Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

(http://www.jura.uni-sb.de/projekte/Bibliothek)



1. Freiheit der Advokatur


Wendet man sich den Einsatzmöglichkeiten des Franchising als Kooperationsinstrument speziell der anwaltlichen Berufstätigkeit zu, kommt das anwaltliche Berufsrecht ins Blickfeld. Dabei können wir zunächst kurzen Prozeß mit dem sogenannten Subordinations-Franchising machen. Nach § 43a Abs. 1 BRAO darf ein Rechtsanwalt im Rahmen der beruflichen Zusammenarbeit „keine Bindungen eingehen, die seine berufliche Unabhängigkeit gefährden“. Die Freiheit der Advokatur wird bekanntlich in § 1 der Berufsordnung[7] besonders betont, wonach der Rechtsanwalt als „unabhängiger Berater und Vertreter“ seinen Beruf „frei, selbstbestimmt und unreglementiert ausübt“. Eine solche Freiheit der Berufsausübung wäre in einem Kooperationssystem, das zielgerichtet auf Weisungsbindung im Dienst des übergeordneten Systeminteresses angelegt ist, weitgehend und letztlich in unzulässiger Weise eingeschränkt.

Es kann also beim Thema Franchising in der Anwaltschaft de lege lata von vornherein nur um Kooperationsformen im Sinne des Partnerschafts-Franchising gehen. Naheliegend ist zunächst der Gedanke, das Franchising mit seinen prägenden Merkmalen innerhalb einer der anerkannten und zulässigen Rechtsformen beruflicher Zusammenarbeit von Rechtsanwälten zu praktizieren, also gleichsam franchise-spezifische Elemente in die etablierten Kooperationsformen zu implantieren.



[7] Berufsordnung in der Fassung vom 22.3.1999.

 


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