Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

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VI. Schlussbetrachtung


Es ist also leicht erkennbar, dass für ein Anwalts-Franchising erst dann ein wirklich vielversprechender Spielraum eröffnet ist, wenn nicht nur das anwaltliche Kooperations- und Werbungsrecht weiter liberalisiert wird, sondern auch das staatlich sanktionierte Preiskartell aufgebrochen wird. Auch hierfür gibt es aber Ansätze und Hoffnungen. Der Kommissar für das Wettbewerbsrecht der Europäischen Kommission, Mario Monti, hat bereits verlautbart, dass die hochkartellierten Dienstleistungsberufe der Rechtsanwälte auf seiner Agendenliste stehen. Auch liest man in den Materialien zum Gesetz zur Neuordnung des anwaltlichen Berufsrechts den vielversprechenden Satz aus dem Jahre 1994: „Das Interesse potentieller Mandanten geht dahin zu erfahren, wie sie für ihr Rechtsproblem einen Spezialisten finden und was dieser kostet.“[49] Immerhin ist bereits im außergerichtlichen Bereich eine Bindung an die Gebühren der BRAGO nach deren § 3 Abs. 5 gelockert.[50] Nahziel muß die Zulässigkeit von Stundensätzen in allen Bereichen anwaltlicher Tätigkeit, Endziel muß die Freiheit von Marktpreisen sein. Wenn der Bürger weiß, dass ein systemzugehöriger Anwalt 100,- Mark pro Stunde Mietrechtsberatung verlangt, wird er schnell zu dessen Mandanten.

Zusammenfassend ist der Befund unausweichlich, dass sich das Franchising als Kooperationsmodell der deutschen Anwaltschaft de lege lata nur in dünnen Ansätzen verwirklichen lässt, obwohl es gerade für die rechtsberatende Grundversorgung im Massengeschäft der Standardfälle faszinierende Vorbilder und offenkundige Vorteile des Anwalts-Franchising gibt. Wir brauchen, um dem Anwalt-Franchising in Deutschland mit seinen vielversprechenden und verlockenden Chancen und Marktperspektiven de lege ferenda zum Durchbruch zu verhelfen, eine Revolution nicht nur des anwaltlichen Kooperations- und Werbungsrechts, sondern auch des gegenwärtigen Preisrechts – aber vielleicht sind wir schon mittendrin in dieser Revolution. Wer immer es war, der sich den Namen „McLaw’s“ hat schützen lassen – er hat sich wohl vorausschauend einen schönen Wettbewerbsvorsprung für die hoffentlich nicht mehr allzu fernen Zeiten gesichert, in denen das Anwalts-Franchising zum Alltag gehören wird.




[49] BT-Drucks. 12/4993, S. 28
[50] Vgl. dazu Feuerich/Braun, BRAO-Komm., 4. Aufl. 1999, § 43b Rdnr. 155 ff.

 


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