Handwerker, Dienstleistung

Stichwort: Verhältnis Arzt - Patient
Speziell : Haftung : Aufklärungspflicht des Arztes bei kosmetischen Operationen


Vor einer kosmetischen Operation muß der Arzt den Patienten über Erfolgsaussichten und Risiken des Eingriffs besonders sorgfältig und umfassend aufklären.

Sachverhalt : Die Klägerin wollte sich ihre Falten unterhalb des Kinns beseitigen lassen. Die Beklagte war die Leiterin der Abteilung für plastische Chirurgie eines Krankenhauses

in A .

Am 3..10.78 und am 6.3.79 wurde der Operationsablauf besprochen und am 7.3.79 wurde die Klägerin von der Beklagten operiert. Die Klägerin hält das Operationsergebnis für unbefriedigend und verlangt deshalb von der Beklagten Schadensersatz und Schmerzensgeld. Die Klägerin macht geltend, daß sie vor der Operation nicht hinreichend über deren Erfolgsaussichten und Risiken aufgeklärt worden sei, insbesondere nicht darüber, daß es zu länger andauernden, operationsbedingten Beschwerden im Halsbereich kommen kann.

In 3. Instanz hatte die Klage Erfolg.

Entscheidungsgründe : Der Beklagten sind zwar keine Behandlungsfehler unterlaufen. Das Berufungsgericht hat aber zu geringe Anforderungen an die notwendige umfassende Aufklärung der Klägerin über die Erfolgsaussichten und Risiken der geplanten Operation gestellt.

Daher war die Einwilligung der Klägerin in die Operation unwirksam mit der Folge, daß ihr Schadensersatzansprüche zustehen.

Je weniger ein ärztlicher Eingriff medizinisch notwendig ist, umso ausführlicher und eindringlicher ist der Patient, dem zu diesem Eingriff geraten wird oder den er selbst wünscht, über Erfolgsaussichten und mögliche Risiken zu informieren. Dies gilt insbesondere für kosmetische Operationen. Der Patient muß in diesen Fällen darüber unterrichtet werden, welche Verbesserungen er günstigstenfalls erwarten kann und etwaige Risiken müssen ihm deutlich vor Augen geführt werden, selbst wenn diese auch nur entfernt in Betracht kommen können. Der Patient muß in der Lage sein, genau abzuwägen, ob er einen eventuellen Fehlverlauf in Kauf nehmen will.

Die Rechtsprechung stellt deshalb sehr strenge Anforderungen an die Aufklärung des Patienten vor einer solchen Operation. Diesen Anforderungen hat die Aufklärung der Beklagten im vorliegenden Fall nicht genügt. Auch wenn man der Darstellung der Beklagten folgt, so hat sie die Klägerin nur unzureichend über die Erfolgsaussichten unterrichtet. Aufgrund des präoperativen Hautüberschusses war überhaupt nur ein mäßiger Erfolg erreichbar. Dies hat auch der Sachverständige bestätigt. Insbesondere hat es die Beklagte hier versäumt, die Klägerin auf mögliche, länger andauernde Beschwerden im Halsbereich hinzuweisen. Die Beklagte ist daher der gebotenen Aufklärungspflicht nicht nachgekommen.

BGH, VI ZR 8 / 90, NJW'91, 2349


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