Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

(http://www.jura.uni-sb.de/projekte/Bibliothek)



I. Einleitung: McLaw’s-Anwaltskanzleien?


Das Thema klingt vielleicht provokativ oder zumindest futuristisch. Franchiseverträge zwischen Rechtsanwälten als Kooperationsinstrument der anwaltlichen Tätigkeit sind nicht bekannt. Sie sind weder in der BRAO noch in der Berufsordnung vorgesehen. Franchising als moderne Form des systemvertraglichen Absatzes von Waren und Dienstleistungen ruft sogleich Assoziationen an Fast Food-Ketten wie McDonald’s oder Pizza Hut hervor, lässt an die standardisierten Holiday Inn-Hotels oder an OBI-Heimwerkermärkte und Ihr Platz-Drogerien denken. Alles sperrt sich zunächst dagegen, das Franchising in einen Zusammenhang mit der Anwaltschaft und ihren Kooperationsmöglichkeiten zu bringen. Mit Kopfschütteln reagiert man auf die Vorstellung eines Netzes etwa von McLaw’s-Anwaltskanzleien in deutschen Städten.

Immerhin soll der Name „McLaw’s“ hierzulande bereits geschützt sein[1] – vielleicht vorsorglich von einem vorausschauenden Junganwalt? Jedenfalls besteht in diesen Zeiten des wachsenden Wettbewerbsdrucks, der Aufbruchstimmung und der Suche nach effizienten Marketing-, Organisations- und Kooperationsstrategien unter der Anwaltschaft aller Grund, nach völlig neuen Perspektiven Ausschau zu halten. Schließlich ist das anwaltliche Berufsrecht in den letzten Jahren von einer Serie Schlag auf Schlag folgender Tabubrüche und ihrer anschließenden höchstrichterlichen Absegnung geprägt, deren eindeutige Tendenz die Abkehr von überkommenen Standesregeln der kammerkontrollierten Honoratioren und die Hinwendung zu einem unternehmerischen Verständnis des Anwalts als Dienstleister ist. Wer hat noch vor zwanzig Jahren an eine Anwalts-GmbH mit Filialen gedacht, wie sie inzwischen unter dem - wenn auch noch verschämten – Namen Rechtsanwaltsgesellschaft rechtlich verankert ist? Die Frage darf also nicht nur, sondern muss sogar gestellt werden: Bietet das Franchising eine Perspektive der anwaltlichen Kooperation – vielleicht schon de lege lata oder doch zumindest de lege ferenda?




[1] So Hagenkötter, Tätigkeitsbereiche innovativ, AnwBl. Sonderheft 2/2000, S. 83, 84.

 


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