Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

(http://www.jura.uni-sb.de/projekte/Bibliothek)



Elmar Wadle

Urheberrecht im Horizont historischer Disziplinen




I.     II.     III.     IV.     V.



I.

Im September 1986 trafen sich, eingeladen von Clausdieter Schott und Manfred Rehbinder, Rechtshistoriker und Urheberrechtler im schweizerischen Murten zu einem wissenschaftlichen Kolloquium zu Ehren des gerade achtzigjährigen Hans Thieme, der sich zeitlebens für beide Disziplinen, die Rechtsgeschichte wie das Urheberrecht, interessiert hat. Die Teilnehmer der Tagung in Murten fanden Gefallen an der gemeinsamen Pflege der Urheberrechtsgeschichte und trafen sich fortan regelmäßig in jedem zweiten Jahr, um das Gespräch über die Fächergrenzen hinweg fortzusetzen(1). In anderen Disziplinen aufgewachsene Interessenten waren anfänglich eher spärlich, später etwas zahlreicher vertreten. Es entwickelte sich ein kleines fachübergreifendes Gesprächsforum.

Daß es gelungen ist, den Arbeitskreis zu erhalten und zu erweitern, kann nur den verwundern, der nicht die Vielfalt der Aspekte bedenkt, die das Urheberrecht und seine Geschichte geprägt haben und bis zum heutigen Tage prägen. Urheberrecht ist aufs engste verwoben mit der Kulturgeschichte der letzten 200 Jahre und reicht mit seinen Vorstufen und einzelnen seiner Elemente noch viel weiter in die Geschichte zurück(2). Die Gründe lassen sich knapp benennen: Alle Erscheinungen menschlicher Kultur werfen die Fragen nach ihrem Schöpfer auf; mag in der Frühzeit die Zuordnung zu Gruppen, Gemeinschaften, Personen, Verbänden oder Kollektiven überwiegen, seit der Entdeckung des Individuums ist man sich der Möglichkeiten persönlicher Schaffenskraft bewußt: Der Dichter, Maler, Bildhauer oder Architekt, der Autor eben, wird zum Thema, die Beziehungen zwischen dem Schöpfer und seinem Werk und (natürlich) auch zum Kreis der Kulturverwerter und -verbraucher werden zum Gegenstand jedweder kulturgeschichtlicher Disziplin. Die rechtlichen Aspekte dieser Beziehung mögen bisweilen in den Hintergrund treten, vorhanden sind sie immer. Letztlich kommt keine Disziplin, die sich mit zentralen Erscheinungen der Kulturgeschichte der europäischen Moderne befaßt, um das Urheberrecht herum. Ein summarischer Blick auf die verschiedensten Forschungsfelder mag diese These erhärten.



II.

Zu einer ersten Gruppe lassen sich jene Disziplinen gruppieren, die ihr Hauptaugenmerk auf die Werke selbst richten, also auf Werke der Literatur und Wissenschaft, der bildenden Künste und der Architektur, der Musik und der Tanzkunst - um nur die wichtigsten zu nennen.

Wissenschafts- wie Literaturgeschichte haben immer den Wissenschaftler und den Autor im Blick, und wenn es um die Wirkung ihrer Produkte geht, auch die Verwerter und Verbraucher. Die prägende Kraft des Urhebers steht vielfach im Mittelpunkt der Überlegungen. Daß Darstellungen zur Geschichte der neueren Literatur so verfahren, braucht kaum hervorgehoben zu werden. Dafür gibt es unzählige Beispiele, namentlich zu den Dichtern der Klassik. Als Beleg mag hier ein Hinweis auf jene Untersuchungen genügen, die mit dem Werk Johann Wolfgang Goethes zugleich Aspekte um Nachdruck und geistiges Eigentum ansprechen(3).

Auch ältere Literatur wird häufig im spezifischen Blick auf Autoren und Publikum erörtert. Als Beispiel für diese Betrachtungsweise und ihre Nähe zu jener der Urheberrechtler sei ein Sammelband zur mittelalterlichen Literatur erwähnt, auf den jüngst Ludwig Gieseke aufmerksam gemacht hat(4). Schließlich sei noch festgehalten, daß schon die klassische Literatur Probleme um Plagiate und Plagiatoren kannte und damit dem Urheberrecht nahestehende Phänomene zur Sprache gebracht hat(5).

Nicht weniger deutlich stehen Werk und Autor im Blickfeld der Kunstgeschichte. Persönlicher Stil und Schulenbildung, künstlerische Erfindungskraft, Kunstlandschaften und Rezeptionsvorgänge über größere Distanzen sind Dauerthemen kunstgeschichtlicher Betrachtung. Schon früh galt als ausgemacht, daß Autorstolz und -bewußtsein in der Künstlerwelt seit Renaissance und Humanismus besonders ausgeprägt sind. In der deutschen Literatur(6) wird insoweit immer wieder gern auf Albrecht Dürer verwiesen(7), aber auch auf die große Epoche der niederländischen Malerei und insbesondere deren Geschäftspraxis(8). Gleichzeitig glaubte man, den vorausgehenden Zeiten das Streben nach Originalität und Betonung individueller Schöpferkraft eher absprechen zu müssen, weil das künstlerische Gestalten stark in kollektive Gebilde wie Familien oder Ordensgemeinschaften, Gilden oder Zünfte eingebunden, mithin weithin anonym geblieben sei. Diese Sicht dürfte sich aufgrund neuerer Forschungen über Kunst und Kunsthandwerk im Mittelalter als revisionsbedürftig erwiesen haben. Dafür steht nicht allein die (Wieder-)Entdeckung der Protorenaissance; dafür sprechen auch neuere Untersuchungen über Buchschreiber und -maler, über Glasmaler, Goldschmiede, Bronzegießer und Steinmetze und ihre mit stolzen Hinweisen auf die Autorschaft versehenen Werke(9).

Die Musikgeschichte schließlich hat schon immer die stil- und modeprägende Kraft einzelner Komponisten beschrieben. Zahlreiche ältere Untersuchungen belegen, daß schon frühe Autoren ein beachtliches Urheberbewußtsein ausgebildet haben(10). Neuerdings werden auch Querverbindungen zwischen der rechtlichen Entfaltung des Urhebergedankens und den Anfängen musiktheoretischer Reflexion besser erkannt(11). Wie sehr Urheberrecht und Musikgeschichte miteinander verwoben sein können, zeigt etwa die überragende Gestalt eines Richard Strauß und seine Verdienste um die Anfänge der musikalischen Verwertungsgesellschaften(12).

Blickt man auf die "werkorientierten" Disziplinen insgesamt, so bleibt trotz aller "Vorstufen" und "Frühformen" unverkennbar, daß das künstlerische Schaffen seit der "Sattelzeit" um 1800, also seit der vom Wandel der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse getragenen "Geburt der Moderne", in einen neuen Bezug zum Recht des Autors getreten ist, da das moderne Urheberrecht gerade in der Zeit dieses Wandlungsprozesses konzipiert worden ist. Was sich in der Epoche der in "Gilden" eingebundenen Künstler nur ansatzweise und in der Zeit der "Hofkünstler" und des "Honorars" schon besser entfalten konnte, wird nun im Zeitalter der selbständigen Literaten und Künstler zur Grundlage der eigenen Existenz: Das sich entwickelnde "geistige Eigentum" bildet die unverzichtbare Basis eines jeden "freien Künstlers"(13).



III.

Mit diesem Hinweis sind zunächst jene Disziplinen angesprochen, die sich den technischen Bedingungen der Realisierung von Werken, aber auch ihrer Verwertung und ihrer Rezeptionsmöglichkeit zuwenden.

In historischer Perspektive sind damit vor allem die Erfindung des Buchdrucks selbst und das Aufkommen neuer maschineller Druckverfahren, aber auch technische Neuerungen im Bereich der graphischen Künste und des Notendrucks angesprochen. In jüngerer Zeit hat sich das Blickfeld zur Mediengeschichte und zur Geschichte der Kommunikationsmittel ausgeweitet(14).

Die Bedeutung von Gutenbergs "Kunst" war schon immer im historischen Bewußtsein verankert; im Jubiläumsjahr 2000 aus Anlaß des 600. Geburtstages Gutenbergs haben neuere Publikationen und Ausstellungen die "erste Medienrevolution" gebührend in Erinnerung gerufen(15). Auch andere technische Bedingungen für den Siegeszug des Buchdruckes, so insbesondere die fabrikmäßige Herstellung geeigneten Papiers hat man immer wieder hervorgehoben(16).

Die Erfindung Gutenbergs hat vielfache Konsequenzen für die rechtshistorische Betrachtung. Da jeder Druck durch Nachdruck gefährdet ist, steht der Kampf gegen diese Praxis im Zentrum der rechtlichen Bewertung. Der ursprünglich rein technische Vorgang prägt sogar die Sprache des Rechts, das sowohl in Privilegien wie in späteren Verbotsgesetzen zumeist die Formel "Nachdruck" verwendet. Und auch später, als man nicht mehr nur das wirtschaftliche Risiko des Druckers und damit die Interessen des Verlegers im Blick hatte, sondern auch die Interessen des Autors als solche erkannte, hielt man längere Zeit am Begriff "Nachdruck" fest, um alle urheberrechtswidrigen Verhaltensweisen zu bezeichnen; das deutsche Recht nahm erst im ausgehenden 19. Jahrhundert von dieser Sprechgewohnheit Abschied(17).

Technische Fortschritte haben nicht nur das Buch- und Pressewesen der Neuzeit ermöglicht, sondern ließen zugleich neue Werkkategorien entstehen oder vermehrten doch deren Vielfältigkeit. Hier ist einerseits an die Geschichte von Foto und Film zu denken, andererseits an die breite Auswirkung der Lithographie auf die graphische Kunst, auf den Notendruck und die Vervielfältigung von Texten schlechthin. Mit weiteren Stichworten wie "Stahlstich", "Rundfunk", "Fernsehen" seien spätere Entwicklungen nur angedeutet, die mit den elektronischen Kommunikationsmitteln eine so erstaunliche Verstärkung gefunden haben, daß man in unseren Tagen geradezu von einer "zweiten Medienrevolution" sprechen kann(18).



IV.

Ähnlich tiefgreifende Auswirkungen wie die technische Entwicklung haben die wirtschaftlichen und politischen Veränderungen gezeitigt, denen sich entsprechende Disziplinen verpflichtet fühlen. Standen bei ökonomie-historischen Forschungen zur älteren Zeit die tatsächliche Verbreitung der neuen Kunst in ganz Europa im Vordergrund, so kamen später mehr und mehr andere Aspekte in den Blick, so das Verhältnis von Drucker und Verleger, die wirtschaftlichen und sozialen Arbeitsbedingungen beider Gruppen, der Buchvertrieb und die Messen in Frankfurt und Leipzig, der Wechsel vom Börsentausch zum Nettohandel, die Organisation der Buchverleger und der Buchhändler. Das Erstarken der Position des Urhebers im Zuge der Fortentwicklung des rechtlichen Schutzes war nicht weniger folgenreich: Es kommt zu frühen, meist gescheiterten Versuchen mit dem Selbstverlag; später entstehen Formen kollektiver Wahrnehmung von Urheberrechten durch Rechtsvermittler, insbesondere die Verwertungsgesellschaften unterschiedlichen Zuschnitts(19).

Ein knapper Abriß der Entwicklung mag verdeutlichen, warum dieses Geschehen in das Blickfeld der wirtschafts- und politikgeschichtlichen Betrachtung geraten mußte. Das allgegenwärtige Problem des "Nachdrucks" warf, da man nach rechtlicher Abhilfe suchte, nicht nur ökonomische, sondern auch zentrale politische Fragen auf. Die über Jahrhunderte übliche Privilegierung ging von Anfang an Hand in Hand mit der Frage nach Kontrolle und Zensur Erst als mit Hilfe der Idee vom "geistigen Eigentum" der Ausbau der Nachdruckverbote zum eigenständigen Schutzsystem gelangte, konnte der Zusammenhang mit Aufsicht und Zensur gelöst werden: In Deutschland etwa standen seit den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts privatrechtlich organisiertes Urheberrecht und als polizeiliche Maßnahme interpretierte Aufsicht und Zensur getrennt nebeneinander(20).. Nur diese strenge Abschichtung erlaubte den bruchlosen Übergang des Urheberrechts in ein durch Gewerbefreiheit geprägtes modernes Wirtschaftssystem.

Diese Abfolge mag plausibel machen, warum sich Zensur- und Pressegeschichte, Verlags- und Vertriebsgeschichte der allgemeinen politischen Entwicklung und der wirtschaftlichen Ordnung zuwenden mußten; sie mußten zwangsläufig Gegenstand auch der politik- und verfassungsgeschichtlichen Forschung werden(21).

Die gegenwärtige Debatte von Reichweite und Grenzen des Urheberrechts im heraufziehenden Zeitalter der "neuen Medien" zeigt, daß dies noch immer so ist(22). Verstärkt werden diese besonderen Bedingungen des Urheberrechts durch Phänomene, für die hier die Schlagworte "Industrialisierung", "Europäisierung" und "Globalisierung" stehen mögen. Die seit einigen Jahren begonnene, mittlerweile auch ein breiteres Publikum erreichende Forderung nach Freiheit und Unbeschränktheit der elektronischen Medienwelt hat nicht nur Zensur und Kontrolle in Frage gestellt, sondern auch das Urheberrecht selbst, vielleicht sogar das Recht überhaupt(23).

Solche Visionen müssen nicht nur bei Juristen, sondern auch bei jedem verantwortlich handelnden Politiker auf Unverständnis stoßen, wissen sie doch, daß es neben der Freiheit des Austausches und der Kommunikation noch andere zentrale Werte des menschlichen Kulturlebens gibt, etwa den Schutz der Menschenwürde und der Persönlichkeitsrechte. Allerdings mag es zutreffen, daß die bisherigen Ausprägungen des Schutzes und seine Instrumentarien den Bedingungen der neuen "Cyberwelt" nicht mehr gerecht werden können. Hier wird man neue, die nationalstaatliche Gesetzgebung überformende Rechtsgrundsätze und -strukturen entwickeln müssen.

Für das Urheberrecht gilt dasselbe. Die Kreativität einzelner Menschen soll andere bereichern und anregen, sie muß aber zugleich rechtlich umhegt werden, soll sie erhalten bleiben. Eine empfindliche Quelle muß man pflegen, soll sie zum Nutzen aller weiter sprudeln. Über die Einzelheiten dieser Umhegung, und ihre Reichweite mag man streiten, nicht aber über ihre grundsätzliche Notwendigkeit.



V.

Wie jede historische Disziplin mündet auch die Geschichte des Urheberrechts in die Gegenwart. Als Teil der Rechtsgeschichte ist die Entwicklung des Urheberrechts - und man darf hinzufügen: auch der übrigen, mit "geistigem Eigentum" gemeinten Rechtsgebiete - von den eigenen Fachvertretern zunächst nicht recht wahrgenommen worden; jedenfalls gilt sie noch nicht als selbstverständlicher Teil der Themenkataloge rechtshistorischer Gesamtdarstellungen(24). Andererseits kann dankbar registriert werden, daß viele Vertreter der aktuellrechtlichen Disziplin Urheberrecht erkannt haben, wie nützlich es sei kann, die historische Genese dieses relativ jungen Rechtsgebietes genauer zu kennen. Das Wissen um die Geschichte von Rechtsinstituten und ihre Entstehungsbedingungen fördert das Verständnis für eben diese Institute und Reformen. Die "schöne neue Welt" der elektronischen Medien würde verarmen, würden kreative Menschen, eben Urheber von "Werken", sie nicht inhaltlich bereichern; dies aber wird nur gelingen, wenn es weiter ein Recht gibt, das die Urheber angemessen schützt.



  F u ß n o t e n

(1) Zu den Tagungen 1986-1991 vgl. die Hinweise im Vorwort zu Elmar Wadle (Hg.), Historische Studien zum Urheberrecht in Europa. Entwicklungslinien und Grundfragen (Schriften zur Europäischen Rechts- und Verfassungsgeschichte 10), Berlin 1993, S. 7-10, hier S. 1 Fn. 2.- Die Beiträge zu den Veranstaltungen in Trogen (1993), Krakau (1995), Villa Vigoni (1997), Halle/S. (1999), in: Archiv für Urheber-, Film-, Funk- und Theaterrecht (= UFITA) 123, 126, 129, 130, 131, 136, 137, 138 (1994-199) und 2000 I u. II. Die Angaben in den nachfolgenden Fn. beruhen auf einer eher zufälligen Auswahl. Sie wollen und können nur als erste Hinweise auf die umfängliche Literatur zu den angesprochenen Themenbereichen verstanden werden.
(2) Zur Geschichte des Urheberrechts vgl. insbesondere Ludwig Gieseke, Vom Privileg zum Urheberrecht. Die Entwicklung des Urheberrechts in Deutschland bis 1845, Göttingen 1995 (mit umfassenden Hinweisen auf die ältere Literatur); Elmar Wadle, Geistiges Eigentum. Bausteine zur Rechtsgeschichte, Weinheim 1996.- Zur Geschichte des Urheberrechts im 20. Jahrhundert vgl. man die einschlägigen Beiträge in Friedrich-Karl Beier/Alfons Kraft/Gerhard Schricker/Elmar Wadle (Hg.), Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht in Deutschland, 2 Bde., Festschrift zum hundertjährigen Bestehen der Deutschen Vereinigung für gewerblichen Rechtsschutz und Urheberrecht und ihrer Zeitschrift, Weinheim 1991.
(3) Aus der Vielzahl von Darstellungen, Buchpassagen und Aufsätzen seien hier genannt: Siegfried Unseld, Goethe und seine Verleger, Frankfurt a. M./Leipzig 1991; Reinhard Wittmann, Geschichte des deutschen Buchhandels, München 1991, S. 161; Waltraut Hagen, Nachdruck/Raubdruck, in: Bernd Witte u.a. (Hg.), Goethe-Handbuch Bd. VI, 2, Stuttgart/Weimar 1998, S. 740-743; allgemeiner aus literaturwissenschaftlicher Sicht unter starker Betonung des Schutzes gegen Nachdruck: Heinrich Bosse, Autorschaft ist Werkherrschaft. Über die Entstehung des Urheberrechts aus dem Geist der Goethezeit, Paderborn 1981.- Aus juristischer bzw. rechtshistorischer Sicht vgl. man Heinz Fröbe, die Privilegierung der Ausgabe "letzter Hand" Goethes sämtlicher Werke. Ein rechtsgeschichtlicher Beitrag zur Goetheforschung und zur Entwicklung des literarischen Urheberrechts, in: Archiv für Geschichte des Buchwesens 2 (1960), S. 187-229; Arthur Axel Wandtke, Goethe und das Urheberrecht, in: UFITA 2002 II, S. 453-470; Elmar Wadle, Goethes Gesuch um ein Nachdruckprivileg des Deutschen Bundes und die preußische Politik, in: Neue Juristische Wochenschrift (NJW) 1999, S. 2545-2551, jetzt auch in: Jahrbuch der Juristischen Zeitgeschichte I (1999/2000), S. 556-575; ders., Rechtsprobleme um Nachdruck und geistiges Eigentum in Goethes Praxis, in: Karl Richter/Gerhard Sauder (Hg.), Goethe - ungewohnte Ansichten (im Druck).
(4) Ludwig Gieseke, Autor und Autorschaft im Mittelalter, in: UFITA 2000 I, S. 181-190.- In umfassenderer Weise bringt die mittelalterliche "Personalisierung" des Buches zur Sprache Horst Wenzel, Hören und Sehen, Schrift und Bild, München 1995, bes. S. 204 ff.
(5) Astrid Eggert, Der Rechtsschutz der Urheber in der römischen Antike, in: UFITA 138 (1999), S. 183-217. Im übrigen vgl. man die einschlägigen Beiträge von Renate Frohne auf den in Fn. 1 genannten Tagungen.- Im Grundriß von Horst Blanck, Das Buch in der Antike, München 1992, wird (S. 117) die Existenz von "Urheber- oder Verlagsrecht, damals unbekannte Begriffe" gesprochen; an anderer Stelle (S. 119 f., 125) werden das Interesse von Autoren erwähnt, die Verbreitung bestimmter Werke unter Kontrolle zu halten (Publikationsrecht?) oder die durch Verleger hergestellten Exemplare auf ihre Korrektheit zu überwachen (Schutz vor Verfälschung?).
(6) Die folgenden Darstellungen mögen beispielhaft für viele andere stehen: Hans Huth, Künstler und Werkstatt der Spätgotik, Darmstadt 1967; Arnold Hauser, Sozialgeschichte der Kunst und Literatur, München 1953, Sonderausgabe München 1978, bes. S. 278 ff., 349 ff.; Martin Warnke, Hofkünstler. Zur Vorgeschichte des modernen Künstlers, Köln 1995; Heinrich Klotz, Mittelalter 600-1400 (Geschichte der deutschen Kundt Bd. 1), München 1998, bes. S. 121 ff.; Martin Warnke, Spätmittelalter und Frühe Neuzeit 1400-1750 (Geschichte der deutschen Kunst Bd. 2), München 1999, bes. S. 12 f., 70 ff., 214 ff.- Allgemein aus rechtlicher Sicht: Thomas Würtenberger, Das Kunstfälschertum. Entstehung und Bekämpfung eines Verbrechens vom Anfang des 15. bis zum Ende des 18. Jahrhunderts, Weimar 1940 (ND Graz 1970), bes. S. 172 ff.
(7) Aus der Sicht der Rechtsgeschichte ist besonders zu nennen: Thomas Würtenberger, Albrecht Dürer. Künstler, Recht, Gerechtigkeit, Frankfurt a. M. 1971, bes. S. 50 ff., 60 ff.- Aus der Sicht der Kunstgeschichte seien erwähnt: Heinrich Wölfflin, Die Kunst Albrecht Dürers, München 19049, mit einem Nachwort von Peter Strieder, München 1984; Vorbild Dürfer. Kupferstich und Rundschnitte Albrecht Dürers im Spiegel der europäischen Druckgraphik des 16. Jahrhunderts, München 1978 (Ausstellungskatalog), darin bes. S. 2-12 (Einleitung von Peter Strieder); Ernst Rebel, Albrecht Dürer. Maler und Humanist, München 1996, bes. S. 457 ff. (zur Nachwirkung); Warnke, Spätmittelalter (Fn. 6), S. 160 ff., 235 ff.
(8) Als Beispiele seien genannt: Svetlana Alpers, Rembrandt als Unternehmer. Sein Atelier und der Markt, Köln 1998, bes. S. 242 ff. (Erwähnung eines Privilegs für eine Radierung S. 292 Fn. 29); Michael North, Kunst und Kommerz im goldenen Zeitalter. Zur Sozialgeschichte der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts, Köln 1992; Ekkehard Mai/Hans Vlieghe (Hg.), Von Bruegel bis Rubens. Das goldene Jahrhundert der flämischen Malerei (Ausstellungshandbuch und - katalog), Köln 1992 (darin Beiträge zur Druckgraphik bes. S. 252 ff. zur Bedeutung der Privilegien).
(9) Vgl. etwa Anton Legner, Illustres manus, in: ders. (Hg.), Ornamenta ecclesiae. Kunst und Künstler der Romanik. Katalog zur Ausstellung des Schnütgen-Museums in der Josef Haubrich-Kunsthalle, Köln 1985, 3 Bde., hier Bd. 1, S. 187-230, bes. S. 205 ff.; Peter Cornelius Claussen, Künstlerinschriften, ebenda S. 263-267; Anton Legner, Reliquien in Kunst und Kult zwischen Antike und Aufklärung, Darmstadt 1995, bes. S. 145 m. Anm. 331 (S. 369); Wenzel, Hören und Sehen (Fn. 4), S. 218 ff., 292 ff.; Matthias Müller, Der Künstler betritt das Stifterbild - Normen der Auftraggeber und Künstlerpräsentation in religiösen Bildwerken des hohen und späten Mittelalters (1140-1440), in: Doris Ruhe/Karl-Heinz Spieß (Hg.), Prozesse der Normbildung und Normveränderung im mittelalterlichen Europa, Stuttgart 2000, S. 27-53.- Zurückhaltender bzgl. der Buchmalerei formuliert Johann Konrad Eberlein, Miniatur und Arbeit. Das Medium Buchmalerei, Frankfurt a. M. 1995 (bes. S. 114 ff., 330 ff.).- Aus rechtlicher Sicht vgl. etwa: Wilhelm Schlechtriem, Rubens und das Recht am Werk, in: UFITA 7 (1934), S. 147-178.
(10) Viele Einzelheiten bei Hansjörg Pohlmann, Die Frühgeschichte des musikalischen Urheberrechts (ca. 1400 bis 1800). Neue Materialien zur Entwicklung des Urheberrechtsbewußtseins der Komponisten, Kassel u. a. 1962; Heinrich M. Schuster, Das Urheberrecht der Tonkunst, München 1891, bes. S. 6-50 (Geschichte des musikalischen Urheberrechts); Thomas Bösche (Hansjörg Pohlmann/Carl Haensel), Artikel "Urheberrecht", in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, hg. v. Ludwig Finscher, Sachteil Bd. 9, Kassel 19982, Spalte 1203-1214.
(11) Vgl. etwa Friedemann Kawohl, Wie der Wein in die Flaschen kam. Oder: Die Entstehung des musikalischen Formbegriffs aus dem Geist des Urheberrechts, in: Sabine Sanio/Christian Scheib (Hg.), Form - Luxus, Kalkül und Abstinenz: Fragen, Thesen und Beiträge zu Erscheinungsweisen aktueller Musik, Saarbrücken 1999, S. 136-147; ders., Music Copyright and the Prussian Copyright Act of 1837, in: Jim Samson/Bennett Zon (Hg.), Nineteenth-Century Music. Selected Proceedings of the Tenth Intenational Conference, Aldershot 2001.
(12) Erich Schulze, Geschätzte und geschützte Noten. Zur Geschichte der Verwertungsgesellschaften, Weinheim 1995, bes. S. 30 ff.
(13) Besonders charakterisiert wird dieser Zusammenhang von Bosse, Autorschaft (Fn. 3).
(14) Aus der umfangreicher werdenden Literatur seien erwähnt: Michael Giesecke, Der Buchdruck in der frühen Neuzeit. Eine historische Fallstudie über die Durchsetzung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien, Frankfurt a. M. 1991 (bes. S. 445 ff. zur Privilegierung gegen Nachdruck); Hans-Jürgen Wolf, Geschichte der Druckverfahren. Historische Grundlagen, Portraits, Technologie, Elchingen 1992; Jürgen Gramlich, Rechtsordnungen des Buchgewerbes im Alten Reich. Genossenschaftliche Strukturen, Arbeits- und Wettbewerbsrecht im deutschen Druckerhandwerk, Frankfurt a. M. 1994 (Sonderdruck aus dem Archiv für Geschichte des Buchwesens Bd. 41); Ernst Fischer/Wilhelm Hefs/Jorg-Gothart Mix (Hg.), Von Almanach bis Zeitung. Ein Handbuch der Medien in Deutschland 1700-1800, München 1999 (Der Schutz gegen Nachdruck wird nur gelegentlich erwähnt, so etwa S. 128 f.); Rudolf Stöber, Deutsche Pressegeschichte. Einführung, Systematik, Glossar, Konstanz 2000; Jürgen Wilke, Grundzüge der Medien- und Kommunikationsgeschichte. Von den Anfängen bis ins 20. Jahrhundert, Köln 2000 (mit umfassenden Literaturangaben und regelmäßigen Hinweisen auf rechtliche Fragen, vor allem zur Zensur).
(15) Albert Kapr, Johannes Gutenberg. Persönlichkeit und Leistung, München 1987; Andreas Venzke, Johannes Gutenberg. Der Erfinder des Buchdrucks, Zürich 1993; Stephan Füssel, Gutenberg und seine Wirkung, Darmstadt 1999; Gutenberg, aventur und kunst ...., Vom Geheimunternehmen zur ersten Medienrevolution (Ausstellungskatalog), Mainz 2000.
(16) Man vergleicht die einschlägigen Beiträge im Katalog "Gutenberg" (Fn. 15).
(17) Vgl. etwa Reinhard Wittmann, Geschichte des Deutschen Buchhandels (Fn. 3), bes. S. 148 ff.; Unseld, Goethe (Fn. 2), S. 43 ff.; Christian Czychowski, Ein Muster im Ringen um die Unabhängigkeit der Urheber - Anhalt-Dessau-Wörlitz und seine Selbstverlagsunternehmungen (1731-1785), in: UFITA 2000 I, S. 191-204.
(18) Zur Geschichte der Lithographie: Wilhelm Weber, Saxa loquuntur I, Geschichte der Lithographie von den Anfängen bis 1900, München 1964, bes. S. 85 ff., 105 ff.; Wilhelm Weber, Aloys Senefelder. Erfinder der Lithographie. Daten zum Leben und Wirken, Frankfurt a. M. 1981; Michael Henker/Karlheinz Scherr/Elmar Stolpe, Von Senefelder zu Daumier: Die Anfänge der lithographischen Kunst, München 1988 (Ausstellungskatalog). - Zur Geschichte der Photographie (mit Hinweisen zur Kunstreproduktion und Kunstphotographie, aber durchweg ohne Erwähnung rechtlicher Probleme): Urs Tillmanns, Geschichte der Photographie. Ein Jahrhundert prägt ein Medium, Stuttgart 1981, bes. S. 26 f.; Helmut Gernsheim, Geschichte der Photographie. Die ersten Hundert Jahre (Propyläen Kunstgeschichte, Supplement- und Sonderbände), Frankfurt a. M. 1983, bes. S. 44 ff., 69, 81, 161, 173 f., 293 ff., 378; Silber und Salz. Zur Frühgeschichte der Photographie im deutschen Sprachraum 1839 bis 1860, Köln 1989 (Ausstellungskatalog), bes. S. 514 ff. Im übrigen vgl. noch Christa Pieske, Bilder für Jedermann. Wandbilddrucke 1840 bis 1940 (Schriften des Museums für Deutsche Volkskunde Berlin 15), Berlin 1988 (umfassend zu technisch, ökonomischen und kulturhistorischen Aspekten).
(19) Aus der kaum noch überschaubaren Literatur zur Geschichte des Buchwesens und Buchhandels, vgl. Wittmann, Geschichte des deutschen Buchhandels (Fn. 3); Hans Widmann, Geschichte des Buchhandels Teil I, Wiesbaden 1952, Neubearbeitung 1975.
(20) Näheres dazu bei: Elmar Wadle, Das Junktim zwischen Zensur und Nachdruckschutz und dessen Aufhebung im Jahre 1834, in: Helmut Reinalter (Hg.), Liberalismus und Demokratie, Frankfurt a. M. 2001 (im Druck).
(21) Dieter Breuer, Geschichte der literarischen Zensur in Deutschland, Heidelberg 1982; Herbert G. Göpfert/Erdmann Weyrauch (Hg.), "Unmoralisch an sich ...". Zensur im 18. und 19. Jahrhundert (Wolfenbütteler Schriften zur Geschichte des Buchwesens 13), Wiesbaden 1988, darin bes. Ulrich Eisenhardt, Wandlungen von Zweck und Methoden der Zensur im 18. und 19. Jahrhundert, S. 1-35; Dieter Breuer, Stand und Aufgaben der Zensurforschung, S. 37-60; der Zensur zum Trotz. Das gefesselte Wort und die Freiheit in Europa, Wolfenbüttel 1991 (Ausstellungskatalog).- Im übrigen vgl. man die in Fn. 14 genannten Darstellungen.
(22) Vgl. etwa Perry Barlow, Wein ohne Flaschen. Globale Computernetze, Ideen-Ökonomie und Urheberrecht, in: Stefan Bollmann (Hg.), Kursbuch Neue Medien. Trends in Wirtschaft und Politik, Wissenschaft und Kultur, Mannheim 19962, S. 79-106.- Barlow und andere Autoren haben wesentlich dazu beigetragen, daß Fragen um "Urheberrecht und Internet" ein breites publizistisches Interesse finden.
(23) Hier kann ein Hinweis auf die "Regierungserklärung" des Europa-Direktors von Icann genügen: Andy Müller-Maguhn, Meine Regierungserklärung. Warum ich Internet-Politiker und nicht Terrorist geworden bin, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.10.2000. Aus der umfangreichen Literatur zu rechtlichen Problemen um das Internet sei lediglich genannt: Heimo Schack, Neue Techniken und Geistiges Eigentum, in: Juristenzeitung 1998, S. 753-763.
(24) In älteren Darstellungen sucht man entsprechende Stichworte vergebens. Als Ausnahme erscheinen: Franz Wieacker, Privatrechtsgeschichte der Neuzeit, Göttingen 19972, S. 544, und Heinrich Mitteis/Heinz Lieberich, Deutsches Privatrecht, München 19819. In jüngeren Darstellungen sind die Rechtsgebiete wenigstens zum Teil erwähnt, so das Stichwort "Urheberrecht" bei: Gerhard Wesenberg/Günter Wegener, Neuere deutsche Privatrechtsgeschichte im Rahmen der europäischen Rechtsentwicklung, Lahr 19854, und: Hans Schlosser, Grundzüge der Neueren Privatrechtsgeschichte, Heidelberg 19968.

 


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