Handwerker, Dienstleistung

Stichwort: Sport - oder Konzertveranstaltungen
Speziell : Verspäteter Konzertbeginn
Ist ein Open-air-Konzert für die Zeit von 17 bis 22 Uhr angesagt, beginnt aber wegen technischer Schwierigkeiten, etwa beim Bühnenaufbau, erst um 21.30 Uhr, dann kann ein Besucher, der noch etwa 1 Stunde zuhört, 4/5 des Eintrittspreises (hier: von 45 DM Eintritt 36 DM) zurückverlangen.

Sachverhalt : Im Juni '92 fand in A ein Open-air-Konzert statt. Der Kläger hatte für 45 DM eine Eintrittskarte gekauft. Auf Plakaten und in der Rundfunkwerbung hatte der beklagte Konzertveranstalter bekanntgegeben, daß das Konzert von 17 - 22 Uhr dauern werde.

Wegen Schwierigkeiten beim Bühnenaufbau verzögerte sich der Konzertbeginn bis

21.30 Uhr . Das Konzert dauerte schließlich bis 0.23 Uhr.

Um 19.30 Uhr war der Kläger nicht mehr bereit länger zu warten und verlangte die Eintrittskarte und sein Eintrittsgeld zurück. Da ihm dieses verweigert wurde blieb er schließlich bis zum Konzertbeginn. Um 22.30 Uhr war er dann jedoch so müde, daß er das Konzert verließ. Der Kläger verlangt die Rückzahlung des Eintrittspreises.

Die Klage hatte i.H.v. 36 DM Erfolg.

Entscheidungsgründe : Nach dem Ergebnis der Hauptverhandlung steht fest, daß der Kläger im Besitz einer Eintrittskarte gewesen war, d.h. auch den Eintrittspreis für die Veranstaltung gezahlt hatte.

Die Durchführung des Konzerts (Anm.: juristisch korrekt : die Herstellung des "Werkes" im Sinne des Werkvertrages) begann mit erheblicher Verspätung. Eine Verspätung von ca. 4 1/2 Stunden ist auch bei solchen Konzerten nicht mehr unerheblich. Geht man davon aus, daß der Konzertbeginn um etwa 17 Uhr als vertraglich vereinbarter Termin zu werten ist, so war der Kläger zum Rücktritt berechtigt ( § 636 Abs.1 BGB ) . Diesen Rücktritt hat er um 19.30 Uhr erklärt.

Da die Gegenseite den Kläger faktisch zum Dableiben zwang, indem sie ihm weder das Eintrittsgeld noch die Eintrittskarte herausgab, kann sie sich nicht darauf berufen, daß der Kläger schließlich den Konzertbeginn abwartete und noch einen Teil des Konzerts anhörte.

Der Beklagte ist daher verpflichtet, den Eintrittspreis zu erstatten. Der Kläger seinerseits muß dem Beklagten den Wert der geleisteten Dienste vergüten, welche er in Anspruch nahm, sprich für den Konzertgenuß von 1 Stunde 1/5 des Eintrittspreis, d.h. 9 DM zahlen.

AG Passau, 11 C 1892 / 92, NJW'93, 1473 ff


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