswirkungen des Landfriedens von 1152
        auf die Schwalenberger Konflikte
    d.  Spuren eines öffentlichen Strafrechts
        bei den Schwalenberger Konflikten



Über Abt Wibald von Stablo, eine der schillernden Persönlichkeiten des Mittelalters, ist schon viel geschrieben worden, sowohl von Zeitgenossen als auch von Historikern späterer Jahrhunderte. Gleichwohl werfen sein Leben und sein Werk Fragen auf, die bisher noch nicht gestellt oder bearbeitet worden sind. Ziel dieser Arbeit soll es sein, anhand von vier Konflikten des Abtes Wibald mit den Grafen Volkwin und Widukind II. von Schwalenberg die Frage nach der Entstehung des öffentlichen Strafrechts zu untersuchen . Dazu soll das Thema in drei Schritten bearbeitet werden. Zunächst wird kurz auf die Person des Abtes Wibald von Stablo und Corvey eingegangen (I.). Sodann erfolgt eine Überleitung zur Auswertung des historischen Befundes unter Darstellung ausgewählter Konflikte Wibalds mit den Grafen von Schwalenberg (II.). Als letztes soll dann der Versuch unternommen werden, das Konfliktverhalten zu analysieren und Antworten auf die Frage nach der Entstehung des öffentlichen Strafrechts zu finden (III.).

I. Abt Wibald von Stablo

Abt Wibald, eine der einflußreichsten Persönlichkeiten des 12. Jahrhunderts und Angehöriger des Benediktinerordens , wurde im Frühjahr 1098 in Lothringen geboren und verstarb am 19. Juli 1158 in Bitolia (Macedonien), während er in einer diplomatischen Mission für Kaiser Friedrich I. nach Byzanz unterwegs war. Im Jahre 1130 wurde Wibald zum Abt der beiden reichsunmittelbaren Klöster Stablo und Malmedy gewählt und von Lothar III. in sein Amt eingesetzt (1). Als sich nach Lothars Tod eine Auseinandersetzung zwischen dem Welfen Heinrich dem Stolzen und dem Staufer Konrad um die Thronfolge anbahnte, unterstützte Wibald die Wahl des Staufers zum König. Konrad III. zeigte sich dadurch erkenntlich, daß er Wibald in die Reichskanzlei aufnahm und ihn auf diplomatischen Missionen einsetzte. Im Jahre 1146 unterstützte der König die Wahl Wibalds zum Abt des in der Nähe der Stadt Höxter im Wesertal gelegenen Klosters Corvey, das als eines der ältesten Klöster Sachsens im Jahre 822 gegründet worden war und sich im Jahre 1146 im Einflußbereich Heinrichs des Löwen befand . Mit der Verleihung der Corveyer Abtswürde an Wibald in einer Zeit heftiger staufisch-welfischer Auseinandersetzungen begannen für ihn bald zahlreiche Konflikte um das Kloster Corvey und seine Besitztümer, insbesondere mit den Grafen Volkwin und Widukind II. von Schwalenberg, Vizevögte des Klosters Corveys und Parteigänger der Welfen(2) .

II. Die Konflikte - ein historischer Befund

1. Einführung

Als Abt des Klosters Corvey sah sich Wibald sehr bald dauerhaften Konflikten mit Ministerialen, räuberischen Grafen (wie Graf Poppo von Blankenburg), dem Corveyer Hochvogt Hermann von Winzenburg und Wibalds Amtsvorgängern in Corvey und dem Nonnenkloster Kemnade, Abt Heinrich I. und Äbtissin Judith von Kemnade, ausgesetzt. Als schwierigste und hartnäckigste Gegner Wibalds sollten sich jedoch die Corveyer Vizevögte, die Grafen Volkwin und Widukind II. von Schwalenberg erweisen . Bevor auf diese Konflikte im einzelnen eingegangen wird, soll ein kurzer Überblick über andere Auseinandersetzungen Wibalds in Corvey gegeben werden.

a. Die Ministerialität

Für diesen Konfliktbereich ist die Auseinandersetzung mit dem Truchseß Rabano beispielhaft (3). Rabano weigerte sich, den Anordnungen Wibalds auf Herausgabe des Abtshauses nachzukommen, sein Amt als Truchseß aufzugeben und den auf ein angebliches Erbrecht zurückgeführten Burgbann aufzugeben. Vorausgegangen war, daß sich Rabano aus eigener Machtvollkommenheit Burggraf titulierte und die Klosterleute unter seine Gerichtsbarkeit gezwungen hatte (4). Über das Verhalten Rabanos entschied zunächst ein Ministerialengericht. Da Rabano dessen Urteil aber nicht annahm, mußte das Hofgericht durch die Reichsministerialen eine Entscheidung fällen. Konrad III. erließ ein Diplom, das später von Friedrich I bestätigt wurde. Dieses Diplom gab dem Kloster Corvey das Privileg, das Truchseßamt frei zu vergeben oder es einzuziehen. Ähnlich lautete ein auf den Burgbann bezogene Privileg (5).

b. Die Vögte von Corvey

Vogteirechte waren zu Beginn der Stauferzeit von hoher machtpolitischer Bedeutung. Sie begründeten durch die Entwicklung von Machtzentren den Prozeß der Territorialisierung und stellten, ebenso wie das Grafenamt, einzelne Herrschaftstitel dar (6). Die das Kloster Corvey betreffenden Vogteien sind nicht einfach zu überblicken. Es lassen sich Hoch- und Vizevögte und darüber hinaus auch Teil- und Untervögte nachweisen. Die gesamte Rechtslage und das Verhältnis zwischen diesen einzelnen Begriffen ausführlich zu erörtern, kommt einem Beitrag zur Verfassungsgeschichte des Hochmittelalters gleich und kann, um das eigentliche Thema nicht aus den Augen zu verlieren, an dieser Stelle nicht erfolgen .

aa. Hoch- und Edelvögte des Klosters Corvey

Die Hochvögte Corveys gehörten dem Geschlecht der Northeimer an, die ihre Vogteirechte in ihrer Linie vererbten. Der letzte Northeimer, Graf Siegfried von Bomeneburg, bekannte sich offen zur Partei der Welfen (7). Er hatte zur Stärkung seiner Machtposition und seines Einflusses auf die Besitzungen des Klosters Corvey 1143 die Wahl seines Bruders Heinrich zum Abt von Corvey und seiner Schwester Judith zur Äbtissin von Kemnade/Fischbeck durchgesetzt . Nach seinem Tod im Jahre 1144 gingen die Vogteirechte für das Kloster Corvey auf Herrmann von Winzenburg über . Für ihn war der Erwerb der Vogtei ein Machtgewinn, den es auszubauen und zu erweitern galt. Dieses Ziel verfolgte er sowohl im Positiven wie im Negativen. Zum einen war für Herrmann von Winzenburg die Wahl Wibalds zum Abt des Klosters Corvey gewiß von Vorteil, denn wie er gehörte auch Wibald der Partei der Staufer an. Eine Stärkung der Position Wibalds kam ihm andererseits aber nicht gelegen, vielmehr wollte Hermann von Winzenburg seine Machtposition zu Lasten des Klosters auszubauen. So kam es, daß Wibald in einem Schreiben die Befürchtung äußerte, der Vogt wolle den Brunsberg, die Corveyer Burg, besetzen und befestigen (8). Auch verweigerte der Vogt die Rückgabe von Klostergut, das er nach Ansicht Wibalds unrechtmäßig erworben hatte (9). Es existiert ein Schreiben Wibalds an Erzbischof Hartwich von Hamburg, in dem er ihn aufforderte, gegen Herrmann von Winzenburg vorzugehen, vor allem weil dieser Anhänger Wibalds gefangen genommen hatte (10). Insgesamt schien Herrmann von Winzenburg sein Vogteirecht sehr distanziert wahrgenommen zu haben. So unterließ er es zum Beispiel, gegen die Übergriffe der Schwalenberger auf das Kloster vorzugehen. Die Spannungen führten schließlich soweit, daß Wibald 1150 damit drohte, sich einen anderen Vogt zu suchen . Zu einer weiteren Verschärfung des Konfliktes kam es jedoch nicht, weil der Vogt im Januar 1152 ermordet wurde (11). Im Streit um die Erbfolge erhielt Heinrich der Löwe auf dem Reichstag zu Würzburg im Herbst des gleichen Jahres u.a. die Rechte der Hochvogtei Corvey aus dem Erbe Herrmanns von Winzenburg zugesprochen (12). Mit dem Welfen Heinrich der Löwe als Hochvogt und Abt Wibald als Parteigänger der Staufer geriet das Kloster Corvey somit in den Konflikt zwischen Staufern und Welfen.

bb. Vizevögte, Teilvögte und Untervögte von Corvey

Neben der Hoch- und Edelvogtei Corvey hatten sich eine Vizevogtei und Teilvogtei auf dem Gebiet des Klosters Corvey gebildet. Daneben bestanden noch Teilvogteien über die Güter des Stifts in Gröningen, Kroppenstedt und Ammersdorf sowie über das sächsische Nordland. Teilvogt des Klosters Corvey wurde mit der Eingliederung der Nonnenklöster Kemnade und Fischbeck, die am 19.3.1147 auf dem Reichstag zu Frankfurt stattfand, Herzog Heinrich der Löwe. Diesen forderte Konrad III. auf, auf seine Vogteirechte gegenüber dem König zu verzichten und sie von Wibald erneut als Lehen anzunehmen. Heinrich der Löwe war, solange die Klöster Kemnade und Fischbeck selbständig waren, deren Hochvogt gewesen, so daß die Eingliederung der Klöster für ihn einen Machtverlust bedeuteten. Aus diesem Grund wird wohl auch ein Untervogt Heinrichs des Löwen in Kemnade, Dietrich von Ricklingen, Abt Wibald erheblichen Widerstand bei der Inbesitznahme von Kemnade geleistet haben . Vizevögte Corveys waren zur Zeit Wibalds die Grafen von Schwalenberg. Diese waren Parteigänger der Welfen und hatten die Rechtsposition der Vizevogtei in ihrer Linie vererbt (13). Sie waren daneben auch Teilvögte des zu dem Kloster Corvey gehörenden Gebietes der Stadt Höxter (14). Ungeklärt bleibt aber, ob sich die Vogteirechte der Schwalenberger lehnsrechtlich vom Kloster Corvey oder von Siegfried von Bomeneburg bzw. Herrmann von Winzenburg ableiteten (15).

c. Die Amtsvorgänger Wibalds

Die Konflikte mit den Amtsvorgängern betreffen im wesentlichen zwei Personen: den aus dem Northeimer Geschlecht stammenden, kurz zuvor abgesetzten Abt des Klosters Corvey, Heinrich I. und die ebenfalls aus dem Northeimer Geschlecht stammende, gleichfalls abgesetzte Äbtissin des Nonnenklosters Kemnade Judith (16). Heinrich I. versuchte nach seiner Absetzung, insbesondere nach der Wahl Wibalds zum Abt des Klosters Corvey, seine Absetzung mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln bis 1149 wieder rückgängig zu machen. Da Heinrich I. auch noch unter den Klosterministerialen Anhänger hatte, war Wibald in Corvey sehr bald einer erheblichen Opposition ausgesetzt. Vermutlich ist auch eine gegen Wibald gerichtete Verschwörung vom 29.12.1148 auf Anhänger Heinrichs I. zurückzuführen , deren Ziel es offenbar war, Wibald zu töten oder zumindestens zu verstümmeln (17). Die Auseinandersetzung mit Äbtissin Judith war in der Inkorporation der Nonnenklöster Kemnade und Fischbeck in das Kloster Corvey begründet. Dieser Konflikt konnte erst 1150 beigelegt werden. Hintergrund all dieser Auseinandersetzungen war der Konflikt um Land und Herrschaft der Adelsgeschlechter in Sachsen sowie die seit 1125 virulente und gegen Ende der Herrschaft Konrads III. eskalierende staufisch/welfische Auseinandersetzung. Möglicherweise verfolgten die Staufer mit der Eingliederung von Kemnade und Fischbeck in das Kloster Corvey den Plan, die königliche Einflußzone weserabwärts in Richtung auf das Erzstift Bremen zu vergrößern und dadurch die Einflußmöglichkeiten der Welfen in dieser Region zu schwächen.

2. Die Konflikte mit den Grafen von Schwalenberg

Im folgenden sollen vier Konflikte Wibalds und des Klosters Corvey mit den Vizevögten Corveys, den Grafen Volkwin und Widukind II. von Schwalenberg, untersucht werden. Für diese Auseinandersetzungen gab es im Zweifel mehrere Ursachen. Da waren zum einen die sich häufenden Auseinandersetzungen zwischen Klöstern und ihren Vögten aufgrund der vermehrten Umwandlung klösterlicher Immunitätsbereiche in reichslehenbare Territorien. Für die Auseinandersetzungen zwischen Abt Wibald und den Grafen von Schwalenberg im speziellen kam möglicherweise noch der Mißerfolg der Schwalenberger bei der Besetzung des Kemnader Äbtissinnenamtes hinzu . Volkwin von Schwalenberg hatte nach der Absetzung der Äbtissin Judith von Northeim versucht, seine Nichte Judith in das Äbtissinnenamt des Klosters einzusetzen, er scheiterte jedoch am Widerstand Wibalds und an der Inkorporation des Klosters Kemnade in das Kloster Corvey . Kenntnis von den Konflikten haben wir aus dem Briefbuch Codex epistolaris Wibaldi abbatis, das von Philipp Jaffé textlich einwandfrei in der 1864 in Berlin erschienenen und 1964 neu aufgelegten Monumenta Corbeiensia editiert wurde (18).

a."Immenkhusen"

Nach seiner Wahl zum Abt des Klosters Corvey im Jahre 1146 war Wibald in der folgenden Zeit dort kaum anwesend. Noch im Frühjahr 1148 weilte er in Stablo, da dort entstandene Konflikte dringend bereinigt werden mußten. Ebenda erreichte ihn ein Schreiben des Probstes und des Konvents von Corvey, in dem Wibald die Bedrängnis des Klosters mitgeteilt wurde (19): Die Pfründe seien zerstört worden, wodurch die Existenzgrundlage der Angehörigen des Konvents in Gefahr geraten sei. Außerdem seien Gefolgsleute des Klosters verfolgt und zugrunde gerichtet worden. Insgesamt habe sich ein Klima der Angst entwickelt, so daß für Wibalds Rückkehr dringende Erforderlichkeit bestehe. Als Urheber dieser Zustände wird Graf Volkwin von Schwalenberg benannt. Ihn hatte Wibald für die Dauer seiner Abwesenheit zum Schutz der Abteigüter eingesetzt hatte,und er soll den in Höxter ansässigen Klosterministerialen 150 Mark geraubt haben (20), außerdem hatten seine Gefolgsleute den vilicus des Fronhofes Immenkhusen beinahe erschlagen, weil diesem ein Lehen aus dem Konventsgut zugestanden worden war. In seinem Antwortschreiben tröstete Wibald die Angehörigen seines Klosters und kündigte seine baldige Rückkehr sowie ein Vorgehen gegen Volkwin von Schwalenberg an (21). Wibald leitete auch erste Schritte gegen den Grafen ein, indem er Bischof Bernhard von Paderborn, einen Verwandten der Schwalenberger, aufforderte, Maßnahmen gegen Volkwin zu ergreifen (22). Dieser habe dem Kloster "Schadensersatz" und Genugtuung zu leisten. Sollte er dies verweigern, so müsse er von Bischof Bernhard mit dem Kirchenbann belegt werden. Als Grundlage hierzu berief Wibald sich auf ein Papstdekret, das während des Konzils von Reims (1147) verabschiedet worden war. Der Hochvogt des Klosters Corvey, Hermann von Winzenburg, dem an sich der Schutz der klösterlichen Immunität oblag, nahm seine Verpflichtungen gegenüber dem Kloster eher distanziert wahr, seine Untätigkeit ging sogar so weit, daß die Mönche des Klosters Konrad III. darum baten, er möge den Winzenburger veranlassen, dem Kloster besseren Schutz zukommen zu lassen (23). Der konkrete Grund für die Gewalttätigkeit Volkwins läßt sich nicht ermitteln, hierfür bieten weder das Schreiben des Klosters noch Wibalds Antwortschreiben irgendeinen Anhaltspunkt. Auch über Auseinandersetzungen im Vorfeld zu diesem Überfall ist nichts bekannt. Möglicherweise ging es, wie bereits gesagt, ganz generell um die Verfügungsgewalt über Corvey und seine Besitzungen. Das würde immerhin das rabiate Vorgehen gegen den Verwalter des Fronhofes Immenkhusen erklären, dem ein Lehen aus dem Konventsgut zugestanden worden war, ein Lehen, das Volkwin vielleicht für sich beansprucht hatte. Ob tatsächlich Schritte gegen Volkwin unternommen wurden, ist ebenfalls nicht belegt. Die Auseinandersetzung wurde möglicherweise sogar gütlich beigelegt, denn es verlautete weder etwas über weitere Klagen der Mönche noch über weitere Maßnahmen Wibalds. Als Wibald sich in einem Scheidungsverfahren Volkwins an den Erzbischof von Mainz wandte, schrieb er sogar, die Grafen von Schwalenberg hätten dem Kloster bislang treuen, freundschaftlichen und eifrigen Dienst geleistet.

b. "Friedhof"

Von diesem Konflikt, der in den Jahren 1151/52 anzusiedeln ist, wissen wir lediglich aus einem Brief von Papst Eugen III. an Bischof Bernhard von Paderborn (24). Urheber dieser Auseinandersetzung war diesesmal nicht Volkwin von Schwalenberg, sondern sein Bruder Widukind II. Dieser hatte sich zunächst mit seinen Spießgesellen gewaltsam Zutritt zum Friedhof des Klosters Corvey verschafft. Dort raubte er dann nicht nur - unter Begehung eines Sakrilegs - Gegenstände im Wert von 100 Mark , sondern schändete auch die Kapelle des Friedhofs. Als Wibald diese Vorfälle zu Ohren kamen, bat er Papst Eugen III. um Hilfe. Dieser erteilte daraufhin dem für das Kloster Corvey zuständigen Bischof Bernhard von Paderborn ein Mandat zum Einschreiten gegen Widukind II. von Schwalenberg. Bernhard von Paderborn wurde angewiesen, die Beteiligten zur Rückgabe des gestohlenen Gutes aufzufordern sowie eine Buße für das Sakrileg zu erheben. Der Papst forderte den Bischof ferner auf, über Widukind II. den Kirchenbann auszusprechen, falls diese Maßnahmen erfolglos bleiben sollten. Ob Widukind II. aber tatsächlich zur Rechenschaft gezogen wurde, läßt sich nicht nachweisen. Vielleicht kam es auch hier zu einer gütlichen Einigung. Dafür spricht ein Schreiben Wibalds an König Friedrich I. aus dem Jahre 1152, in dem Wibald großen Wert darauf legt, daß zwischen ihm und den Grafen von Schwalenberg bisher bestes Einvernehmen bestanden habe (25). Über diesen Konflikt gibt es nur sehr spärliche Informationen. Der konkrete Anlaß für den Überfall ist unklar, letztlich bleibt hier nur Raum für Vermutungen.

c."Höxter"

Dieser Konflikt, der weitaus dramatischer ablief als die bisherigen, spielte sich vermutlich im Sommer 1152 ab (26). Die Brüder Volkwin und Widukind II. überfielen gemeinsam mit ihren Gefolgsleuten die zum Kloster Corvey gehörende Stadt Höxter, während Wibald an einer Synode in Köln teilnahm . Unter Anwendung einer Kriegslist drangen die Schwalenberger mit ihren Gefolgsleuten einzeln und in kleinen Gruppen in die Stadt ein, sammelten sich auf vereinbartes Zeichen und fielen über die überraschten Bürger her. Die Stadt und die Felder in ihrer Umgebung wurden drei Tage lang geplündert . Wibald warf den Schwalenbergern vor, sie hätten nicht nur die Pfründe der Mönche zerstört, sondern auch schändlichste Verbrechen an Männern und Frauen begangen (27). Menschen, die verzweifelt in die Stadtkirche und die Friedhofskapelle geflüchtet seien, hätten die Spießgesellen der Schwalenberger unter Mißachtung kirchlichen Asylrechts und unter Entweihung heiliger Orte gewaltsam von dort entfernt. Von den reichen Bürgern der Stadt hätten die Schwalenberger ein Lösegeld in Höhe von 253 Pfund erpreßt (28). Dann, um dem ganzen die Krone aufzusetzen, hätten sie die mit Erlaubnis Konrads III. errichtete Stadtmauer von Höxter vor ihrem Abzug niedergerissen. Dieser Überfall war für alle Betroffenen eine Katastrophe größten Ausmaßes. Die Mönche traten in einen Streik, vergruben Reliquien und Heiligenbilder, verhüllten die Kruzifixe, führten keine Gottesdienste mehr durch und stellten das Glockenläuten ein (29). Wibald flehte Friedrich Barbarossa um Beistand an, drohte ihm sogar für den Fall, daß nichts geschähe, mit der Einstellung seiner Tätigkeit für König und das Kloster. Zugleich wandte Wibald sich an Erzbischof Arnold von Köln sowie an den Kanzleinotar des Königs, Heinrich von Wiesenbach. Erzbischof Arnold von Köln konnte nicht mehr tun, als Wibald seine Anteilnahme auszudrücken, da er zu diesem Zeitpunkt mit der Belagerung der Burg der Grafen von Seyn beschäftigt war (30). Friedrich I. sicherte Wibald eine strenge Bestrafung der Übeltäter zu und lud ihn zu dem für den 13. Oktober 1152 geplanten Hoftag in Würzburg ein (31). Zugleich beruhigte der König die Mönche des Klosters und forderte sie auf, wieder Gottesdienst zu halten . Den Bürgern der Stadt Höxter trug der König auf, das Lösegeld nicht zu entrichten und die Stadtmauern wieder aufzubauen (32). Konkrete Hinweise gab nur Kanzleinotar Heinrich von Wiesenbach: der König beabsichtige, die Schwalenberger zum 24. August 1154 nach Worms vorzuladen. Daneben fordere Friedrich I. Heinrich den Löwen zur Durchführung eines Gerichtsverfahrens auf. Auf dem Würzburger Hoftag im Oktober 1152 schließlich ließ Friedrich I. eine erneute Befestigung von Höxter beschließen. Ob es aber zu gezielten Maßnahmen gegen die Schwalenberger und zu deren Bestrafung gekommen ist, ist unklar. Klohn hält weitere Reaktionen für unwahrscheinlich, seiner Ansicht nach war der König zu dieser Zeit bereits viel zu sehr mit der Vorbereitung seiner Romfahrt beschäftigt gewesen . Wibald wandte sich übrigens auch an Bischof Bernhard von Paderborn mit der Bitte, dieses schwerwiegende Verbrechen schnell zu bestrafen , denn darauf könne nicht verzichtet werden, da die Tat vor aller Augen begangen worden sei (33). Um dem Bischof eine Sicherheit zu bieten, wies Wibald darauf hin, daß er im Besitz zweier Briefe des Papstes sei, die das Vorgehen gegen die Schwalenberger stützen würden. Auffällig ist die Datierung dieses Schreibens: es stammte aus der Zeit Anfang November 1152, nachdem auf dem Würzburger Hoftag mit dem Beschluß, die Stadtmauern von Höxter wieder zu errichten, die ersten Maßnahmen gegen die Grafen von Schwalenberg ergriffen worden waren. Die Ursache hierfür ist unbekannt, doch könnte diese scheinbare Verspätung für eine Bestrafung der Schwalenberger durch ein weltliches Gericht sprechen. Auffallend ist, daß auf dem Ulmer Hoftag Ende Juli/Anfang August 1152, nur wenige Wochen nach dem Überfall, die Laienfürsten den Beschluß faßten, daß bei Bestrafung von Raub und Brandstiftung an kirchlichen Gütern der weltliche Rechtsspruch der Exkommunikation vorauszugehen habe (34). Daß Wibald sich erst im November 1152 an Bischof Bernhard von Paderborn wandte, könnte also den Schluß zulassen, daß es zu Maßnahmen gegen die Schwalenberger bereits gekommen war. Nachweisen läßt sich dies aber nicht. Der konkreter Anlaß für den Überfall der Schwalenberger auf Höxter ist unbekannt. Die Vermutung liegt nahe, daß Volkwin und Widukind II. mit dem Überfall ihre Besitzansprüche auf Höxter dokumentieren wollten. Klohn weist darauf hin, daß ein derartiger Vorfall nur mit stillschweigender Duldung durch den Lehnsherrn der Schwalenberger möglich war. Das war aber niemand anderes als Heinrich der Löwe. Da die Schwalenberger Anhänger der Welfen waren, läßt dies den Schluß zu, daß Volkwin und Widukind II. mit dem Überfall Ansprüche Heinrichs des Löwen auf die Herrschaftsrechte über Corvey und Höxter unterstreichen wollten. Eindeutig klären läßt sich diese Vermutung allerdings nicht.

d. "Stadtgraf"

Der letzte Konflikt, der hier besprochen werden soll, fand zwischen Sommer und Herbst 1156 statt und wurde von Widukind II. alleine verursacht (35). Dieser hatte mit seinen Gefolgsleuten erneut einen Überfall begangen, bei dem er eigenhändig den Stadtgrafen Dietrich von Höxter, einen Ministerialen, erschlug, der vor der geheiligten Mauer der Kirche eine Gerichtsverhandlung abhielt. Jener Dietrich von Höxter hatte von Wibald die Gerichtshoheit als erbliches Lehen für treue Dienste während Friedrichs I. Italienzug erhalten. Der konkrete Grund für die Tötung des Stadtgrafen bleibt unklar. Möglicherweise war Widukind II. als Vizevogt von Corvey nicht mit der Übertragung der Gerichtsgewalt auf einen Ministerialen einverstanden war und hatte, als letztes Mittel in einer möglicherweise schon länger währenden Auseinandersetzung, zu diesem drastischen Mittel gegriffen, um seine rechtliche Position zu verdeutlichen. Kaiser Friedrich I., der von Wibald über diesen Vorfall benachrichtigt wurde , äußerte sich zwar nicht direkt zur Ermordung des Stadtgrafen, er lud Wibald aber zu dem für Februar 1157 festgesetzten Reichstag in Ulm ein und sicherte ihm zu, daß Corvey in allen vorgebrachten Fällen zu seinem Recht kommen würde (36). Eine deutlichere Reaktion kam von Heinrich dem Löwen, der möglicherweise von dem Kaiser zu Maßnahmen gegen Widukind II. veranlaßt wurde - diesen Schluß läßt jedenfalls ein Schreiben des Welfen an Friedrich I. vermuten, in dem er ihm die Art und Weise seines Vorgehens gegen Widukind II. mitteilte (37). Danach hatte Heinrich der Löwe gegen Widukind II. von Schwalenberg in Corvey ein Gerichtsverfahren durchgeführt und ihn dort am 5. Mai 1157 nach eingehender Beratung mit Bischof Bernhard von Paderborn und Volkwin von Schwalenbergm verurteilt. Widukind wurde verbannt und hatte das rechtsrheinische Gebiet bis zum 25. Juli 1157 zu verlassen, es sei denn, das Urteil würde vorher widerrufen. Außerdem mußte Widukind der Familie des Ermordeten und Abt Wibald Genugtuung leisten und sie versöhnen. Zuletzt entzog Heinrich der Löwe dem Schwalenberger nach Lehnsrecht die ihm verliehenen Lehen, darunter die Burg Dasenberg (38). Für den Vollzug des Urteils zeigte sich gleichfalls Heinrich der Löwe verantwortlich, er kam damit aber so zögerlich in Gang, daß sich Wibald darüber noch vor August 1157 bei dem Welfenherzog beschwert haben mußte. Heinrich der Löwe wies Abt Wibald darauf hin, daß er nach seiner Rückkehr vom Polenfeldzug Widukind II. zwingen werde, sich an die Bestimmungen des Gerichts zu halten, denen Widukind II. ja selbst zugestimmt hatte. Ob es aber überhaupt zum Vollzug des Urteils kam, ist fraglich, denn bereits 1163 nahm Widukind wieder an den Hoftagen Heinrichs des Löwen teil, hatte wohl also zu dieser Zeit wieder die Gnade des Herzogs gefunden. Überhaupt ist die Rolle Heinrichs des Löwen in diesem und auch den anderen Konflikten mit den Schwalenbergern unklar . Es stellt sich die Frage, ob die Überfälle der Schwalenberger - insbesondere der auf die Stadt Höxter - mit Wissen des Welfen erfolgten und ob dem Urteil von 1157 vielleicht nur eine "Alibifunktion" zukam, um den aufgebrachten Wibald zu besänftigen und dem Kaiser zu demonstrieren, daß er als Herzog von Sachsen willens und in der Lage ist, den Frieden zu sichern . Daß Friedrich I. nicht sehr viel drastischer gegen die Schwalenberger vorgegangen ist, könnte im Zusammenhang mit seiner staufisch-welfischen Ausgleichspolitik in den ersten Jahren seiner Regierung stehen, einer Politik, die es ihm verbat, im sächsischen Herschaftsgebiet des Welfen ohne dessen Zustimmung einzugreifen . Eindeutige Hinweise hierfür lassen sich den Quellen aber nicht entnehmen. Unklar ist zuletzt auch, warum Wibald nicht Heinrich den Löwen als sächsischen Herzog um Unterstützung gebeten hat, sondern stets Friedrich I. Das mag seine Erklärung darin finden, daß Wibald aufgrund seiner jahrelangen Tätigkeit am Hofe sehr gute Verbindungen dorthin hatte, zwingend notwendig ist es nicht.

III. Die Schwalenberger Konflikte und die Entstehung des öffentlichen Strafrechts

1. "Öffentlichkeit" und "öffentliches Strafrecht" im Hochmittelalter

Fänden die Auseinandersetzungen zwischen Abt Wibald und den Grafen von Schwalenberg heutzutage statt, so stellen sie sich für uns als Schwerstkriminalität dar, als Taten, die nach dem geltenden Strafrecht als Mord, Totschlag, Körperverletzung, Raub, Diebstahl und Erpressung anzusehen wären. Staatliche Zwangsmaßnahmen in Form von strafrechtlichen Sanktionen gegen die Täter wären die zwangsläufige Folge. Strafe und Strafrecht stehen in heutiger Zeit in einem engen Zusammenhang, sie sind Teil eines Ganzen, das mit dem Begriff "Öffentliche Strafe" belegt werden kann - "Öffentlich" nicht zuletzt deshalb, weil dem modernen Staat das alleinige Gewalt- und damit auch Strafmonopol zukommt. Wie aber haben wir uns "Öffentliche Strafe" in der Zeit Wibalds und der Grafen von Schwalenberg, also dem 12. Jahrhundert vorzustellen ? Es liegt auf der Hand, daß sich unsere heutige Sichtweise von Strafe und Strafrecht - und damit auch unsere moderne juristische Begriffswelt - nicht ohne weiteres auf die Umstände des 12. Jahrhunderts übertragen läßt, insbesondere weil diesem ein Staatswesen und ein Rechtsdenken im heutigen Verständnis völlig fremd war. Es stellt sich des weiteren die Frage, ob es sich nicht vielleicht um Auseinandersetzungen im individualrechtlichen Bereich handelte, die wir heutzutage mit dem Begriff "privat" umschreiben würden. Wäre dies der Fall gewesen, wo läge dann die Grenze zwischen dem "privaten" Bereich auf der einen und dem "öffentlichen" Bereich auf der anderen Seite (39)? All diese Fragen bedürfen auch im Hinblick auf das von der DFG geförderte Forschungsprojekt "Die Entstehung der öffentlichen Strafe" dringender Beantwortung. Nähere Ausführungen zu diesen Fragen und zur Entstehung der "öffentlichen Strafe" können an dieser Stelle nicht vorgenommen werden, denn es handelt sich um eine derart komplexe Problematik, daß sie den hier gesteckten Rahmen sprengen würde (40). Vielmehr soll direkt "medias in res" gegangen werden, also zur Klärung der Frage, ob sich in den Schwalenberger Konflikten bereits Ansätze einer "öffentlichen Strafe" nachweisen lassen. Als "öffentlich" soll dabei zunächst all das gelten, was nach der Drei-Bereiche-Lehre Holzhauers dem "kephalen" Bereich, also der Zentralgewalt zugeordnet werden kann (41). Zur Bestimmung des Begriffs "öffentliche Strafe" bietet sich Weitzels Definition an, wonach "öffentliche Strafen" solche Sanktionen sind, die als "öffentliche Aktion", als sanktionierende Maßnahmen "öffentlicher" Machthaber verhängt werden, die eine Drittfunktion haben und an deren Verhängung die Öffentlichkeit ein besonderes Interesse hat (42). Wird eine solche, an die moderne Begriffswelt anknüpfende Definition verwendet, stellt sich als erstes die Frage nach der "Öffentlichkeit" im Hochmittelalter. Hier tauchen die ersten Probleme auf . Haben wir in der heutigen Zeit einen Staat, dem durch die Verfassung alleine die legitime Strafgewalt übertragen ist, treffen wir im 12. Jahrhundert auf mehrere Träger von Strafgewalt, von denen keiner für sich ein Gewaltmonopol im heutigen Sinne beanspruchen kann. "Öffentlichkeit" sind im Hochmittelalter Herrschaftsträger aller Art. Dazu gehören nicht nur weltliche Herscher und die Kirche, sondern auch der "innersegmentären Bereich"(43) . Versucht das hochmittelalterliche Staatswesen mit Rechtssätzen in Form von Landfrieden auf Kriminalität zu reagieren, herrscht im innersegmentären Bereich das Prinzip der Rache und Genugtuung vor. Bei einer solchen Machtzersplitterung entsteht "öffentliches" Strafrecht im modernen Sinne in dem Augenblick, in dem es dem Staatswesen gelingt, die gesamte legitime Strafgewalt voll auf sich zu übertragen. Dabei hatte jedoch die Zentralgewalt des 12. Jahrhunderts im wesentlichen den Konflikt mit dem intersegmentären Bereich zu bestehen. Als Kaiser, Könige und Fürsten mit der Landfriedensbewegung den Kampf gegen die Ritterfehden eröffneten , wollten sie nicht etwa rechtsfreie Räume in das Recht einbeziehen. Es ging ihnen vielmehr darum, in die bestehende Rechtsordnung einzugreifen, die bisherige legitime Strafgewalt des intersegmentären Bereichs nach und nach auf den Staat zu konzentrieren. Das bedeutet, daß die Entstehung des "öffentlichen" Strafrechts, wie Gernhuber ausführt, nicht mit einer Ausdehnung des Rechts, sondern einer Expansion des Staates verbunden war (44).

2. Rechtsetzung und Gerichtswesen im 12. Jahrhundert

Als nächstes soll ein kurzer Überblick über die Rechtsetzung im Hochmittelalter gegeben werden. Dabei soll der Begriff "Rechtsetzung" nicht sämtliche Kodifikationen des 12. Jahrhunderts umfassen, sondern sich nur auf solche mit einem Bezug zu Strafen oder Sanktionen sonstiger Art erstrecken. Der Begriff "Rechtsetzung" wurde bewußt anstelle von "Strafgesetzgebung" gewählt, da ausgehend von den oben dargestellten Problemen mit dem Begriff "Öffentlichkeit" schwerlich von Gesetzgebung gesprochen werden kann. Damit verbindet sich oftmals die Assoziation mit dem uns heute vertrauten staatlichen Gesetzgebungsverfahren, welches dem 12. Jahrhundert jedoch noch nicht bekannt war . Bis zum Hochmittelalter stand die Aufzeichnung bereits bestehenden, tradierten Gewohnheitsrechts im Vordergrund. So können Früh- und Hochmittelalter bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts kaum Rechtsetzungsakte vorweisen . Nur Privilegien und Urteile, mithin personenbezogene Einzelakte schufen im wesentlichen das neue Recht . Erst mit der Herrschaft der Staufer seit Konrad III. vollzog sich eine Änderung hin zu einer moderneren, rationaleren Form der Rechtsetzung . Zwar war diese neue Entwicklungsstufe anfänglich noch in die überkommenen Formen eingebettet, dennoch gelang es Legisten und Kanonisten von der Mitte des 12. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts eine Gesetzgebungslehre zu entfalten, die einer rationalen, der modernen Gesetzgebung nahekommenden Rechtsetzung den Weg wies. Beispiele hierfür sind zum einen der Ronkalische Landfriede Friedrichs I. von 1158 (45) sowie die zunehmende Bedeutung schriftlich fixierten Rechts und zum anderen die Darstellung der kaiserlichen Machtposition im Reich durch Erzbischof Otbert von Mailand auf dem Reichstag zu Ronkalia : "Scias itaque omne ius populi in condendis legibus tibi concessum. Tua voluntas ius est, sicut dicitur: Quod principi placuit, legis habet vigorem, cum populus ei et in eum omne suum imperium et potestatem concesserit. Quodcumque enim imperator per epistolam constituerit vel cognoscens decreverit vel edicto preceperit, legem esse constat.(46)"

a. Die Gottesfriedensbewegung

Frühe Ansätze für ein "öffentliches" Strafrecht und die damit verbundene Rechtssetzung lassen sich bereits für die Merowinger- und Karolingerzeit nachweisen . Dabei fällt besonders die Zeit Karls des Großen auf, in der zahlreiche strafrechtliche Neuerungen in Kapitularien und Volksrechten Einzug hielt . Mit dem Niedergang der fränkischen Herrschaft verloren diese Rechtssätze an Bedeutung, während sich das Gewohnheitsrecht verstärkt in den Vordergrund drängte . Gegen Ende des 11. Jahrhunderts kam es im Reich zu erneuter Rechtssetzung im Rahmen der von Frankreich ausgehenden Gottesfriedensbewegung (47). Mit dem Schwinden der dortigen zentralen königlichen Gewalt begann die Fehdetätigkeit derart überhand zu nehmen, daß das Land von bürgerkriegsartigen Zuständen erschüttert wurde und zu großer Rechtsunsicherheit führte. Gezwungen durch den Zerfall des weltlichen Herrschaftssystems, bemühte sich die Kirche als zu dieser Zeit einzige gefestigte Instanz, den Gefahren entgegenzutreten, die sich nicht zuletzt auch für ihre Besitztümer ergaben. Die daraus erwachsende Gottesfriedensbewegung nahm nach allgemeiner Ansicht ihren Anfang mit dem Konzil von Charroux im Jahre 989, breitete sich über Frankreich aus und erreichte das ebenfalls von Fehden heimgesuchte Gebiet des Römisch-Deutschen Reiches im Jahre 1082 mit dem Lütticher Gottesfrieden . Unmittelbar nacheinander wurden dann Gottesfrieden für Köln (1083), Goslar (1084) und Bamberg (1085) beschworen. Mit dem Gottesfrieden zu Mainz, der 1085 in Gegenwart Kaiser Heinrichs IV. verkündet wurde, wurde ein Gottesfrieden erstmals für das gesamte Reichsgebiet beeidigt und für verbindlich erklärt (48). Anders als in Frankreich konnte sich die Gottesfriedensbewegung in Deutschland nur für einen kurzen Zeitraum halten. Ein wesentlicher Grund hierfür war, daß die deutschen Könige der Kirche die Friedensinitiative aus der Hand nahmen und erfolgreich die Gottesfriedens- in die Landfriedensbewegung überleiteten konnten. Trotzdem erlangten die Gottesfrieden in dieser Zeit eine eigenständige Bedeutung, denn mit dem Entstehen, der Ausbreitung und der Durchsetzung der Gottesfrieden durch die Allgemeinheit bildete sich ein neues Gemeinschaftsgefühl. Es gelang erstmals, in zeitlicher, persönlicher und örtlicher Hinsicht einen befriedeten gesellschaftlicher Binnenraum zu schaffen, in dem neue Formen sozialer Kooperation möglich waren . Damit wurde auch deutlich die bisher dominierende Genugtuung für das einzelne Individuum im Interesse einer am Frieden interessierten Allgemeinheit zurückgedrängt .

b. Die Landfriedensbewegung

Ab der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts lassen sich Landfrieden urkundlich belegen. Von Interesse sind hier zunächst die Provinziallandfrieden, von denen die ersten von Gegnern Heinrichs IV. initiiert wurden. Als Beispiele seien der Sächsische Provinziallandfriede von 1084, der schwäbische Provinziallandfrieden aus den Jahren 1093 und 1104 und der bayerische und elsässische Provinziallandfriede aus dem Jahre 1094 genannt (49). Erst 1103 ergriff Heinrich IV. die Friedensinitiative und verkündete in Mainz den ersten, auf die Dauer von fünf Jahren befristeten Reichslandfrieden (50). Aus der Regierungszeit Friedrichs I., in die zwei der Konflikte Wibalds mit den Grafen von Schwalenberg fallen, sind vier Landfrieden überliefert : der Ulmer Landfrieden von 1152 ("de pace tenenda") , der Roncalische Landfrieden (1158), der Rheinfränkische Landfrieden (1179) und der Friedebrief gegen die Brandstifter (1186) (51). Eines der wesentlichen Ziele der Landfriedensbewegung war die Einschränkung des Fehderechts. Nach dem Verfall des fränkischen Königtums wurden überlieferte Fehdeschranken von einem selbstherrlichen Ritteradel mehr und mehr mißachtet, so daß bereits kleinste, bußbewehrte Anlässe ausreichten zur Durchführung einer Fehde mit all ihren Auswüchsen. Wie bereits die Gottesfriedensbewegung wollte auch die Landfriedensbewegung unter dem Einfluß von christlichem Gedankengut die maßlose Fehdeführung in geregelte Bahnen lenken und dem Rittertum die neue Friedensidee nahebringen, um so das dort vorhandene Gewaltpotential für eigene Zwecke einzusetzen. Eine völlige Einschränkung jeglicher Fehdetätigkeit dürfte jedoch nicht von vornherein das Ziel der Landfrieden gewesen sein, dazu war die Fehdeführung als traditionell überliefertes, rechtmäßiges Mittel zur Rechtsdurchsetzung viel zu sehr im Gedankengut der damaligen Bevölkerung präsent. Es kam den Initiatoren der Landfriedensbewegung eher darauf an, unrechte Fehden durch ein umfassendes Regelwerk einzudämmen. Deutlich wird dies bei Betrachtung des Schutzbereiches der Landfrieden: regelmäßig handelte es sich um nicht waffenfähige Personen wie Bauern, Frauen oder Juden und um sakrale Orte wie Kirchen. Wer diese Personen oder Orte im Rahmen einer Fehde verletzte, mußte mit einer Sanktionierung seines Verhaltens rechnen. Bewaffnete Auseinandersetzungen zwischen Rittern zur Durchsetzung von Rechtsansprüchen sollten nicht von vornherein verhindert werden. Gernhuber führt dazu treffend aus, daß eine höhere Gewalt die Landfrieden als Spielregeln aufstellte, an denen sich Fehdeführende zu orientieren hatten und wo Regelverletzungen entsprechend sanktioniert wurden (52). Erst ab der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts sah man die Fehdeführung verstärkt als subsidiäres Rechtsmittel zur Klage vor Gericht an - unzulässig wurde sie dadurch aber nicht . Trotz dieser sich weit verbreitenden Friedensidee erreichten es die mittelalterlichen Herrschaftsträgern nicht, den öffentlichen Strafanspruch völlig durchzusetzen . Erst mit dem Ewigen Landfriede von 1495, der zugleich Höhepunkt und Ende der mittelalterlichen Friedensbewegung war, gelang das generelle Verbot der Fehde zugunsten eines geordneten Gerichstverfahrens (53). Die Bedeutung der Landfriedensbewegung für die generelle Rechtsentwicklung, die Gesetzgebung, die Herausbildung der territorialen Herrschaft und die Entstehung des modernen Staatswesens ist im einzelnen noch ungeklärt. Gewiß ist aber, daß sie erheblichen Einfluß auf die Entwicklung des Strafrechts hatte . Landfrieden sind als wichtigster Teil der mittelalterlichen Rechtsetzung anzusehen, sie wirkten sich tatbestandsbildend auf das Strafrecht aus und institutionalisierten das System der peinlichen Strafen . Dabei ist noch immer ungeklärt, wie der Begriff "Landfrieden" genau definiert werden kann (54). Im einzelnen kann hier auf die umfassende Problematik nicht eingegangen werden, da ansonsten der in dieser Arbeit gesteckte Rahmen gesprengt würde .

c. Strafziele im Hochmittelalter

Sinn und Zweck der in den Gottes- und insbesondere in Landfrieden angedrohten Strafen waren, verglichen mit der heutigen Zeit, differenziert. Soll die Strafe und der damit verbundene Strafvollzug heute im wesentlichen der Resozialisierung des Täters dienen, war neben dem Vergeltungsgedanke eine der wichtigsten Funktionen der mittelalterlichen Strafe die Wahrung des Friedens. Daneben spielte auch die Generalprävention eine Rolle (55). Im Unterschied zur bisherigen Bußpraxis, die einen Ausgleich zwischen den Parteien vorsah, sollten die ihm Rahmen der Friedensbewegung eingeführten Strafen einem durch eine Tat Verletzten zeigen, daß jetzt eine dritte Partei, die "öffentliche Gewalt", dem Täter das gleiche Übel auferlegte, das er selbst erlitten hatte. Prägend für die Entwicklung des Strafrechts im Mittelalter war zum einen die Ablösbarkeit insbesondere der peinlichen Strafe , zum anderen das Nebeneinander zwischen Strafe und Selbsthilfe (56). Gerade dieses Nebeneinander ist im Hinblick auf die Strafrechtsgeschichte von Interesse. Im wesentlichen scheint die "öffentliche" Gewalt noch bis in die Zeit der Merowinger in der Regel keinen Anlaß gesehen zu haben, sich in Fehden einzumischen. Dies war nur der Fall, wenn die andauernden Streitigkeiten derartige Ausmaße annahmen, daß die Grundlagen der Königsherrschaft gefährdet wurden (57). Dabei dürfte aber anstelle von strafrechtlichen Sanktionen der Gedanke im Vordergrund gestand haben, die bestehende Fehde zu beenden. Frühe Bemühungen, die Selbsthilfe zugunsten des Strafrechts zurückzudrängen, finden sich in der Karolingerzeit, auch wenn hier immer noch der Gedanke der Fehdebeilegung vorherrrschend war (58). Erste greifbare Ansätze zur Einschränkung des Fehdewesens mit strafrechtlichen Mitteln kamen mit der Friedensbewegung des 11. Jahrhunderts, insbesondere mit den Landfrieden auf. Herrschaftsträger taten sich zusammen, um gemeinsam den Versuch zu wagen, bestehende Fehden nicht nur zu beenden, sondern künftige Fehden von vornherein zu begrenzen. Dieses sollte zum einen durch die Androhung "öffentlicher" Strafen, und zum anderen durch die Aufforderung an die Betroffenen, statt der Fehde den Rechtsweg vor Gerichten zu beschreiten, sichergestellt werden . Gängige Sanktionen waren neben peinlichen Strafen auch Geld- und Verbannungsstrafen.

d. Mittelalterliches Gerichtswesen

Auf das Gerichtswesen in der Zeit zwischen dem 11. und dem 13. Jahrhundert soll an dieser Stelle nur kurz eingegangen werden, da hier vieles noch unerforscht ist und einer eingehenderen Behandlung bedarf, als an dieser Stelle erfolgen kann. Ein Vergleich des mittelalterlichen Gerichtswesens mit unserer heutigen Gerichtsbarkeit, insbesondere der modernen Gerichtsverfassung, ist nicht möglich. Es ist bisher noch nicht ausreichend geklärt worden, in welchem Verhältnis die einzelnen mittelalterlichen Gerichte zueinander standen, welche Kompetenzen sie jeweils hatten und welchen Einfluß die Gottes- und Landfriedensbewegung auf sie ausübte. Soweit die mittelalterliche Gerichtsverfassung noch auf karolingischen Grundlagen beruhte, standen für die Rechtsverfolgung die Hofgerichtsbarkeit und die niedere Gerichtsbarkeit zur Verfügung. Letztere wurde wahrgenommen von den Königsgerichten, Grafengerichten, Zehntgerichten, Immunitätsgerichten der Vogteien und den Lehnsgerichten. Von welchem dieser Gerichte Graf Widukind II. von Schwalenberg verurteilt wurde, kann nur vermutet werden. Möglicherweise handelte es sich um ein Verfahren vor dem Lehnsgericht, in dem Heinrich der Löwe als Lehnsherr der Grafen von Schwalenberg den Vorsitz führte. Dafür spricht, daß ein Bestandteil des Urteilsspruches der Entzug sämtlicher Lehen war, die der Welfenherzog dem Schwalenberger zugesprochen hatte.

3. Die Schwalenberger Konflikte

In die oben angestellten allgemeinen Überlegungen müssen die Auseinandersetzungen des Abtes Wibald von Stablo und Corvey mit den Grafen von Schwalenberg einbezogen werden, um die Frage klären zu können, ob in diesen Fällen bereits öffentliches Strafrecht zur Anwendung gekommen ist. Die Konflikte spielten sich im Zeitraum zwischen 1147 und 1157 ab, ein Zeitraum, der durch das Jahr 1152 eine Zäsur erfuhr durch die Thronbesteigung Friedrichs I. und die Verkündung seines Landfriedens "de pace tenenda". Im Hinblick darauf lassen sich zwei Konfliktarten bilden, die sich in drei Punkten voneinander unterscheiden: a) durch das angerufene Schutzsystem, b) durch einen Bedeutungswandel im Handeln hoheitlicher Organe und c) durch einen möglichen Einfluß des Landfriedens von 1152. Der ersten Art von Konflikten können die vor 1152 stattfindenden Fälle "Immenkhusen" und "Friedhof" zugeordnet werden, während die nach 1152 angesiedelten Fälle "Höxter" und "Stadtgraf" der zweiten Konfliktgruppe angehören.

a) Die angerufenen Schutzsysteme

Es wird deutlich, daß es Wibald und den Betroffenen in allen vier Konfliktfällen um einen wirksamen Schutz vor und gegen gewalttätige Übergriffe Dritter ging. In allen vier Konfliktfällen ist die klösterliche Immunität betroffen gewesen, deren Schutz an und für sich den Vögten oblag. Tatsächlich kam der Hochvogt des Klosters Corvey, Heinrich der Löwe, erst 1157 seiner Schutzfunktion dadurch nach, daß er Widukind II. von Schwalenberg zu einer Verbannungsstrafe verurteilte. Präventiven Schutz gegen derartige Übergriffe leisteten aber weder Heinrich der Löwe noch die übrigen Vögte des Klosters Corvey. Der bis 1152 amtierende Inhaber des Corveyer Hochvogtamtes, Hermann von Winzenburg, blieb gänzlich untätig, und die Corveyer Vizevögte waren sogar die Urheber des ganzen Übels. Vergleicht man die Reaktionen der Betroffenen auf die vier Konflikte, so ergeben sich zwischen den Fällen "Immenkhusen" und "Friedhof" auf der einen sowie "Höxter" und "Stadtgraf" auf der anderen Seite wesentliche Unterschiede. Während bei der ersten Konfliktgruppe Lösungen und Sanktionen allein im kirchlichen Bereich gesucht werden , verlagert sich die Reaktion der Betroffenen in der zweiten Konfliktgruppe deutlich in den Bereich der weltlichen Herrschaft (59). In dem Konflikt um den Überfall auf die Stadt Höxter wird der Diözesanbischof Bernhard von Paderborn von Wibald erst zu Maßnahmen gegen die Schwalenberger aufgefordert , nachdem zuvor Friedrich I. und Heinrich der Löwe um Unterstützung gebeten wurden. Dazu steht ein Schreiben an den mit Wibald befreundeten Erzbischof von Köln, Arnold II., nicht im Widerspruch . In diesem Schreiben geht es nämlich weniger um das Vorgehen gegen die Grafen von Schwalenberg als um Arnolds II. Beziehungen zu Friedrich I. Der frühere Kanzler Konrads III. soll die Rechtsangelegenheit Wibalds bei Friedrich I. zur Sprache bringen. Im Konflikt um die Ermordung des Stadtgrafen Dietrich von Höxter durch Widukind von Schwalenberg sind keinerlei Reaktionen von kirchlicher Seite dokumentiert. Bischof Bernhard von Paderborn wird lediglich als Mitwirkender bei dem Gerichtsverfahren Heinrichs des Löwen gegen Widukind erwähnt (60). Auffallend ist, daß Wibald in den Konflikten um die Stadt Höxter sowie den Stadtgrafen Dietrich vermehrt den am 4. März 1152 gekrönten Staufer Friedrich Barbarossa um Unterstützung anging. Das mag seine Ursache darin haben, daß an die Thronbesteigung Friedrichs I. ein allgemeiner Optimismus die Zukunft betreffend geknüpft wurde , denn man erwartete von dem König, daß er dem Reich den Frieden wiedergab, der ihm unter der Herrschaft Lothars von Supplinburg und Konrad III. scheinbar abhanden gekommen war . Dafür, daß auch Wibald von dieser Hoffnung auf Frieden und Recht angesteckt worden sein dürfte, spricht ein Schreiben an Friedrich I., in dem Wibald ausführte : "Sperabamus enim in tempore et maxime in primordiis imperii vestri, quem Deus mirabili et celeri potentia sua omnium principum summa et desiderabili coniventia in regni solium sublimavit. latronum manus esse compressas, furta vindicata, perfidiam eliminatam, quippe cum vestrae potentiae nulla possit nequitia obsistere (61)."

b. Wandel in der Bedeutung hoheitlichen Handelns

Zu trennen ist hier zunächst zwischen dem, was Abt Wibald als Sanktionsformen anstrebte und dem, was zur Konfliktlösung tatsächlich durchgeführt wurde. Hinsichtlich des ersten Punktes ergeben sich Auffälligkeiten in den von Wibald gebrauchten Begriffen und den in den Briefen angesprochenen Sanktionen. In den Konflikten um Immenkhusen und den Friedhof wurden kirchliche Stellen bemüht. Das von Wibald angestrebte Ziel war "restituere" und "satisfacere"(62) . Es handelt sich um Sanktionen, die von der Kirche mit Hilfe der Exkommunikation oder des Kirchenbannes durchgesetzt werden konnten. Die kirchliche Unterstützung bei der Sanktionierung strafwürdigen Verhaltens entsprach dem Ansatz der Gottesfriedensbewegung und rechtfertigte sich gegenüber notorischen Friedensbrechern, wie es sowohl Volkwin als auch Widukind II. von Schwalenberg waren. Eine in begrifflicher Hinsicht andere Situation begegnet uns bei den Konflikten um den Überfall auf Höxter und die Ermordung des Stadtgrafen Dietrich. Hier wurden Träger weltlicher Strafgewalt bemüht, die für das Kloster einen wirksamen Schutz mit weltlichen Mitteln erreichen sollten. Diese Veränderung wird auch hinsichtlich der von Wibald verwendeten Begriffe deutlich: Es trat neben anderen zwei wichtige neue Begriffe in den Vordergrund, nämlich "ulciscere" und "placare"(63) . Unterschiede ergeben sich auch hinsichtlich der Sanktionen. Wird in der ersten Konfliktgruppe nur davon berichtet, daß Sanktionen möglich sind, kommt es in der zweiten Konfliktgruppe auch zu einem Vollzug. Die hier angesprochenen Maßnahmen lassen sich untergliedern in unmittelbare und in mittelbare Reaktionen. Unmittelbare Reaktionen manifestierten sich gegenüber den Grafen von Schwalenberg: Widukind II. und Volkwin wurden von Friedrich I. vorgeladen, Heinrich der Löwe wurde aufgefordert, den Geschädigten Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Diese Maßnahmen konnten zumindest auf einen Entzug der Lehen hinauslaufen, eine Sanktion, die in Gottes- und Landfrieden oftmals für Friedensbruch angeordnet wurde (64). Neben diesen unmittelbaren Reaktionen gibt es auch solche, die sich nur mittelbar auf die Schwalenberger auswirkten. Als Beispiel sei die Aufforderung Friedrichs I. an die Bürger der Stadt Höxter genannt, die von den Schwalenbergern geforderte Geldbuße nicht zu entrichten sowie der Beschluß, die Stadtmauer von Höxter wieder aufbauen zu lassen. All diese Anordnungen stellen eine Form "öffentlicher" Machtausübung dar, sie sind ein Mittel "staatlicher" Steuerung. Durch diese Anordnungen sollten, so geht es aus einzelnen Briefen hervor, andere an der Begehung gleichartiger Taten gehindert werden . Trotz zahlreicher Gemeinsamkeiten gibt es hinsichtlich der Konflikte um die Stadt Höxter und die Ermordung des Stadtgrafen auch Unterschiede. Nach der Ermordung des Stadtgrafen Dietrich von Höxter wurde Widukind II. von Schwalenberg von Heinrich dem Löwen zu "satisfactio", "placatio" und zu einer Verbannungsstrafe verurteilt. Aus dem Brief Heinrichs des Löwen an Friedrich I. wird deutlich, daß Widukind II. diese Sanktionen beschworen, also damit das Urteil bekräftigt hatte (65). Die parallele Verpflichtung Widukinds zur Wiedergutmachung gegenüber den Angehörigen des Stadtgrafen und zur Verbannung läßt die Frage aufkommen, ob hier nicht bereits erste Ansätze für eine Unterscheidung zwischen zivil- und strafrechtlichen Folgen eines Deliktes anzutreffen sind . Offenbar hat sich in der Zeit zwischen dem Überfall auf die Stadt Höxter (1152) und die Ermordung des Stadtgrafen Dietrich (1156) auch das Bewußtsein für die Vollstreckung der jeweiligen Sanktion geändert . Wibald mahnt die Vollstreckung des Urteils bei dem für ihre Durchführung verantwortlichen Richter an. Das bedeutet, daß die Vollstreckung einer Strafe nicht mehr eine Angelegenheit des Verletzten ist, sondern einem Dritten obliegt. Gerade dieser Umstand kann einen ersten Schritt in Richtung eines "öffentlichen" Strafrechts darstellen. Auch die Zuständigkeiten haben sich zwischen dem Konflikt um die Stadt Höxter und die Ermordung des Stadtgrafen geändert. Greift Friedrich I. 1152 noch persönlich ein, so scheint er 1156 das Vorgehen gegen Widukind II. von Schwalenberg vollständig auf Heinrich den Löwen übertragen zu haben, der als Edelvogt des Klosters Corvey für dessen Schutz verantwortlich war.

c. Mögliche Auswirkungen des Landfriedens von 1152 auf die Schwalenberger Konflikte

Auffällig sind die bereits dargestellten Unterschiede zwischen den Reaktionen innerhalb der jeweiligen Konfliktgruppe. Das Jahr 1152 bildet eine solch prägnante Zäsur, daß sich die Frage stellt, ob der von Friedrich I. in diesem Jahr erlassene Landfriede "de pace tenenda" hierfür ursächlich war. Problematisch wird es bei dem Überfall auf die Stadt Höxter. Der Konflikt läßt sich datieren auf die Zeit zwischen Juni und Juli 1152. Friedrich I. verkündete seinen Landfrieden aber erst auf dem zwischen dem 25. Juli und dem 1. August 1152 stattfindenden Hoftag in Ulm. Mitursächlich für das Zustandekommens des Ulmer Landfriedens von 1152 war möglicherweise der Überfall der Schwalenberger auf Höxter, insbesondere in Hinblick auf die Regelung in Kap. 17, auf die noch näher eingegangen wird. Eine Berücksichtigung des Ulmer Landfriedens bei einer Bestrafung der Grafen von Schwalenberg zwischen August und November 1152 läßt sich jedoch ebensowenig aus den Quellen belegen wie die Bestrafung selbst. Ein anderes Bild könnte sich bei der Ermordung des Stadtgrafen Dietrich ergeben. Die Tat ereignete sich 1156, also etwa vier Jahre nach Verkündung des Ulmer Landfriedens und wurde 1157 sanktioniert. Voraussetzung ist, daß der Ulmer Landfriede fünf Jahre später als Rechtserkenntnisquelle noch Geltung entfaltete (66). Im Unterschied zu anderen Gottes- und Landfrieden finden sich im Landfrieden von 1152 keine eindeutigen Regelungen, die sowohl seinen Beginn wie auch sein Ende betreffen (67). Daraus läßt sich schwerlich eine Aussage über die von Friedrich I. intendierte Bestandsdauer des Landfriedens als Rechtserkenntnisquelle herleiten, so daß diese Frage anhand anderer Umstände zu beantworten ist. Dafür, daß ein Zeitraum von fünf Jahren einem Landfrieden nicht die Geltung als Rechtserkenntnisquelle nimmt, spricht eine Regelung des Ronkalischen Landfriedens von 1158. Dort heißt es in Kap. 1: "... et in fine uniuscuiusque quinquennii omnium sacramenta de predicta pace tenenda renoventur." Diese Regelung zeigt zum einen, daß neugeschaffenes Recht im Mittelalter nicht von dauerhafter Geltung war, sondern regelmäßig erneuert werden mußte (68). Zum anderen zeigt sie aber auch, daß eine Geltungsdauer von fünf Jahren ohne Erneuerung durchaus nicht ungewöhnlich war, so daß auch nach vier Jahren der Landfrieden von 1152 als rechtliche Bewertungsgrundlage noch nicht wieder in Vergessenheit geraten sein dürfte. Bei näherer Betrachtung fällt im Hinblick auf die Schwalenberger Konflikte ganz besonders Kap. 17 des Landfriedens von 1152 auf. Darin heißt es:

"Quicumque advocatiam suam vel aliquod aliud beneficium inornate tractaverit et a domino suo admonitus fuerit nec resipuerit et in sua perseverans insolentia ordine iudiciario tam advocatia quam beneficio exutus fuerit, si postmodum ausu temerario advoactiam vel beneficium invaserit, pro violatore pacis habeatur".

Dieses Kapitel erscheint geradezu als Reaktion Friedrichs I. auf die Vorfälle zwischen dem Kloster Corvey und den Grafen von Schwalenberg, insbesondere dem Überfall auf Höxter im Sommer des Jahres 1152. Wir erinnern uns: Die Grafen von Schwalenberg waren Vizevögte von Corvey, darüber hinaus waren sie Teilvögte des Gebietes der zu Corvey gehörenden Stadt Höxter. Damit Widukind II. von Schwalenberg wegen der Ermordung des Stadtgrafen Dietrich nach Kap. 17 als Friedensbrecher behandelt werden konnte, müßten ihm einerseits bereits wegen des Überfalls von 1152 seine Lehen entzogen worden sein und andererseits die Ermordung des Stadgrafen ein Racheakt für diesen Entzug gewesen sein. In der Literatur ist bisweilen diskutiert worden, ob Heinrich der Löwe den Schwalenbergern bereits zwischen August und November 1152 die Lehen bis auf die Burg Dasenberg entzogen hatte . Der Verlust der Burg Dasenberg wäre dann die konsequente Folge des Friedensbruches seitens Widukinds II. gewesen. Ob diese Vermutung den Tatsachen entspricht, ist angesichts der dürftigen Quellenlage fraglich, könnte aber im Hinblick auf den bereits erwähnten Beschluß der Laienfürsten auf dem Ulmer Hoftag als Möglichkeit in Betracht kommen (69). Wäre Kap. 17 des Ulmer Landfriedens gegenüber Widukind II. angewendet worden, so könnte der gesamte Konflikt um die Ermordung des Stadgrafen von Höxter nicht nur ein Beispiel für eine Anwendung von Landfriedensrecht in einem konkreten Fall sein, sondern auch ein Hinweis auf die Existenz von öffentlichem Strafrecht im 12. Jahrhundert sein. Abgesehen von der Regelung in Ziff. 17 finden sich in dem Landfrieden von 1152 keine weiteren Tatbestände und Rechtsfolgen, die speziell dem Schutz kirchlicher Einrichtungen und kirchlicher Würdenträger dienen sollen. Vielmehr wird von Friedrich I. auf bewährte Rechtsvorstellungen zurückgegriffen. So ist der Schutz von Geistlichen, kirchlichen Gebäuden und von Friedhöfen, der in dem Ulmer Landfrieden Eingang fand, bereits seit dem Kölner Gottesfrieden von 1083 und seit dem Bayerischen Provinziallandfrieden von 1094 regelmäßiger Bestandteil der Landfrieden (70). Eine Anwendung von Landfriedensrecht ist also erst im Konflikt um die Ermordung des Stadtgrafen von Höxter möglich. Nicht ungewöhnlich ist auch die Verbannung des Friedensbrechers Widukind II. Kap. 17 regelt diese Sanktion zwar nicht ausdrücklich, doch das bedeutete für das Mittelalter noch lange nicht, daß diese spezielle Rechtsfolge nicht gewählt werden durfte. Im 12. Jahrhundert gab es noch keinen untrennbaren Zusammenhang zwischen Tatbestand und Rechtsfolge, wie es heutzutage der allgemeine strafrechtliche Grundsatz "nulla poena sine lege" vorschreibt. Vielmehr konnte und durfte im 12. Jahrhundert der jeweilige Richter durch Anwendung von Ermessen nach Gerechtigkeit entscheiden, ob und wie gestraft werden sollte.

d. Spuren eines öffentlichen Strafrechts bei den Schwalenberger Konflikten

Gewiß werden wir bei Betrachtung der Konflikte zwischen Wibald und den Grafen von Schwalenberg nicht auf öffentliche Strafe stoßen, wie wir sie heute kennen. Dennoch lassen sich anhand der vier Fälle Entwicklungsschritte in Richtung auf ein öffentliches Strafrecht nachweisen. Kann in den beiden ersten Konflikten von öffentlicher Strafe noch nicht die Rede sein, so finden sich bereits in der Auseinandersetzung um die Stadt Höxter erste Hinweise für eine "öffentliche Aktion": Abt Wibald bittet den König, Repräsentant der Zentralgewalt im 12. Jahrhundert, um die Durchführung gerichtlicher Maßnahmen. Nicht mehr der Geschädigte selbst forderte also von dem Schädiger sein Recht ein, sondern ein Dritter, eigentlich Außenstehender sollte dies tun. Deutlichere Spuren öffentlicher Strafe zeigt die Bewältigung des vierten Konfliktes. Das mittelalterliche "Staatwesen", repräsentiert durch Herzog Heinrich den Löwen, verhängte nicht nur im Interesse der Verletzten sondern auch der Rechtsgemeinschaft Strafen gegenüber dem Rechtsbrecher Widukind von Schwalenberg. Dennoch müssen diese Schlußfolgerungen kritisch bewertet werden, denn einem eindeutigen Ergebnis stehen noch Probleme entgegen, die einer endgültigen Klärung bedürfen. Da ist zunächst die Quellenlage. Wir erfahren über die Konflikte lediglich etwas von Wibald bzw. von Personen, die er unter Schilderung seiner Sicht der Dinge um Hilfe gebeten hat. Es besteht die Möglichkeit, daß Wibald die Ereignisse colorandi causa dramatischer dargestellt hat als sie sich wirklich ereigneten. Über die Sichtweise der Schwalenberger erfahren wir nichts, wir können ihre Motive nur aus unserer heutigen Kenntnis von den Auseinandersetzungen zwischen Klöstern und ihren Vögten im 12. Jahrhundert beurteilen. Ferner begegnet uns die aus heutiger Sicht ineffektive Bekämpfung von Straftaten. Würden alle vier Fälle in der heutigen Zeit von der Staatsgewalt rigoros verfolgt werden, bietet sich im 12. Jahrhundert ein ganz anderes Bild. Diese Ineffektivität besteht aber nur scheinbar, denn es darf hier nicht mit modernen Normen Maß genommen werden. Das Strafsystem des Mittelalters forderte nämlich nicht eine öffentliche Sanktion und damit ein Gewaltmonopol um jeden Preis, sondern es ließ zur Einschränkung der Selbsthilfe auch solche Konfliktregelungen zu, die aus dem Anwendungsbereich der "staatlichen" Strafjustiz herausfielen (71). Ein weiterer, klärungsbedürftiger Punkt ist der Stellenwert der Gewalt im 12. Jahrhundert. Wir finden eine Gesellschaft vor, die weitaus gewaltbereiter war als unsere heutige, für die Gewaltanwendung oftmals politisch opportun war und die deshalb so manche Untat ungestraft ließ. Wir haben aber auch eine Gesellschaft vor uns, die mit der Gottes- und Landfriedensbewegung der Gewaltausübung deutliche Grenzen zu setzen suchte, und dies unter Umständen auch durch Einsatz traditionell vorhandener Mittel . Trotz der andersartigen Umstände des 12. Jahrhunderts kann als Fazit festgehalten werden, daß es zu dieser Zeit bereits rudimentäre "öffentliche Strafe" gegeben hat, die aber in ihrer Existenz von äußeren Umständen stark abhängig war. Entstanden ist sie zwar schon sehr viel früher und erlangte durch die Gottes- und Landfriedensbewegung einen bedeutenden Entwicklungsschub, im heutigen Sinne konnte sich "öffentliche Strafe" aber erst in dem Augenblick entfalten, in dem es dem Staat nach und nach gelang, das alleinige Strafmonopol auf sich zu übertragen und andere Konfliktlösungsmöglichkeiten in den Hintergrund zu drängen (72).



F u ß n o t e n


(1) Nach seinem Treffen mit Papst Innocenz II. auf dem Reichstag zu Lüttich belehnte Lothar III. Wibald am 13. April 1131 in der Abtei von Stablo mit den Regalien (vgl. Wilhelm Bernhardi, Lothar von Supplinburg, Jahrbücher der deutschen Geschichte, Berlin 1879, Nachdruck 1975, S. 366).

(2) Begründet wurden die Spannungen zwischenh Wibald und den Schwalenbergern offenbar durch einen Mißerfolg der Schwalenberger bei der Besetzung des Äbtissinnenamtes von Kemnade. Volkwin hatte versucht, seine Nichte Judith von Lara in das Amt einsetzen zu lassen, scheiterte aber nicht nur am Widerstand Wibalds, sondern auch an der Inkorporation des Klosters Kemnade in das Kloster Corvey; vgl. Franz-Josef Jakobi, Wibald von Stablo und Corvey (1098 - 1158), Benediktinischer Abt in der frühen Stauferzeit, Abhandlungen zur Corveyer Geschichtsschreibung Band 5, Münster 1979, S. 221 f.

(3) Franz-Josef Jakobi, Wibald von Stablo und Corvey, S. 213 - 215.

(4) Wilhelm Bernhardi, Konrad III., Jahrbücher der deutschen Geschichte, Berlin 1883, Nachdruck 1975, S. 795 f.

(5) MGH Dipl. 9, 221; Wilhelm Bernhardi, Konrad III., S. 795 f.

(6) Nach Ansicht von Friedhelm Forwick (Die staatsrechtliche Stellung der ehemaligen Grafen von Schwalenberg Veröffentlichungen der historischen Kommission Westfalens XXII, Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung Band 5, Münster 1963) standen den Grafen von Schwalenberg nicht nur die Vogteirechte über Corvey, sondern auch über das Hochstift Paderborn, das Kloster Abdinghof und über zahlreiche Klöster in der Region um Schwalenberg zu.

(7) Karl-Heinz Lange, Die Stellung der Grafen von Northeim in der Reichsgeschichte des 11. und frühen 12. Jahrhunderts, in: Niedersächsisches Jahrbuch für Landesgeschichte 33 (1961), S. 1 - 107.

(8) Philipp Jaffée (Hrsg.), Bibliotheca Rerum Germanicarum, Tomus Primus, Monumenta Corbeiensia, Neudruck der Ausgabe Berlin 1864, Aalen 1964, S. 167, No. 94, ep. 78.

(9) Philipp Jaffée, S. 325, No. 206, ep. 204.

(10) Philipp Jaffée, S. 384, No. 259, ep. 241.

(11) Wilhelm Bernhardi, Konrad III., S. 921: Hermann von Winzenburg wurde in der Nacht vom 29. auf den 30. Januar 1152 zusammen mit seiner Frau ermordet. Urheber des Anschlages waren seine Vasallen und Ministerialen des Bistum Hildesheim, unter ihnen Graf Heinrich von Bodenburg. Ursache für die Tat war die Verbitterung über Hermanns tyrannische Willkür.

(12) 13. Oktober 1152. In seiner Auseinandersetzung mit dem Askanier Albrecht dem Bären erhielt Heinrich der Löwe von Barbarossa die Besitzungen des Winzenburgers zugesprochen, während Albrecht der Bär das Erbe der Grafen von Plötzkau antrat; vgl. Henry Simonsfeld, Friedrich I., Jahrbücher der deutschen Geschichte, Neudruck der Ausgabe Berlin 1908, Berlin 1967, S. 128 f.

(13) Die Vererblichkeit der Vogtei kann seit 1116 belegt werden; vgl. bei Franz-Josef Jakobi, S. 221.

(14) Friedhelm Forwick, Die Vogtei der Grafen von Schwalenberg und die Corveyer Lehnshoheit über die Grafschaft Schwalenberg, in: Lippische Mitteilungen 36 (1967), S. 5 -17.

(15) Nach Karl Jordan (Heinrich der Löwe - eine Biographie, 2. Auflage, München 1995, S. 112), übten die Grafen von Schwalenberg die Vizevogtei für die Edelvögte aus. Grundlegend zu den Besitz- und Herrschaftsverhältnissen im mittelalterlichen Sachsen vgl. Lotte Hüttebräuker, Das Erbe Heinrichs des Löwen, Studien und Vorarbeiten zum historischen Atlas von Niedersachsen, Heft 9, 1927.

(16) Heinrich I. war von 1143 bis 1146 Abt des Klosters Corvey. Er wurde nach dem Tod seines Bruders Siegfried von Bomeneburg unter Beteiligung Wibalds von Kardinal Thomas etwa um den 21. März 1146 herum abgesetzt. Grund war der Vorwurf der Untauglichkeit, der Simonie und des Ungehorsams; Wilhelm Bernhardi, Konrad III., S. 489, und Philipp Jaffée, S. 231, No. 150, ep. 131. Judith war die Schwester des Abtes Heinrich. Ihre Absetzung als Äbtissin von Kemnade durch den Kemnader Untervogt Dietrich von Ricklingen erfolgte etwa gleichzeitig mit der ihres Bruders. Begründung für die Absetzung war ihr schlechter Lebenswandel; vgl. Wilhelm Bernhardi, Konrad III., S. 553 f.; Philipp Jaffée, S. 147 f., No. 72, ep. 60; Franz-Josef Jakobi, Wibald von Stablo und Corvey, S. 85 f.

(17) Wibald berichtet hierüber in einem Brief an den Erzbischof von Köln, vgl. bei Philipp Jaffée, S. 230 f., No. 149, ep. 126.

(18) Es existieren bereits frühere Editionen des Briefbuches. Im Jahre 1724 erschien in Frankreich eine erste, wenn auch unvollständige Ausgabe des Briefbuches, editiert von den Benediktinermönchen Martene und Durand. Diese Edition wurde von Migne 1890 erneut aufgelegt. Eine Neuedition des Briefbuches tut not, denn die Edition Jaffées ist trotz ihrer Qualitäten nicht ohne Fehler. Jaffée hat das Briefbuch in eine eigene chronologische Reihenfolge gebracht, er hat die Briefe z.T. mit falschen Daten versehen, außerdem hat er Dokumente übernommen, die das Original nicht enthielt.

(19) Philipp Jaffée, S. 166 f., No. 93, ep. 77 (Brief des Priors und des Konvents an Abt Wibald aus dem Frühjahr 1148). Den Vorfall kommentieren Friedhelm Forwick (Staatsrechtliche Stellung, S. 33 f.; Vogtei der Grafen von Schwalenberg, S. 8 f.), Franz-Josef Jakobi, Wibald von Stablo und Corvey, S. 115, 222.

(20) Mark darf hier nicht als Währungseinheit im Sinne unserer heutigen Deutschen Mark verstanden werden.Vielmehr handelt es sich bei "marca" um eine Gewichtseinheit von etwa 230 - 240 kg Silber. Ein verbindliches Normgewicht für die "Mark" wurde erst 1836/38 akzeptiert. Vgl. bei Karl Jordan, Heinrich der Löwe, S. 28; H. Witthöft, Stichwort "Mark", LexMA VI, Sp. 296 - 297.

(21) Philipp Jaffée, S. 167 f., No. 94, ep. 78.

(22) Philipp Jaffée, S. 387 ff., No. 261, ep. 243.

(23) Philipp Jaffée, S. 384, No. 259, ep. 241.

(24) Philipp Jaffée, S. 486 f., No. 355, ep. 332; Jaffée datiert das Schreiben auf den 9. Januar 1152. Den Vorfall kommentieren Wilhelm Bernhardi, Konrad III., S. 911; Friedhelm Forwick, Staatsrechtliche Stellung, S. 34; die Vogtei der Grafen von Schwalenberg, S. 10; Franz-Josef Jakobi, Wibald von Stablo und Corvey, S. 222; Karl Jordan, Heinrich der Löwe, S. 112 f.

(25) Philipp Jaffée, S. 515, No. 384, ep. 359.

(26) Philipp Jaffée, S. 515, No. 384, ep. 359 (Wibald an Barbarossa); S. 544, No. 406, ep. 360 (Wibald an Bischof Bernhard von Paderborn). Den Vorfall kommentieren Friedhelm Forwick, Staatsrechtliche Stellung, S. 34/35; Franz-Josef Jakobi, Wibald von Stablo und Corvey, S. 163, 222, 224; Karl Jordan, Heinrich der Löwe, S. 113; Henry Simonsfeld, Friedrich I., S. 111 f.

(27) "... nefandissima scelera in viros ac mulieres ..."; Philipp Jaffée, S. 515, No. 384, ep. 356.

(28) Philipp Jaffée, S. 515, No. 384, ep. 359: "(...) ducentas quinquaginta tres libras nummorum extorserunt". Der Begriff "Pfund" bedeutet hier eine Münzeinheit, eine seit dem 7. Jahrhundert verwendete Zähleinheit für Silbermünzen. Seit dem 11. Jahrhundert trat parallel zum Pfund auch die Mark als Recheneinheit auf; zu weiteren Einzelheiten vgl. P. Berghaus, Stichwort "Pfund", LexMA VI, Sp. 2051.

(29) Philipp Jaffée, S. 515, No. 384, ep. 359.

(30) Philipp Jaffée, S. 517, No. 385, ep. 361.

(31) MGH Dipl. X, 1, Nr. 21; Philipp Jaffée, S. 520, No. 388, ep. 366.

(32) MGH Dipl. X, 1, Nr. 23; Philipp Jaffée, S. 521, No. 390, ep. 368.

(33) Philipp Jaffée, S. 544, No. 406, ep. 360.

(34) Von diesem Fürstenbeschluß erfahren wir lediglich aus einer Beschwerde des Papstes gegenüber Wibald (Philipp Jaffée, S. 537, No. 403, ep. 383).

(35) Den Konflikt kommentiert Friedhelm Forwick (Staatsrechtliche Stellung, S. 35 f.).

(36) Philipp Jaffée, S. 577 f., No. 446, ep. 412.

(37) Philipp Jaffée, S. 595, No. 462, ep. 425.

(38) Philipp Jaffée, S. 595, No. 462, ep. 425: "Castrum meum Dasenberch, remota omni conditione vel verbo gratiae, recepi; sicque sis, qui prius beneficia sua beneficiali iure a me perdidit, hoc quoque dimisit".

(39) Vgl zu dieser Problematik Dietmar Willoweit, Unrechtsfolgen in Hof- und Dienstrechten des 11. und 12. Jahrhunderts, in: Norbert Brieskorn/Paul Mikat/Dietmar Willoweit (Hrsg.), Vom mittelalterlichen Recht zur neuzeitlichen Rechtswissenschaft, Paderborn u.a. 1994, S. 109 - 127.

(40) Literatur zur Entstehung der öffentlichen Strafe: Dietmar Willoweit, Die Sanktionen für Friedensbruch im Kölner Gottesfrieden von 1083, in: Ellen Schlüchter/Klaus Laubenthal (Hrsg.), Recht und Kriminalität, Festschrift für Friedrich-Wilhelm Krause, Köln u.a. 1990, S. 37 - 52; Karl-Sigfried Bader, Zum Unrechtsausgleich und zur Strafe im Frühmittelalter, in: ZRG (GA) 112 (1995), S. 1 - 63; Hermann Nehlsen, Entstehung des öffentlichen Strafrechts bei den germanischen Stämmen, in: Karl Kroeschell (Hrsg.), Gerichtslauben-Vorträge, Freiburger Festkolloquium zum 75. Geburtstag von Hans Thieme, Sigmaringen 1983, S. 3 - 16; Jürgen Weitzel, Strafe und Strafverfahren in der Merowingerzeit, in: ZRG (GA) 111 (1994), S. 66 - 147; Elmar Wadle, Die Entstehung der öffentlichen Strafe, in: Heike Jung/Heinz Müller-Dietz/Ulfried Neumann (Hrsg.), Perspektiven der Strafrechtsentwicklung, Baden Baden 1996, S. 9 - 30; Helmut Martin, Verbrechen und Strafe in der spätmittelalterlichen Chronik Nürnbergs, Köln u.a. 1996.

(41) Heinz Holzhauer unterscheidet in seiner Drei-Bereiche-Lehre zwischen dem kephalen Bereich (Zentralgewalt), dem innersegmentären Bereich (Familie, Verwandtschaft) und dem intersegmentären Bereich (Beziehungen zwischen verschiedenen Familien und Verwandtschaften); vgl. bei Heinz Holzhauer, Zum Strafgedanken im Mittelalter, in: Stephan Buchholz/Paul Mikat/Dieter Werkmüller (Hrsg.), Überlieferung, Bewahrung und Gestaltung in der rechtsgeschichtlichen Forschung, Paderborn u.a. 1993, S. 179 - 197.

(42) Jürgen Weitzel, Strafe und Strafverfahren, S. 66.

(43) Der Begriff "innersegmentärer Bereich" mag hier als Synonym für den Begriff "Sippe" stehen, also den Binnenbereich eines fest umrissenen, durch verwandtschaftliche Beziehungen verbundenen Personenverbandes. Der Begriff "Sippe" ist modern und dem Mittelalter fremd, soll deshalb auch nicht verwendet werden. Zur Sippe vgl. auch Karl Kroeschell, Die Sippe im germanischen Recht, in: ZRG (GA), 77 (1960), S. 1 - 25.

(44) Joachim Gernhuber, Die Landfriedensbewegung in Deutschland bis zum Mainzer Reichslandfrieden von 1235, Bonn 1952, S. 6.

(45) Dort heißt es in Kapitel 1: "Hac edictali lege in perpetuum valitura iubemus, ut omnes nostro subiecti imperio veram et perpetuam pacem inter se observent, et ut inviolatum inter omnes fedus perpetuo servetur".

(46) Franz-Josef Schmale (Hrsg.), Ottonis Episcopis Frisingensis et Rahewini, Gesta Frederici seu recte Cronica (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Freiherr vom Stein - Gedächtnisausgabe, Band XVI), Darmstadt 1974, Gesta IV c. 5.

(47) Grundlegend hierzu der umfassende Beitrag von Hartmut Hoffmann, Gottesfriede und Treuga Dei (= Schriften der Mounmenta Germaniae historica, Band 20), Stuttgart 1964. Zur frühen Friedensbewegung vgl. auch: Theodor Körner, Iuramentum und frühe Friedensbewegung, Münchener Universitätsschriften, Band 26, Berlin 1978.

(48) Joachim Gernhuber, Die Landfriedensbewegung in Deutschland, S. 43. Allgemeine Verbindlichkeit für die gesamte christliche Welt erhielten die Gottesfrieden auf den Lateransynoden der Jahre 1123, 1139 und 1179.

(49) Elmar Wadle, Frühe deutsche Landfrieden, in: Hubert Mordek (Hrsg.), Überlieferung und Geltung normativer Texte des frühen und hohen Mittelalters (=Quellen und Forschungen zum Recht im Mittelalter, Band 4), Sigmaringen 1986, S. 71 - 92.

(50) Die Urkunde zu diesem Frieden ist nicht erhalten geblieben. Unsere Kenntnis von seinem wesentlichen Inhalt fußt auf einem privaten Bericht (MGH Const. I 74, S. 125 f.). Außerdem fand er starken Widerhall in der damaligen Geschichtsschreibung. Zu diesem Frieden und seiner Bedeutung: Joachim Gernhuber, Die Landfriedensbewegung in Deutschland, S. 81; Elmar Wadle, Heinrich IV. und die deutsche Friedensbewegung, in: Josef Fleckenstein (Hrsg.), Investiturstreit und Reichsverfassung (= Vorträge und Forschungen XVII), Sigmaringen 1973, S. 141 - 173.

(51) Der Friedebrief gegen die Brandstifer ist einer der ganz wenigen Frieden des 12. Jahrhunderts, dessen Bezeichnung noch aus dieser Zeit überliefert ist. Die Mehrzahl der Land- und auch Gottesfrieden erhielten ihre Namen erst im 19. oder 20. Jahrhundert. Der Chronist Burchard von Ursberg schreibt in seinem Chronicon: "Eo anno (1186, d. V.) Fridericus imperator iam cruce signatus conventum pirincipum apud Nurimberg coadunavit, ubi de pace terre disposuit et in litteras redigi iussit, quas litteras Alamanni usque in presens "fridebrief", id est litteras pacis, vocant nec aliis legibus utuntur".

(52) Joachim Gernhuber, Die Landfriedensbewegung in Deutschland, S. 36.

(53) Elmar Wadle, Der Ewige Landfriede von 1495 und das Ende der mittelalterlichen Friedensbewegung, in: 1495 - Kaiser, Reich, Reform - Der Reichstag zu Worms (Katalog zur Ausstellung des Landeshauptarchivs Koblenz in Verbindung mit der Stadt Worms), Koblenz 1995, S. 71 - 80.

(54) Rudolf His definierte Landfrieden beispielsweise als eine durch weltliches Gesetz oder durch Einung bewirkte Festsetzung außerordentlicher Normen zur Bekämpfung oder Einschränkung der Ritterfehde und zur Unterdrückung von Raub und anderen Verbrechen, die als Störung der allgemeinen Sicherheit erscheinen (Rudolf His, Das Strafrecht des deutschen Mittelalters, Erster Teil - Die Verbrechen und ihre Folgen im allgemeinen, Leipzig 1920, S. 7 f.

(55) Wolfgang Sellert/Hinrich Rüping, Studien- und Quellenbuch zur Geschichte der deutschen Strafrechtspflege, Band 1, Aalen 1989, S. 106: Ziel der Generalprävention war es, den Täter unschädlich zu machen und andere an der Begehung gleichartiger Taten zu hindern.

(56) Ekkehard Kaufmann, "Strafe, Strafrecht", HRG IV, Sp. 2014, spricht von "Austauschbarkeit der Sanktionen" bzw. von Zweispurigkeit des Strafrechts. Grundsätzlich gilt: "Der Arme hängt, der Reiche zahlt". Ein die Verbannung betreffendes Beispiel findet sich in Kap. 5 des Roncalischen Landfriedens: "Qui vero ad predictam penam persolvandam inopia dinoscitur laborare, sui corporis cohercionem cum verberibus patiatur et procul ab eo loco, quem inhabitat, quinquaginta militaria per quinquennium vitam agat".

(57) Beispiele für ein "öffentliches" Strafrecht in der Merowingerzeit finden sich bei Jürgen Weitzel, Strafe und Strafverfahren; Ekkehard Kaufmann, "Strafe, Strafrecht", HRG IV, Sp. 2012, weist auf eine Passage bei Gregor von Tours hin, in der davon berichtet wird, daß Königin Fredegunde jemanden totschlagen ließ, der ihrem Friedensgebot nicht nachkam.

(58) MG. Cap. I Nr. 105: Wer sich nicht beugen will, wird als Feind des Königs angesehen ("nobis et populo nostro incimus"). Besondere Bedeutung ist dem Wort "incimus" beizumessen: ein notorischer Friedensbrecher wird zum Feind des Königs erklärt, was den König wiederum berechtigt, als Partei gegen ihn fehderechtlich vorzugehen. Dieser Zustand ist mit einem öffentlichen Strafrecht nicht vergleichbar.

(59) Möglicherweise hat Wibald in den ersten beiden Konflikten auch den weltlichen Bereich um Hilfe gebeten, aus den Briefen läßt sich hierzu aber nichts ableiten. Dem Briefbuch nach sollten der Papst und der zuständige Diözesanbischof Bernhard von Paderborn eingreifen.

(60) Philipp Jaffée, S. 595, No. 462, ep. 425: "Serenitati vestrae significo, quod Widikino de Sualenberch forefacta sua remisimus sub hac penitentia, consilio et petitione domni Patherburnensis episcopi et fratris sui Folwini nec non aliorum amicorum suorum, in placito, quod Corbeia in rogationibus habui: ..."

(61) Philipp Jaffée, S. 515 f., No. 384, ep. 359.

(62) "restituere" bedeutet "wiedergutmachen", "ersetzen"; "satisfacere" bedeutet hier "sich entschuldigen". Das Wort kann auch "strafen" bedeuten, doch dürfte es von Wibald nicht in diesem Sinne verstanden worden sein, da es stets in Schreiben an kirchliche Würdenträger auftaucht und eher im Zusammenhang mit einer kirchlichen Sanktion zu sehen ist.

(63) "ulciscere" bedeutet "etwas rächen"; "placare" bedeutet "besänftigen", "versöhnen". Das Wort "satisfacere" dürfte hier, im Unterschied zu den ersten beiden Fällen und im Zusammenhang mit den beiden anderen Worten "strafen" bedeuten.

(64) Vgl. statt vieler Kap. 6 des Kölner Gottesfriedens von 1083 oder den Mainzer Kaiserlichen Landfriede von 1103 ("Si quis effugerit hoc iudicium, beneficium si habet, dominus sibi auferat, patrimonium cognati sui illi auferant").

(65) Philipp Jaffée, S. 595, No. 462, ep. 425: "... quod Widikino de Sualenberch forefacta sua remisimus sub hac penitentia, ..."

(66) Geltung darf dabei nicht im heutigen Sinne verstanden werden. Landfrieden "galten" nie in der Weise wie heute das StGB oder das BGB, sondern sie waren in einer von einer "oralen Rechtskultur" geprägten Epoche wohl als Rechtserkenntnisquellen bzw. Richtschnüre zu verstehen, auf die in konkreten Fällen zurückgegriffen werden konnte, aber nicht mußte. Man kann daher auch davon sprechen, daß ein Landfrieden in der Vorstellung der Richter noch präsent gewesen sein muß.

(67) Allenfalls in Kap. 1 und 3 könnten sich Hinweise auf eine zeitliche, räumliche oder persönliche Geltung finden: "Si quis hominem infra pacem constitutam occiderit ..." (Kap. 1) und "Si quis alium infra pacis edictum vulneraverit ..." (Kap. 3).

(68) Hermann Krause, Dauer und Vergänglichkeit im mittelalterlichen Recht, ZRG (GA) 75 (1958), S. 206 - 251.

(69) Vgl. bei Philipp Jaffée, S. 537, No. 403, ep. 383.

(70) Joachim Gernhuber, Die Landfriedensbewegung in Deutschland, S. 204 ff.

(71) Als solche sind besonders hervorzuheben das Schiedsverfahren, Richten nach Gnade und kirchenrechtliche Verfahren.

(72) Jürgen Weitzel hat bereits für die Merowingerzeit öffentliches Strafrecht nachgewiesen, vgl. bei "Strafe und Strafverfahren in der Merowingerzeit". Nach Ansicht von Elmar Wadle (Die Entstehung der öffentlichen Strafe, S. 28) dürfte es bereits um das Jahr 900 öffentliche Strafe gegeben haben.


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