Thomas Gergen

Rodener Wegekreuze in Erinnerung an den Kriegswinter 1944/45


I.  Kreuze in Roden

Wege-, Flur- und Straßenkreuze finden sich auch heute noch an markanten Stellen unserer Ortschaften. Im Saarlouiser Stadtteil Roden1 konnten insgesamt 17 Kreuze ausfindig gemacht werden, von denen sieben nicht mehr existieren, aber noch bekannt und zu verorten sind. Erich Weidner und Josef Rau haben in ihrer Zusammenstellung der „Wegkreuze in Roden“ diese Kreuze aufgelistet und ihre Geschichte erzählt2. Das älteste Kreuz ist das sog. „graue Kreuz“, das bereits in Urkunden um 1760 erwähnt wird. Nach schwerer Beschädigung im II. Weltkrieg wurde das Kreuz wegen des Umbaues der B 51 entfernt und 1974 auf dem Rodener Friedhof neben der Leichenhalle wieder aufgestellt3. Das Kreuz an der Schillesmühle4 wurde 1846 errichtet und ist als einziges Kreuz nach dem II. Weltkrieg in seiner ursprünglich errichteten Form übriggeblieben.

(1) Verschwundene Kreuze

Es lohnt sich, vorab die verschwundenen Kreuze zu benennen:

Damit sind die heute sichtbaren und nach dem Krieg wieder bzw. neu errichteten Kreuze nicht zuletzt auch eine bewusste Anknüpfung an die in der nationalsozialistischen Zeit (an der Saar von 1935 bis 1945) entfernten und zerstörten Kreuze.

(2) Heute sichtbare Kreuze

Wer heutzutage durch Roden geht, kann folgende Kreuze betrachten:

   

Kreuz an der Ecke Hoch-/Matthiasstraße (Fotos: Kerstin Rupp)

Neben diesen vier Kreuzen, die heute noch sichtbar sind, existieren fünf Kreuze, die bereits vor dem II. Weltkrieg bestanden hatten, jedoch deutlich als Mahnmal für diesen Krieg und insbesondere den Kriegswinter 1944/45 stehen und der Erinnerung an die Kriegsereignisse gewidmet sind. Es sind dies das Kreuz in der Diefflerstraße (1), das Kreuz in der Heiligenstraße (2), das Kreuz in der „Sandkaul“ am Zusammentreffen von Loris/Herren-/Heiligenstraße (3), das Kreuz Ecke Rath-/Lindenstraße (4) sowie das Kreuz in der Rathstraße (5). Das Notkreuz in der Hochstraße entstand erst 1947 (6).


II.  Nachkriegskreuze

(1) Cholera-Kreuz in der Diefflerstraße

Das Kreuz in der Diefflerstraße8 erinnert an den Ausbruch der Cholera 1866 in Roden, als innerhalb von vier Monaten 166 Menschen starben. Das ursprünglich schlichte Holzkreuz wurde durch ein Steinkreuz ersetzt, das im Kriegswinter 1944/45 gänzlich zerstört und 1947 von der Katholischen Jugend Roden wieder errichtet wurde. Es heißt auf dem Sockel des Kreuzes:

Zum Gedenken an das Jahr 1866 an die Krankheit Cholera Jesus. Maria. Josef. Hilf uns in dieser armen bedrängten Zeit. Erneuert im Jahre 1947 von der kath. Jugend Roden.

   

Cholera-Kreuz   (Fotos: Kerstin Rupp)

Genau genommen erwähnt dieses Kreuz den II. Weltkrieg nicht, doch nimmt es Bezug auf ein weiteres Leid, das die Rodener Bevölkerung 1866 mit der Cholera erlitten hatte. Da es aber 1947 erneuert wurde, stellt es das Bindeglied zwischen zwei Katastrophen dar, die Roden schwer getroffen hatten: die Cholera in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und den II. Weltkrieg.

Das Jahr 1947 war also auch ein Jahr des Gedenkens an vergangene Seuchen und Kriegswirren: Erich Hewer zufolge9 enthielt die Einwohnerliste von Roden im Jahre 1866 2.943 Einwohner. Nach vier Monaten betrug die Zahl nur noch 2.777. Der damalige Pfarrer Philipp Thirion machte Versehgänge zu den Sterbenden und half durch seine Krankenbesuche, die Epidemie ebenfalls zu bewältigen. Obwohl sich Thirion sehr oft bei den Kranken aufhielt, wurde er nicht von der schlimmen Krankheit befallen. Zwar wurden 44 Cholerakranke wieder gesund, doch für 166 Personen war jede Hoffnung vergebens. Doch zum Dank, dass es lediglich 166 Personen waren, die der Seuche zum Opfer fielen und dass der Großteil der Bevölkerung Rodens verschont geblieben war, wurde das Kreuz nach der Seuche 1866 aufgestellt und von der Sebastianus-Gruppe der Katholischen Jugend 1947 wieder errichtet10.

Das Cholerakreuz vor dem Krieg hat im Übrigen der Rodener Künstler Joachim Pathen gezeichnet11.

Im Jahre 1859 hatte unter den Viehherden in Roden und Umgebung der Milzbrand gewütet. In Roden verendeten damals 80 Stück Rindvieh. 1871 schlug die Rinderpest zu12.

(2)  Kreuz in der Heiligenstraße

Es war die Rodener katholische Jugend, die auch das Kreuz in der Heiligenstraße (Hausnr. 56) dem Andenken an die Gefallenen und Vermissten „bei den schweren Kämpfen in Saarlouis-Roden 1944-45“ widmete. Dieses Kreuz, das im Volksmund auch als Lukas-Kreuz bezeichnet wurde, findet sich in alten Urkunden erwähnt um 1700 als „MayerschGreten-Kreuz“. Das Kreuz, an dem der dritte Fronleichnamsaltar stand, wurde im II. Weltkrieg total zerstört13.

Genauere Beschreibung: Lateinisches Kreuz auf einem Steinsockel 40 cm, die Gedenktafel 55 cm sowie 85 cm das eigentliche Kreuz mit kleinem Sockel, Breite ca. 50 cm.

Inschrift:
Zum Andenken an die Gefallenen bei den schweren Kämpfen in Saarlouis-Roden 1944-1945
Gewidmet von der „Kath. Jugend“ Roden

       

Kreuz in der Heiligenstraße  (Fotos: Kerstin Rupp)

Das Kreuz zeigt Jesus am Kreuz mit Dornenkrone und Lendenschurz, wahrscheinlich alles Messing, Farbe silber.

Das Kreuz ist angebracht auf einem der Öffentlichkeit zugänglichen Vorplatz und steht von der Straße aus gesehen links vor dem Wohnhaus. Wann das Kreuz errichtet wurde, kann nur vermutet werden; wahrscheinlich in den ersten Nachkriegsjahren. Hinweise auf Künstler oder Handwerker, geschweige denn irgendwelche Zeichen sind nicht ersichtlich. Die Anlage bedarf auch keiner regelmäßigen Pflege. Ebensowenig gibt es regelmäßigen Blumenschmuck.

(3) Kreuz Herren-/Loris-/Heiligenstraße

Ein weiteres Kreuz aus der Reihe der Rodener Kriegs- bzw. Nachkriegskreuze steht an der Grenze zwischen Herren- und Lorisstraße, und zwar in Höhe Heiligenstraße.

Nach dem Evangelisten Markus war dieses Kreuz im Volksmund „In der Sandkaul“ bekannt, dessen Alter nicht mehr festzustellen ist. Ursprünglich wurde gegenüber dem heutigen Standort des Kreuzes der zweite Fronleichnamsaltar aufgestellt. Auch dieses Kreuz wurde im II. Weltkrieg schwer beschädigt und 1946/47 von der Katholischen Jugend wieder hergestellt14.

Zur näheren Beschreibung:
Kreuz auf einem festen Sockel aus Beton. Ungefähre Maße: erster Betonsockel 24 cm, Rechteckform; zweiter Sockel mit Inschrift Nr. 1: 40 cm; dritter Sockel mit Inschrift Nr. 2: ca. 60 cm; Abdeckplatte ca. 15 cm, weitere Platte mit 11 cm; eigentliches Kreuz 80 cm. Gesamtgröße ca. 2,30 m.

Inschrift Nr. 1
(Johannes 17, 21):
Wie Du Vater, in mir bist
Und ich in Dir bin, so lass
Auch sie in uns eins sein.
Joh. 17.21

Inschrift Nr. 2:
Zum Gedenken an die Gefallenen und Vermißten bei den schweren Kämpfen in Saarl.-Roden 1944-1945

         

Kreuz Herren-/Loris-/Heiligenstraße  (Fotos: Kerstin Rupp)

Zur Schrift ist zu sagen, dass es sich offenbar um gotische Majuskel- bzw. Minuskelschrift handelt. Es fehlen Hinweise auf Erbauungsdatum sowie Angaben zu Künstlern oder Handwerkern. Allerdings kann geschlossen werden, dass es sich um eine Konstruktion in den Nachkriegsjahren handelt.

Es gibt Anzeichen dafür, dass jemand das Kreuz regelmäßig mit frischem Grün ausschmückt.

Das eigentliche Kreuz besteht aus einem Steg, auf dem Christus steht. Im Steg gibt es drei Reliefpunkte, die auf die Tränen Christi hinweisen. Christus ist dargestellt mit Lendenschurz und Dornenkrone, mit Blick nach rechts. Die linke Hand streckt Mittel- und Zeigefinger wie zum Friedensgruß aus.

An den Seiten des Teiles mit Inschrift Nr. 2 ist zur Linken wie zur Rechten folgendes Symbol zu bemerken: Drei nebeneinander angebrachte Trapeze, darüber ein Baldachin (Dach), also ein Zeichen wie bei einer Basilika.

Die Anlage des Kreuzes steht neben dem Bahndamm der Linie Saarlouis – Dillingen. Daneben gibt es eine kleine Freifläche mit Wiese und Sträuchern. Neben dem Kreuz liegen noch Steine.

Die Figur Christi hat eine Länge von ca. 50 cm. Darin ist der Sockel eingeschlossen. Das Kreuz ist an der Straße öffentlich zugänglich.

Die Stelle aus dem Johannes-Evangelium 17, 21 ist Teil des „hochpriesterlichen Gebetes“ (Joh. 17, 1-26), das Jesus spricht vor seiner Gefangennahme (18. Kapitel), d.h. vor dem Verhör, der Verleugnung des Petrus und der Übergabe an Pilatus. Das Gebet ist gleichzeitig auch Abschiedsrede des Offenbarers: Jesus verabschiedet sich von den Seinen vor der Rückkehr in die Herrlichkeit. Da seine Worte letzte und verbindliche Worte sind, wird ihnen die Kraft einer letztwilligen Verfügung, eines Testamentes zugeschrieben.

Die Bibelstelle wird im liturgischen Jahreskreis am siebenten Ostersonntag, dem Pfingstfest, gelesen und steht heute für die Ökumene aller Christen, die der Heilige Geist im Glauben an den einen Gott zusammenführen und einen soll. Im Jahr der Errichtung des Kreuzes unmittelbar nach dem grauenvollen Krieg appelliert es m.E. an die Einheit im Glauben der noch Lebenden mit den erwähnten Gefallenen und Vermissten.

(4) Kreuz Ecke Rath-/Lindenstraße

Das Kreuz Ecke Rath-/Lindenstraße wurde in den 1870er Jahren errichtet. Bekannt ist, dass der damalige Pastor Thirion (vgl. Thirionstraße) alt und gebrechlich war und dass aus diesem Grunde an dieser Stelle noch ein 5. Fronleichnamsaltar aufgebaut wurde, damit sich der Pastor dort ausruhen konnte. Das im Volksmund genannte „Bauersch-NikelsKreuz“ wurde gleichfalls im II. Weltkrieg zerstört und nach dem Krieg von der Katholischen Jugend Roden erneuert und etwas weiter von seinem ursprünglichen Standort entfernt aufgestellt15.

Das Kreuz Ecke Rath-/Lindenstraße ist in die Hauswand des Eckhauses integriert, so als ob die Mauern um es herumgebaut worden wären. Es hat einen steinernen Sockel. Dieser ist mit der Erde verbunden, darüber befinden sich zwei Sockel, die jeweils Inschriften enthalten.

Die erste Inschrift:
Gekreuzigter Herr Jesus Christus,
erbarme Dich unser
und hilf den armen Seeleny
im Fegfeuer!

Die zweite Einheit, die wiederum auf einer Marmorplatte (schwarz) aufgetragen ist, enthält folgende Inschrift:
Zum Gedenken an die Gefallenen und Vermißten, bei den schweren Kämpfen in Saarlouis-Roden. 1944-1945.

         

Kreuz Ecke Rath-/Lindenstraße  (Fotos: Kerstin Rupp)

Die Gesamtlänge des Kreuzes beträgt ca. 2 m. Das Kreuz enthält im Schnittpunkt der Balken ein bemerkenswertes Christus-Medaillon. Erkennbar ist Christus mit langem Haar und Dornenkrone und geschlossenen Augen. Christus trägt Vollbart. Die Blicke der Augen sind dabei ganz nach unten gerichtet.

Das Kreuz ist von der Straße aus öffentlich zugänglich; es gibt Anzeichen für mehr oder weniger regelmäßigen Blumenschmuck.

(5) Kreuz in der Rathstraße

Das Kreuz in der Rathstraße Hausnr. 10, im Volksmund auch als „Arweilersch-Kreuz“ bezeichnet, wurde im Krieg ebenfalls gänzlich zerstört und von der Katholischen Jugend als Kriegskreuz erneuert. Auch dieses Kreuz hat seine Vorgeschichte. 1690 war eine Familie Arweiler aus Wallerfangen ausgewiesen worden und nach Roden übergesiedelt. Auf dem alten Vorgängerkreuz stand die Jahreszahl 1848. Auf dem Sockel war der Name Arweiler noch schlecht lesbar.16

Das Kreuz ist von der Straße aus gut zu sehen, steht indes auf privatem Grund. Das eigentliche Kreuz mit Christusstatue steht auf zwei Sockeln. Der erste Sockel mit der Erde verbunden trägt keine Inschrift, der zweite Sockel folgende:
Zum Gedenken an die Gefallenen u. Vermißten bei den schweren Kämpfen in Saarlouis-Roden. 1944-45

Der Spruch aus dem Johannes-Evangelium Joh. 17-21: „Wie Du Vater in mir bist und ich in Dir bin, so lass auch Sie in uns eins sein.“ kehrt wieder wie beim Kreuz Herren-/Loris/Heiligenstraße. Die Inschrift ist auf einer Marmortafel zu finden, die in dem zweiten Sockel eingearbeitet ist. Die Farbgebung des Kreuzes, das stark verwittert ist, deutet auf weißen Marmor hin. Die Gesamtgröße dieses Kreuzes beträgt ca. 1,80 m (genauso wie das erste Kreuz).

Hinweise auf regelmäßige Pflege, auch nicht im privaten Vorgarten bestehen nicht.

(6) Notkreuz Hochstraße

Bei den fünf Kriegskreuzen an den Wegen und Straßen sowie beim Notkreuz (neben der heutigen Kulturhalle, Hochstraße) handelt es sich um von der Katholischen Jugend Roden in der unmittelbaren Nachkriegszeit neu bzw. wieder errichtete Gedenkstätten an die durch Krankheit und Krieg Verstorbenen und Gefallenen. Das Notkreuz aus dem „Katastrophenjahr“ 194717 wurde auf den naheliegenden Bunker gestellt und bezeugt damit geistige Erneuerung und Selbstfindung nach den Zerstörungen und Wirrungen des Krieges sowie gleichfalls Sieg und Überwindung, ja Neuanfang über Bunker und Trümmern.

Das Gedenken an die Kriegswirren bezeugt in eindrucksvoller Weise die Urkunde, die erstellt wurde für das Notkreuz 194718:

Im Jahre 1947, am Abend des 28. September, zum Feste St. Michael, als Pius XII. die Kirche Gottes regierte, als Franz Rudolph Bischof von Trier war, als Deutschland in größter Not lag, als Karl Thiel Pastor in Roden war, als Ludwig Schneider Kaplan, Aloys Rau Jugendführer, Peter Hafner Ortsbürgermeister, als Roden wie kein Ort des Saarlandes vom Kriege zerstört war, als Rodens Bewohner den geistigen und materiellen Aufbau begannen, da errichtete und weihte die Gruppe St. Michael aus dem Bunde der Katholischen Jugend Saarlouis-Roden in opferstarker Treue das Notkreuz 1947.

Es soll uns und unseren Nachfahren Erinnerung sein an die große Not, in die uns ein aus Hochmut und Gottlosigkeit geborener Krieg stürzte! Es soll Mahnung sein, nie mehr Gottes Wege feige zu verlassen. Es soll uns allen Brüdern Kraft sein, dem Herrn Jesus zu folgen in Not und Tod und sein Reich zu bauen auf die ewigen Grundsätze der Wahrheit und Liebe.

Dies unterschreiben die Jungen mit harter Hand und tapferem Herzen, nachdem sie in wochenlanger Arbeit das Werk vollendet:

Ignaz Irsch19, Gruppenführer, Schreiner, 23 Jahre,
Paul Rau, Schmied, 19 Jahre,
Alex Rau, Landwirt, 18 Jahre,
Klaus Seidel, Dreherlehrling, 18 Jahre,
Erwin Lay, Schreinerlehrling, 17 Jahre,
Aloys Hiry, Elektrolehrling, 17 Jahre,
Günter Seidel, Schreinerlehrling, 16 Jahre,
Alois Albert, Schreinerlehrling, 17 Jahre,
Arnold Haffner, Elektrogehilfe, 20 Jahre.

1977, also 30 Jahre nach Errichtung des Notkreuzes von 1947, hieß es in der Urkunde zum Bau des neuen Kreuzes, welches das Betonkreuz von 1954 ersetzen sollte:

Dreißig Jahre später – als Dr. Manfred Henrich Oberbürgermeister von Saarlouis und Heinz Horbach Pastor von Mariä Himmelfahrt in Saarlouis-Roden war, wurde während des Baues der Kulturhalle das Kreuz auf dem naheliegenden Bunker neu errichtet.

In einer Zeit der „vollkommenen Mittel und der verworrenen Ziele“ (A. Einstein) soll dieses Kreuz Zeichen ernster Mahnung sein:“Laßt uns das Leben leise wieder lernen!“
(Nelly Sachs).
Saarlouis-Roden, den 13.11.1977
Ignaz Irsch       Pastor Heinz Horbach       Dr. Henrich
20

Das provisorische Holzkreuz von 1947 wurde 1954 durch ein Kreuz aus Stahlbeton ersetzt. Die Maße der Stahlbeton-Plastik, die 1977 aus einem im Auftrag der Stadt Saarlouis ausgeschriebenen Künstlerwettbewerb hervorgegangen war und von dem Wadgasser Lothar Meßner stammt, sind 6,00 x 4,40 x 0,70 m. Es ist ein Kreuz in Form des lateinischen Kreuzes „mit einer ungewöhnlichen, spannungsvoll versetzten und auf das Spiel von Licht und Schatten angelegten Kantenführung. Ungewöhnlich ist auch die Oberfläche des Betons, der mit Splittsteinen belegt ist“ 21(Siehe Titelbild des Heftes). Das Kreuz wurde am Volkstrauertag 1977 eingeweiht22.

Der Satz des deutschen Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein (1879-1955) ist bekannt und auch heute noch viel zitiert.

Interessanterweise wird auch ein Zitat der jüdischen und im Nationalsozialismus verfolgten Schriftstellerin Nelly Sachs bemüht, die in Deutschland erst wieder in den 1960er Jahren gelesen wurde. Nelly (Leonie) Sachs wurde 1891 in Berlin geboren, floh 1940 nach Schweden und starb in Stockholm 1970. 1966 erhielt sie den Literaturnobelpreis. Das Zitat „Laßt uns das Leben leise wieder lernen“ entstammt ihrem Gedicht „Chor der Geretteten“, das ausschnittweise lautet:

Wir Geretteten,
Aus deren hohlem Gebein der Tod schon seine Flöten schnitt,
An deren Sehnen der Tod schon seine Bogen strich -
Unsere Leiber klagen noch nach Mit ihrer verstümmelten Musik.
Wir Geretteten,
Immer noch hängen die Schlingen für unsere Hälse gedreht
Vor uns in der blauen Luft -

Immer noch füllen sich die Stundenuhren mit unserem
tropfenden Blut.

Wir Geretteten,
Immer noch essen an uns die Würmer der Angst.
Unser Gestirn ist vergraben im Staub.
Wir Geretteten
Bitten euch:
Zeigt uns langsam eure Sonne.
Führt uns von Stern zu Stern im Schritt.
Laßt uns das Leben leise wieder lernen.
Es könnte sonst eines Vogels Lied,
Das Füllen des Eimers am Brunnen
Unseren schlecht versiegelten Schmerz aufbrechen lassen
Und uns wegschäumen

Dieses Gedicht ist Teil der „Fahrt ins Staublose – Die Gedichte der Nelly Sachs“, die der Suhrkamp-Verlag in Frankfurt/Main 1961 veröffentlichte23. In den 1970er Jahren wurde Nelly Sachs viel gelesen, sodass es nicht Wunder nimmt, dass sie in der Urkunde 1977 zitiert wird.

III.  Hintergrund der Errichtung der Kreuze

Das Errichten der fünf Wegekreuze sowie des Notkreuzes erfolgte sehr rasch und insbesondere in einer Zeit, als der gesamte Ort in Trümmern lag.

(1) Totale Zerstörung

Bemerkenswert ist, dass die Kreuze sehr eng beieinander liegen, insbesondere im Gebiet von Heiligen-/Rath- und Lindenstraße. Dieser Bereich Rodens war in besonderem Maße im Kriegswinter 1944/45 betroffen. Victor Rau schreibt in seinem Artikel „Die Zerstörung war vollkommen. Spähtruppberichte aus Roden im Kriegsjahr 1945“24: „Im Kriegswinter 1944-45 erlebte Roden die wohl schwerste Katastrophe seiner langen Geschichte. Der Ort war so sehr zerstört, dass die aus der Evakuierung zurückkehrenden Rodener kaum noch ein bewohnbares Zuhause vorfanden.“ Zwischen den Häusern und den Randbereichen des Ortes standen ca. 50 Westwall-Bunker. Roden verwandelte sich in einem fast viermonatigen Häuserund Bunkerkampf gegen Ende des Krieges in einen einzigen Trümmerhaufen. Der Lagebuchbericht des Spähtrupps, d.h. des Trupps, der an einen bestimmten Standort gebunden ist, um ein ausgesuchtes Objekt auszuspähen, unterstreicht die Ereignisse von Anfang Dezember 1944 bis zum 18. März 1945. In diesen letzten Kriegsmonaten, vor allem im Februar 1945 war die Kirche Mariä Himmelfahrt Schlüssel dazu, das Gelände zwischen Donatus- und Lindenstraße unter Kontrolle zu halten. Die deutschen Truppen hatten sich mit MGs in der Kirche verschanzt, woraufhin die Amerikaner verschiedentlich gezieltes Artilleriefeuer direkt auf die Kirche legten. Die Kirche erlitt aus diesem Grunde eine besonders intensive Zerstörung. Von ihren Außenmauern waren noch 50-60% vorhanden, die Pfeiler im Innern waren zum großen Teil erhalten, die Kreuzgewölbe eingestürzt. Vollständig zerstört waren Altäre, Fenster und Kanzel. Als erstes Gotteshaus diente nach dem Krieg zunächst eine ehemalige Arbeitsdienstbaracke.

Der Wadgasser Dichter Johannes Kirschweng (1900-1951) kann hier als Zeitzeuge passend zu Wort kommen. Bekanntlich stand er schriftstellerisch in einer katholischen Tradition. Karl August Schleiden schreibt über Kirschweng25: „Er ist ein begabter Erzähler und dabei ein Meister der kleinen Form. Sein Werk kreist um sein Heimatdorf Wadgassen, um die dort bis zur französischen Revolution wirkende Prämonstratenserabtei, um die an deren Stelle angesiedelte Kristallfabrik und um die größere Heimat Lothringen im Sinne des frühmittelalterlichen Mittelreiches der karolingischen Nachfolge, das er in einer phantastischen dichterischen Vision wiederkommen sah.“ In einer elfbändigen Gesamtausgabe wurde sein umfangreiches Werk publiziert. In seinem Roman „Das wachsende Reich“ treten seine politischen Orientierungen hervor. Nach 1945 wandte er sich Frankreich zu26.

Kirschweng drückte die Kriegszerstörung Rodens folgendermaßen aus27:

Roden ist ein Trümmerhaufen. Es war nicht einfach, sich durch die Verwüstung hindurchzufinden – hindurchzuwinden muss man schon sagen. Aber es gelang uns. Wir kamen an die mächtige, jetzt im Schutt liegende Kirche. In der Dunkelheit und nur von ein paar schwachen Lichtern der Nachbarschaft kümmerlich umschimmert, sah sie noch gespenstischer aus, als sie am hellen Tag aussehen mag. In der Dunkelheit hab ich nicht genau sehen können, was in Trümmern liegt und was etwa noch erhalten ist, ob noch ein paar Pfeiler, noch ein Altar, noch ein Steinbild oder was sonst noch immer. Sie liegt in Trümmern jedenfalls. Sie ist zerstört. Es ertönt in ihr kein Gloria und kein Credo. Es werden keine Täuflinge und keine Toten in sie hineingetragen. Es wird in ihr nicht von der Heiligkeit und nicht von der Liebe Gottes gepredigt. Das ist aber ein Sieg des Teufels. Wer wollte daran zweifeln? Wer das Heulen der Granaten gehört hat, die diese und alle Zerstörungen bewirkten, dem wird auch nie der satanische Klang dieses Heulens aus den Ohren kommen. Es ist schrecklich und unbegreiflich, daß es Siege des Teufels in dieser Welt Gottes geben kann, aber es gibt sie. Es ist nichts daran zu ändern. Nur daß es mit dem siegreichen Teufel so bestellt ist wie mit den Siegern des untergegangenen Systems. Er kann eine Schlacht gewinnen, aber nie den Krieg. Eine zerstörte Kirche ist eine gewonnene Schlacht für ihn; aber unter ihren Trümmern bereitet sich doch nur der Sieg Gottes vor….Was mag aus Roden werden? Wie lange mag es dauern, bis sie wieder ein Gotteshaus aus Stein haben, mit einem hohen, ragenden Dach und einem weithin weisenden Turm? Wie lange wird es dauern, bis sie selbst und mit ihnen auch ihr Pastor wieder in guten, wenn auch bescheidenen Häusern wohnen werden? Gott allein weiß es. Aber er weiß auch, daß die Zeit, die bis dahin noch vergeht, nicht unfruchtbar bleiben wird. Roden wird aus den Trümmern auferstehen mit erneuerter Jugend, mit erneuerter Liebe.

(2) Spirituelle Erneuerung und Wiederaufbau der Pfarrkirche

Der 60m hohe Kirchturm, auf dem das deutsche MGGeschütz lag und das die Amerikaner beschossen hatten, war in sich zusammengefallen. Die Notkirche neben dem zerstörten Gotteshaus wurde am 19. August 1945 eingeweiht28. Noch bevor Pastor Karl Thiel am 20. Juli 1947 eingeführt wurde29 und in seiner Silvesterpredigt im Jahre 1947 zum Wiederaufbau der neuen Kirche aufrief30, hatten Mitglieder der katholischen Jugend die Initiative ergriffen, um die vom Krieg zerstörten Kreuze wieder aufzurichten und auch das religiöse Leben in den einzelnen Straßen aus den Trümmern wieder auferstehen zu lassen, wie es Kirschweng ein Jahr vorher treffend beschrieben hatte.

(3) Drohende Umsetzung des Menkès-Planes

Ehe am 15. Dezember 1947 der erste saarländische Landtag aus seiner Mitte den Abgeordneten Johannes Hoffmann (CVP) wählte, gab es die „Verwaltungskommission des Saarlandes“, welche am 9. Oktober 1946 mit einem Regierungspräsidenten an der Spitze und sieben Regierungsdirektoren ihre Arbeit aufgenommen hatte und gesetzgebende wie ausführende Gewalt unter Aufsicht des Militärgouverneurs Gilbert Grandval inne hatte31. Grandval hatte den Architekten Menkès favorisiert, der spezielle Pläne des Wiederaufbaus hatte, welche gerade nicht von der Rodener Bevölkerung geteilt wurden.

Die Motivation, Roden wieder aufzurichten, lag daher in der drohenden Umsetzung des sog. Menkès-Plans. Edouard Menkès (1903-1976)32 erarbeitete einen Bebauungsplan, in dem nach einem kurzen Abriss der Geschichte eine geographische Analyse und Skizzen zur Bevölkerungsentwicklung der Stadt Saarlouis folgen33. Des Weiteren geht er auf die ungleiche Entfaltung ein, die die Kernstadt von ihren Stadtteilen trennt. Menkès sah den Grund hierfür in der fehlenden Gesamtkonzeption für den Raum, denn Schwerindustrie, Bergbau und Eisenbahnanbindung bescherten den „Massensiedlungen“ Roden, Fraulautern und Ensdorf einen massiven Aufschwung, von dem Saarlouis nicht profitiere. Die einzige Daseins-berechtigung für Saarlouis bestehe als kulturelles und verwaltungstechnisches Zentrum eines im Zusammenhang zu sehenden Gebietes von ca. 3500 ha, das im Osten die Gemeinden Roden, Fraulautern, Ensdorf, im Süden Lisdorf, im Westen Beaumarais, Wallerfangen, Picard und im Norden Dillingen umfasse. Menkès sah die starke Industrie im Norden und Osten, die Landwirtschaft im Westen und Süden und die Verwaltungszone im Zentrum beheimatet. Die Chance zur Planung sei allerdings verschenkt worden, so dass ein Durcheinander von Wohnhäusern, Landwirtschaft, Handelshäusern und industriellen Niederlassungen vorherrsche. Menkès schwebte vor, die großen Zerstörungen als Chance für sich als Stadtplaner zu nutzen, um den Gesamtraum von Saarlouis von der fehlenden Planung zu befreien und den gesamten Raum zu „einem zusammenhängenden Organismus“ zu verschmelzen. Menkès sah vor, das Dillinger Industriegebiet auszudehnen34. Roden und Fraulautern, d.h. die am stärksten zerstörten Wohngebiete, sollten gar nicht wieder aufgebaut, sondern in Industriegebiet umgewandelt werden! Dies stieß in der Bevölkerung auf immensen Widerstand und war wohl einer der Hauptgründe für das Scheitern des gesamten Planes. Denn nach Menkès sollte als Wohngebiet nur die Saarseite zwischen Wallerfangen und Saarlouis vorzusehen sein. Dort sollten hohe Wohnblocks geschaffen werden. Menkès plante ein neu anzulegendes Industriegebiet von Ensdorf im Süden bis zu Dillingen im Norden. Die ehemaligen stark zerstörten Wohngebiete Roden und Fraulautern waren als Standorte für die Bauindustrie gedacht. Wegen der großen Nachfrage nach Wohnraum sollten in Fabriken vorgefertigte Metallhäuser verwendet werden (solche Metallhäuser wurden als sog. MAN-Häuser auch in Deutschland gefertigt und verwendet). Zwischen Dillingen und Fraulautern sollte auch ein Hafen entstehen35.

(4) Scheitern des Menkès-Planes

In der Stadtratssitzung vom 16. März 1948 scheiterte dieser Menkès-Plan, denn der Stadtrat beschloss den Wiederaufbau von Roden und Fraulautern. Obwohl man dem Menkès-Plan gewisse Qualitäten als Generalbebauungsplan zugestand, betonte der Rat, dass dessen Ausführung zu lange dauern werde, wo zunächst einmal Schadensbegrenzung und die Wiederaufnahme eines geregelten Wirtschaftslebens im Vordergrund standen.

Ein verwaltungsrechtliches Argument „rettete“ Roden vor dem Menkès-Plan. Denn als Generalbebauungsplan erfordere der Menkès-Plan zu viele Investitionen, die in die Landeskompetenz fielen, etwa die Kanalisation der Saar, der Bau von Autobahnen oder die Verlegung der Bahnlinie. Geschickt berief sich der Rat nämlich auf die Rechtsanordnung 182 (Amtsblatt 44/1947), die den Gemeinden das Recht einräumte, dringliche Aufgaben des Wiederaufbaus selbst zu regeln. Die Gemeinden durften größere Projekte in Einzelmaßnahmen aufteilen und einen sogenannten Neuordnungsplan aufstellen, der von der Regierung in Zusammenarbeit mit dem Landrat und der Architektenkammer geprüft wurde. Beim Neuordnungsplan hatte die Öffentlichkeit ein Einspruchsrecht und man musste auf die jeweiligen Grundbesitzer Rücksicht nehmen. Da der Menkès-Plan als Gesamtplan keine Rücksicht auf individuelle Besitzverhältnisse nahm, konnte diese Regelung den Plan aushebeln. Seit dem 12. Juli 1948 war die Stadt somit Trägerin aller Maßnahmen, die die Durchführung des Neuordnungsplanes betrafen.

Trotz des Drucks seitens des Generals Gilbert Grandval, der unablässig an Menkès festhielt, kam es zu einem Kompromiss. Letztlich arbeitete Menkès mit der Bauhütte zusammen, die aus sechs Preisträgern bestand. Diese kamen aus einer 1948 gegründeten Wiederaufbaukommission, welche wiederum aus einem vorher ausgeschriebenen Architekten-Wettbewerb hervorgegangen war36.

Das Sitzungsprotokoll des Stadtrates37 zitiert den Oberbürgermeister Anton Merziger mit den Worten: „Ich möchte noch bemerken, daß Roden und Fraulautern bis jetzt 225 Millionen ffrcs bekommen haben.“ Dort hieß es weiter auf die Frage, ob die Öffentlichkeit über die finanzielle Situation aufgeklärt worden sei, von Bürgermeister Merziger, dass er es nicht für angebracht halte, der Öffentlichkeit davon Kenntnis zu geben. Ein höherer Beamter des Hohen Commissariats habe ihm geraten, die Sache nicht allzusehr in der Öffentlichkeit breit zu machen, weil die Leute in Lothringen kein Geld bekommen38. Damit war amtlich, dass trotz der Streitigkeiten um die Beteiligung des französischen Chefarchitekten Edouard Menkès und die Drohungen Grandvals, keine Subventionen zu zahlen, gleichwohl die Stadt Saarlouis als auch ihre Stadtteile Roden und Fraulautern für ihren Wiederaufbau Geld erhielten. Roden war ja 1907 nach Saarlouis eingemeindet worden39. Widerstand gegen die Pläne von Menkès, Saarlouis als reines Verwaltungszentrum zu gestalten, kam bereits auf, als die Saarlouiser Kaufmannschaft und der Stadtrat die französische Verwaltung drängten, in der französischen Straße eine provisorische Bebauung mit 50 Geschäftslokalen zuzulassen40.

Im zu 87% zerstörten Stadtteil Roden41 kamen die heimgekehrten Einwohner der Verwirklichung des Menkès-Plans zuvor und verhinderten die Aussiedlung der Einwohner, indem sie sofort ohne Baugenehmigungen mit dem Wiederaufbau ihrer Häuser begannen42, also Fakten schufen. Wie ihre Wohnhäuser baute die gesamte Bevölkerung auch ihre Pfarrkirche wieder auf, was sicherlich auch auf den großen Einsatz Pastor Thiels zurückzuführen war43.

(5) Kreuze und Glocken

Genauso wie bei den Wohnhäusern und der Pfarrkirche baute die Bevölkerung bzw. die Katholische Jugend infolge der allgemeinen Notlage und Materialknappheit auf die noch vorhandene trümmerhafte Bausubstanz. Unter Ausnutzung der stehengebliebenen Teile blieb man im Geist der Tradition, doch erinnerten die Errichter in Schlichtheit und Einfachheit traditionsbewusst an erschlagenes, durch den Krieg hinweggefegtes christliches Erbe. Damit begruben sie den Krieg, der vorher die Vermissten und Gefallenen unter sich begraben hatte. Es war ihre ureigene Form, kurz nach dem Kriege mit der gänzlichen Zerstörung von Familien, von Wohngebäuden und der Auslöschung jeglicher Spiritualität fertig zu werden.

Mit ihrer Aufforderung, an die Vermissten und Gefallenen zu denken, sind diese Kreuze seit 1947 sichtbar. Hörbar seit dem Frühjahr 195444 ist das neue Glockengeläut aus der Gießerei Friedrich Otto, Saarlouis-Fraulautern.

Der Glockengießer Friedrich Otto (1907-1978) errichtete eine Zweiggießerei der Hemelinger Glockengießerei F. Otto (Hemelingen bei Bremen) auf dem Gelände der zerstörten Gasanstalt45 in Fraulautern46, um den hohen Bedarf an zu gießenden Glocken nach dem Kriege zu decken.

Zu jeder Stunde schlägt in Roden die Gedenkglocke für die Gefallenen und Verstorbenen, St. Michael, die die Inschrift trägt47: Die Gefallenen im Krieg hast Du zum Himmel geführet, die in der Ferne noch sind, gib ihrer Heimat zurück. Aber auch die Glocke „Maria Assumpta“, zu Ehren der Patronin der Kirche und Gemeinde verweist auf die Trümmer Rodens, aus denen ein Neuanfang erwuchs, wenn es in der Inschrift heißt48: Aus den Trümmern erstand das Heiligtum Dir, o Patronin, gnädig vom himmlischen Thron schirm sie mit segnender Hand. Auf der St. Donatus-Glocke, den zweiten Ortspatron von Roden, ist angespielt auf die geistige Erneuerung der Jugend; dort heißt es in der Inschrift49: Für den Glauben hast Du, Donatus, Dein Leben geopfert, rein wie die Lilie bewahr unserer Jugend Gemüt.

Auf diese Weise ergeben die Inschriften der auf öffentlich sichtbaren Plätzen stehenden Nachkriegskreuze und die Inschriften dieser in Roden hörbaren Glocken ein Gesamtbild, das noch heute sowohl Erinnerung an die schweren Kämpfe im Rodener Ortskern 1944/45 als auch Dankbarkeit an den raschen und christlich geprägten Wiederaufbau der Heimkehrer zeichnet; Michael Thome schrieb zurecht zur Schilderung Kirschwengs50: „Roden erstand schneller und schöner, als Kirschweng es 1946 glauben konnte.“

Anmerkungen

1  Marc Finkenberg, Roden. Traditionsbewußtes Dorf und moderner Stadtteil, Saarlouis 1997 (Geschichte der Kreisstadt Saarlouis, Bd. 5); Ortsinteressenverein für Handel, Industrie, Gewerbe (Hg.), 100 Jahre Stadtteil Roden, 1907-2007, Saarlouis-Roden 2007, 247 S. (Jubiläumsband zur Eingemeindung); Severin Delges, Saarlouis-Roden im Wandel der Jahrhunderte, Saarbrücken 1933 (Saarbrücker Druckerei und Verlag), 166 S.; ders., Die Finanzen der Stadt Saarlouis: ein Beitrag zu dem Finanzund Steuerwesen im Saargebiet, Diss. Heidelberg 1922, VII + 164 S. Ebenfalls: Hans Prümm, Saarlouis. Die Entstehung und Entwicklung seiner beiden Ortsteile, in: Saarlouis 1680-1930, Rückschau und Ausblick, Bürgermeister Dr. Latz (Hg.), Saarlouis 1930, S. 1-13, wobei hier nur die Seiten 3-10 zu beachten sind. Denn Prümm spricht erst ab Seite 3 (unten) von „Die Vergangenheit des Stadtteils Roden.“. Prümm, der 1915 im Kriege gefallen war, schrieb lediglich die Seiten 1-10. Der Abschnitt „Saarlouis in und nach dem Weltkriege“ (S. 10-13) figuriert zwar unter Prümms Namen, ist aber ein Zusatz, den Prümm nie geschrieben haben kann. Mangels Angabe ist dieser Abschnitt m.E. dem Herausgeber, also dem Bürgermeister Dr. Latz, zuzurechnen, der hier ohne Umschweife „deutsche Art und deutsches Wesen trotz zeitweiliger Überwucherung durch fremden Geist“ betont, wie er selbst im Vorwort („Zum Geleit!“, S. V) ausruft.

2  Weidner/Rau, in: Kirchenchor „Caecilia“ Mariä Himmelfahrt SaarlouisRoden (Hg.), 150 Jahre Musica Sacra, Festschrift 1843-1993, Saarlouis 1993, S. 84-97; ebenfalls jüngst: Kreuze von Roden im Wandel der Zeit von Bapties Bies, 26. Juni 2009, zu finden im Internet unter: http://picasaweb.google.com/phelan1974/NotkreuzeBies#.

3  Weidner/Rau, S. 86. Auf das im Oktober 2009 auf dem Grundstück Mühlenstraße 66 gefundene Kreuz sei hier lediglich verwiesen. Andreas Rival und Victor Rau vom Rodener Geschichtskreis, Arbeitskreis im Ortsinteressenverein (OIV) Roden, haben es ausfindig gemacht. Es geht wohl auf die Zeit des Dreißigjährigen Krieges zurück. Ob es damit das älteste Kreuz ist, das wir bis dato kennen, muss sich herausstellen. Für unsere Untersuchung der Wegekreuze in Erinnerung an den Kriegswinter 1944/45 ist dieses Kreuz – obwohl für die Rodener Ortsgeschichte zweifellos ein Sensationsfund! - nicht weiter von Belang.

4  Weidner/Rau, S. 93.

5  Weidner/Rau, S. 95-97.

6  Weidner/Rau, S. 92. Das Kreuz steht an der Ecke Heiligen-/Treppenstraße.

7  Weidner/Rau, S. 94. Die jetzige Form des Kreuzes stammt aus dem Jahre 1966. Es wird berichtet, dass an der Stelle im Jahre 1931 der damalig 17-jährige Junge Theobald aus der Viktoriastraße bei einer Treibjagd tödlich getroffen worden sei. An der Unfallstelle habe seine Familie zunächst ein Birkenkreuz errichten lassen. Als der Stellmacher Jakob Gergen aus der Donatusstraße sich bei einem Spaziergang 1965 im Rodener Wald den Fuß gebrochen habe, habe er versprochen, das Kreuz im Walde zu erneuern, wenn ihn jemand finden würde. Als ihn tatsächlich jemand fand und ins Krankenhaus brachte, fertigte er nach seiner Genesung ein neues Kreuz, das er an die Stelle des alten Unfallkreuzes aus den 1930er Jahren stellte.

8  Weidner/Rau, S. 87; Karl Mangold, Der Tod hält Einkehr in Roden, 1000 Jahre Pfarrei Roden, Festschrift, Saarlouis 1952, S. 51-52; Delges, Saarlouis-Roden (Fn. 1), S. 136.

9  Hewer (1920-2004), Rodener Geschichten, Gedichte, Erzählungen, Roden 1992, S. 45-46; Prümm (Fn. 1), S. 10, notiert, dass im Jahre 1843 Roden 2016 Einwohner und 1914 sogar 7555 Einwohner zählte.

10  Finkenberg (Fn. 1), S. 116-117; Margarethe Thinnes, Wegekreuze und Bildstöcke im Saarland, Saarbrücken 1985, S. 44.

11  Zeichnung bei Hewer, S. 46, mit Verweis auf das SZ-Archiv.

12  Dazu Hewer, S. 48.

13  Weidner/Rau, S. 91.

14  Weidner/Rau, S. 88.

15  Weidner/Rau, S. 89. Das Kreuz ist heute mit dem Haus Folz an der Hauswand verbunden.

16  Weidner/Rau, S. 90.

17  Finkenberg, S. 208.

18  Zitiert nach Kirchenchor „Caecilia“, Festschrift, S. 98.

19  Ignaz Irsch zeichnete 1979 auch für Text und Redaktion der Festschrift zum 100jährigen Bestehen des Turnvereins Roden verantwortlich: 100 Jahre Turnverein 1879 Saarlouis-Roden 1879-1979, 108 S. u. Ill.

20  Kirchenchor „Caecilia“, Festschrift, S. 98.

21  Siehe unter Künstlerlexikon Saarland beim Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis, Oranna Dimmig in: http://www.kunstlexikon-saar.de/kunstim-oeffentlichen-raum/artikel/seite/2/kategorie/saarlouis/einzelansicht/saarlouis-messner-notkreuz/97/. Außerdem: Jo Enzweiler (Hg.), Kunst im öffentlichen Raum, Bd. 3 Landkreis Saarlouis, Saarbrücken 2009, S. 306; Ortsinteressenverein für Handel, Industrie, Gewerbe (Hg.), 100 Jahre Stadtteil Roden (Fn. 1), S. 32, 97.

22  Vgl. auch Andreas Neumann, Rodena-Rodener Geschichte(n) 2008 sowie www.Rodena.Erlebe-es.de sowie ders., im Rodener Rundblick 1 (2009), hg. vom Ortsinteressenverein Roden e.V., S. 9.

23  386 Seiten. 1992 erschien das Taschenbuch in 2. Auflage.

24  Unsere Heimat 4 (2001), S. 133-142; in diesem Kontext siehe den Kriegsbericht zu Berus von Susanne von Schroeter: Unsere Heimat 4 (2008), S. 175-192 sowie 1 (2009), S. 1-13.

25  Karl August Schleiden, Aus provinzieller Enge zur Weltoffenheit. Kulturelle Entwicklung 1815-1957, in: Das Saarland. Politische, wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung, Landeszentrale für politische Bildung (Hg.), Saarbrücken 1991, S. 83-110, hier S. 99.

26  Schleiden, S. 99. Siehe auch W. H. Recktenwald, Literarisches Leben im Saarland. Versuch einer Bestandsaufnahme, in: Das Saarland. Ein Beitrag zur Entwicklung des jüngsten Bundeslandes in Politik, Kultur und Wirtschaft, hg. unter Mitwirkung von Saarpolitikern und Sachkennern von Klaus Altmeyer, Jakob Szliska, Werner Veauthier und Peter Weiant, Saarbrücken 1958, S. 306-346.

27  Kirschweng im „Paulinus“ vom Oktober 1946, Nr. 30.

28  Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt (Hg.), Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt zu Saarlouis-Roden. Ein Wegweiser durch das Gotteshaus, erarbeitet vom Öffentlichkeitsausschuss des Pfarrgemeinderates aus Anlass der 1050-Jahrfeier der Pfarrei Roden, Roden 2000, S. 6-7.

29  Wolfgang Wiotte, Ein Blick in die Chronik des Kirchenchores „Caecilia“, in: Kirchenchor „Caecilia“, Festschrift, S. 43-83, hier S. 45.

30  Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt (Hg.), Die Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt, S. 7.

31  Thomas Gergen, Von der Saarprovinz zum Saarland. Die Vorgängerorganisationen des Saarlandes bis zu den Volksabstimmungen von 1935 und 1955, in: Saarländische Kommunalzeitschrift (SKZ) 9 (2005), 211230, hier S. 222.

32  Architekturstudium an der Technischen Universität in Wien, ab 1924 an der Ecole des Beaux Arts (Hochschule der schönen Künste) in Paris. Erfolgreiche Beteiligung an zahlreichen Wettbewerben. Nach seiner Deportation 1945 Wiederaufbauplanung in Saarlouis. Entwicklung von Musterhäusern in Metallbauweise. Menkès kam am 14. Februar 1946 nach Saarlouis, um dort ab Mai 1946 an der Erstellung des „Generalbebauungsplans von Groß-Saarlouis“ zu arbeiten. 1949 kehrte Menkès nach Paris zurück, vgl. Lutz Hauck, Saarlouis nach der Stunde Null. Der Wiederaufbau zwischen Tradition und Moderne, St. Ingbert 1998, Schriften des Landkreises Band 3, S. 24; Oranna Dimmig, Zur Stadtentwicklung von Saarlouis: Die ehemalige Festungsstadt als Bezugsrahmen für die Kunst im öffentlichen Raum, in: Jo Enzweiler (Hg.), Kunst im öffentlichen Raum, Bd. 3 Landkreis Saarlouis, Saarbrücken 2009.

33  Zur unmittelbaren Nachkriegszeit vgl. Erläuterungen mit den einschlägigen Bilddokumenten: Helmut Grein/Alois Prediger/Wolfgang Bonaventura, Die Kreissparkasse Saarlouis – Tradition, die bewegt! Eine Region im Brennpunkt der Geschichte, 1816-1857-2007, Saarlouis 2007, S. 213-224, in Sonderheit S. 217 (zerstörtes Rodener Haus), S. 218 (Menkès-Plan).

34  Edouard Menkès, Das Projekt für den Aufbau von Saarlouis, Bauzeitschrift: Wohnen, Arbeiten, sich Erholen, 1./2. Jahrgang, Saarbrücken, Saarländische Verlagsanstalt, 1947-1948, S. 33-42, insbesondere S. 35-37.

35  Hauck, Saarlouis nach der Stunde Null, S. 44.

36  Hauck, Saarlouis nach der Stunde Null, S. 27-30; Finkenberg, S. 205-208.

37  Band 2, Presseabteilung des Rathauses Saarlouis, S. 64, zitiert bei Hauck, Saarlouis nach der Stunde Null, S. 32.

38  Hauck, S. 32.

39  Anne Hahn, Die Entfestigung der Stadt Saarlouis, St. Ingbert 2000 (Schriften des Landkreises Saarlouis, Band 4), S. 147.

40  Sitzungsprotokolle des Stadtrates, Band 1, S. 107 und 110, zitiert bei Hauck, S. 47.

41  Hauck, S. 39.

42  Michael Thome, in: Kreisstadt Saarlouis (Hg.), Kunst im Kirchenraum Saarlouis 1100-1980, Katalog zur Ausstellung Städtisches Museum 1980, S. 44.

43  Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt (Hg.), S. 7; Thome, Kunst im Kirchenraum Saarlouis, S. 44; nach 27 Jahren Tätigkeit in der Pfarrei Mariä Himmelfahrt verließ Karl Thiel Ende 1974 seine Rodener Pfarrei und übernahm die kleinere Pfarrei St. Bartholomäus in Ayl/Saar, wo er am 13. Juli 1978 verstarb. Zu Ayl siehe Maximilian Hommens/Thomas Gergen, Glocken haben ihre Schicksale, in: Zeitschrift für die Geschichte der Saargegend (ZGS) LII (2004), S. 33-52, sowie in: Saarbrücker Bibliothek (Internet Universität des Saarlandes). Im Oktober 1982 wurde das Pfarrheim der Pfarrei Mariä Himmelfahrt in „Karl-Thiel-Haus“ zum Andenken an Pastor Thiel umbenannt. Siehe dazu Wiotte, Kirchenchor „Caecilia“ (Hg.), S. 53.

44  Die 1924 in Colmar bei Cosard gegossenen vier Glocken mussten 1942 abgenommen und zu Kriegszwecken übergeben werden; Edgar Schwer, Kirchenglocken und ihre Bedeutung. Glockengießereien, Glockenverluste der evangelischen und katholischen Pfarreien im Landkreis Saarlouis, in: Unsere Heimat 4 (2002), S. 137-171. Die beiden Reproduktionen zur Glockenabnahme von 1942 finden sich auf S. 141. Zur Glockengießerfamilie Cosard S. 151-153. Im Übrigen waren die Glocken von 1901 ebenfalls bei Cosard in Colmar gegossen worden. Dies weist die Glockenmeldung von 1917 aus. Dazu und zur Glockenmeldung vom 21. Februar 1941, Schwer, S. 167. Zur Konkurrenz der Gießerei von Friedrich Otto in Saarlouis-Fraulautern und der Gießerei des traditionsreichen Unternehmens Hausen-Mabilon (Saarburg) siehe Schwer, S. 154 sowie Bernhard Bonkhoff, Die Glocken des Saarlandes, Saarbrücken 1997, S. 51-56 sowie Siegfried Drescher, 200 Jahre Glockengießerei Saarburg, in: Trier-Saarburg. Heimatbuch des Landkreises 1970, S. 113-115; Paul Fuh, Die Glockengießerfamilie Mabilon zu Saarburg, in: Philipp Wey, 1000 Jahre Saarburg, Saarburg 1964, S. 139-148.

45  Heute Ölwerkweg, Seitenstraße der Rodener Straße, neben Haus Tock bzw. den Stadtwerken.

46  Friedrich Otto kam infolge von Geschäftskontakten nach 1951 öfter ins Saarland und hatte bald die vorteilhaften Möglichkeiten des Saarlandes erkannt. 1950 war die Hemelinger Gießerei wieder produktionsbereit und nahm einen Großauftrag an, nämlich den Guss der Glocken des Trierer Doms, die am 24. Juni 1951 eingeweiht worden waren, vgl. dazu Schwer, S. 155-156.

47  St. Michaels-Glocke 98 Zentner, Gis°, zitiert nach Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt (Hg.), S. 29.

48  Maria Assumpta, 56 Zentner, H°, zitiert nach Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt (Hg.), S. 29.

49  St. Donatus-Glocke 24 Zentner, E, zitiert nach Katholisches Pfarramt Mariä Himmelfahrt (Hg.), S. 30.

50  Fn. 27; Thome (Fn. 42), S. 54.