Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

(http://www.jura.uni-sb.de/projekte/Bibliothek)



I. Die These: Koordination statt Subordination - Partizipation statt Autokratie


Die folgenden Überlegungen zur künftigen Entwicklung des Franchisevertriebs und des Franchiserechts in Europa sind von einem scharf pointierten Grundgedanken getragen: Am Beginn des neuen Jahrtausends steht das Selbstverständnis des Franchising nicht nur betriebswirtschaftlich und marketingtechnisch, sondern auch juristisch vor einem Paradigmawechsel: Die klassischen Systeme des strikt vertikal organisierten, autokratisch von der Zentrale gesteuerten Anweisungsvertriebs, bei denen es im Kern um eine Simulation von Filialsystemen ging, stoßen an ihre Grenzen und erweisen sich immer weniger als überlebensfähig, und zwar aus absatzwirtschaftlichen, marketingpraktischen wie aus rechtlichen Gründen. Das vertraute Subordinations-Franchising mag zwar nicht völlig ausgedient haben, wird aber in vielen Branchen zurückgedrängt werden. Die modernen Franchisesysteme sind statt dessen auf Partizipation und Gemeinschaftlichkeit angelegt. Der Trend im Franchising geht - so darf ich meine These plakativ formulieren - von der Subordination zur Koordination, vom Zentralmarketing zum Gemeinschaftsmarketing, von der Autokratie zur Partizipation. Die Hintergründe hierfür liegen auf der Hand: Es war zu erwarten, dass die Innovationen im modernen Marketing, dass Mikro-Marketing, E-commerce sowie und Inter- und Intranet am Franchising nicht spurlos vorübergehen würden. Diese technologischen Innovationen haben auch das Franchising als strategisches Netzwerk zur Verknüpfung unternehmerischer Einheiten und als absatzwirtschaftliche Gruppenkooperation zur erfolgreichen Marktbearbeitung revolutioniert. Heute sind die dramatischen Veränderungsprozesse im praktischen Franchisevertrieb bereits greifbar. In meinen Überlegungen soll es um die rechtlichen Konsequenzen gehen, die hieraus zu ziehen sind.



 


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