Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

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b) Grenzen der Informationsverarbeitungskapazität


Aber ebenso einleuchtend ist, daß hierbei Grenzen der Informationsverarbeitungskapazität eingehalten werden müssen, weil sonst gleichsam der Schuß nach hinten losgehen könnte. Dies setzt voraus, daß der Verbraucher die an die Hand gegebenen Informationen aufnehmen und verarbeiten kann. Die Anzahl der Informationen, die auf einen Kunden im Laufe eines Verkaufsgesprächs zum Time-Sharing einströmen, ist nach deren Quantität und Komplexität beträchtlich. Typischerweise wird er zunächst einer oft mehrstündigen Beeinflussung durch den Verkäufer ausgesetzt, die zum Ziel hat, daß er sich eine eigene positive Vorstellung vom Time-Sharing bildet und sich zum Kauf entschließt. Unter Beachtung des in der Vertragsabschlußsituation zum Teil sogar schon bewußt erzeugten Zeitdrucks erscheint es illusorisch, daß der Verbraucher alle gegebenen Informationen aufnimmt, verarbeitet und in seine Entscheidung mit einfließen läßt bzw. überhaupt einfließen lassen könnte, selbst wenn er sich besondere Mühe geben würde.[41] Nach Vertragsabschluß hat er zwar sein Widerspruchsrecht, doch ist die Frist hierfür reichlich kurz bemessen. Vielfach kommt das “böse Erwachen” erst, wenn eine Loslösung vom Vertrag nicht mehr möglich ist; dies ist in den literarischen Stellungnahmen zur Time-Sharing-Richtlinie und zur deutschen Umsetzung im Teilzeitwohnrechtegesetz zu recht scharf kritisiert worden.[42]

Es ist schon bei der bloßen Lektüre der Richtlinie schwer zu erkennen, wie deren Informationsmodell das Verbraucherverhalten vor oder nach Vertragsabschluß sachgerecht beeinflussen könnte.[43] Daran vermag die hohe Aufmerksamkeitsschwelle kaum etwas zu ändern, die sich aus dem für den durchschnittlichen Erwerber hohen Preis von Time-Sharing-Rechten ergibt. Geschickte Anbieter haben wenig Mühe, dies durch psychologisch raffinierte Argumente zu neutralisieren, von denen nur die Erhöhung des Sozialprestiges genannt sei, die der Kauf eines derartigen Nutzungsrechts mit sich bringe. Auch bei einem vorsichtigen Erwerber und verständigen Verbraucher mit starker Informationsneigung sind die Chancen, daß wenigstens die wichtigsten der gesetzlichen Pflichtangaben wahrgenommen werden, umso geringer, je höher deren Zahl und Unübersichtlichkeit ist.


[41] Kritisch zu der großen Regelungsdichte der Pflichtangaben Martinek (Fn. 36), S. 1396; Eckert (Fn. 36), S. 6; vgl. auch Mäsch (Fn. 36), S. 11 ff., der von einer "Bumerang"-Wirkung spricht.
[42] Vgl. dazu Martinek (Fn. 36), S. 1397 mit Nachweisen dort in Fn. 22 bis 27.
[43] Anderer Ansicht aber offenbar Kind (Fn. 3), S. 511.

 


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