Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

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e) Kostentransparenz als Mittel zur Optimierung der Kaufentscheidung


Genau genommen ist aber selbst unter der theoretisch-modellhaften Voraussetzung einer optimalen Informationskapazität des Erwerbs äußerst zweifelhaft, ob der Katalog von Pflichtangaben zu der beabsichtigten wesentlichen Erhöhung der Kostentransparenz führt und den Timesharer wirklich in die Lage versetzt, auf aussagekräftige und entscheidungsrelevante Schlüsselinformationen zurückzugreifen. Auch wenn der Erwerber mit kaufmännischer Akribie stundenlang alle Dokumente, den Prospekt und den Vertrag mit allen Anlagen studiert und vergleicht, ist für ihn eine Optimierung seiner Kaufentscheidung nur möglich, wenn er seine finanzielle Gesamtbelastung und auch die Kosten pro Jahr ermitteln kann. Mit der Frage der entstehenden Kosten befassen sich die Buchstaben i) und k) des Anhangs zur Richtlinie. Demnach müssen dem Timesharer angegeben werden: der Preis für das Nutzungsrecht, der geschätzte Betrag der vom Erwerber zu zahlenden laufenden Kosten für Versorgungseinrichtungen, gemeinsame Dienstleistungen, die laufenden Kosten für die Nutzung des Wohngebäudes wie Steuern, Abgaben, Verwaltungsaufwand, Instandhaltung und Rücklagen sowie die Kosten eines vermittelten Tausches. Nach Buchstabe i) muß indes nur der "geschätzte" Betrag der laufenden Kosten für Versorgungseinrichtungen und gemeinsame Dienstleistungen etc. angegeben werden. Diese Schätzung läßt zumindest dann einen unnötig großen Spielraum, wenn der Anbieter das Time-Sharing-Objekt schon seit längerer Zeit betreibt. In einem solchen Fall könnten die bislang konkret angefallenen Kosten oder besser noch die Kostenentwicklungen der letzten Jahre angegeben werden.

Die für den Erwerber notwendigen Angaben über die laufenden Nutzungskosten einschließlich der Berechnungsgrundlagen sind im Anhang zur Richtlinie detailliert aufgelistet. Angesichts der besonderen Umstände beim Zustandekommen eines Time-Sharing-Vertrages und der Vielzahl von zu beachtenden Informationen ist es nicht die beste Lösung, daß die Kostenangaben im Vertragstext ohne Sanktion unverbunden nebeneinander stehen oder verteilt werden können. Im Interesse des Erwerbers wäre es geboten, ihm die Einschätzung der auf ihn zukommenden Belastungen dadurch zu erleichtern, daß er ein oder zwei feste Bezugsgrößen hätte, die Bestandteil aller Time-Sharing-Verträge sind. Beim Verbraucherkredit ist es dem Richtliniengeber gelungen, mit der Pflicht zur Angabe des effektiven Jahreszinses eine derartige feste Bezugsgröße zu installieren. So wurde eine einheitliche gemeinschaftsweite Formel für die Berechnung des effektiven Jahreszinses festgelegt, die es dem Verbraucher ermöglicht, durch Vergleich das für ihn günstigste Angebot im Binnenmarkt auszuwählen.[61] Beim Time-Sharing könnten zum Beispiel der Gesamterwerbspreis und die jährliche Gesamtbelastung (Summe der laufenden Kosten der Wohnungsnutzung und die Tauschgebühr) angegeben werden. Zwar ist es jedem Erwerber anhand der Einzelangaben möglich, diese Kostenfaktoren selbst zusammenzurechnen. Angesichts der gesetzlich vorgeschriebenen Vielzahl von detaillierten Pflichtinformationen kann auf möglichst leicht zu handhabende Bezugsgrößen nicht genügend Wert gelegt werden. Bei der gegenwärtigen Fassung der Richtlinie wird der Erwerber nur schwerlich vielsagende und zugleich prägnante chunks finden, die seiner Informationsüberlastung entgegenwirken können.[62]



[61] Vgl. zur Einführung einer gemeinschaftsweit einheitlichen Methode für die Berechnung des effektiven Jahreszinses die Richtlinie 90/88 v. 22.2.1990, ABl. EG Nr. L 61 v. 10.3.90.
[62] Kind (Fn. 3), S. 514, hält aus diesem Grunde den Übergang zur selektiven Informationsverarbeitung für wenig geeignet, die Informationsüberlastung beim Time-Sharing abzubauen.

 


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