Eule
S a a r b r ü c k e r   B i b l i o t h e k

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f) Zusammenfassende Kritik


Die derzeitige Verbraucherschutzgesetzgebung hängt auf europäischer Ebene, wie sich am Beispiel des Art. 4 der Time-Sharing-Richtlinie gezeigt hat, dem Souveränitätsideal des vollständig informierbaren Verbrauchers nach und trägt dessen Kapazitätsgrenzen nicht genügend Rechnung. Die Annahme des Richtliniengebers, der juristisch nicht gebildete Verbraucher könne alle gegebenen Informationen verarbeiten und die Risiken des Geschäfts erfassen, ist illusorisch. Die in das Informationsmodell des Art. 4 gesetzten Erwartungen, den Verbraucherschutz zu verbessern, erfüllen sich nicht; im Gegenteil, eine Überinformation spiegelt dem Verbraucher eine Sicherheit vor, die ihn eher noch zum Vertragsabschluß ermuntert als ihn davon abbringt.

Dem Richtliniengeber muß bewußt werden, daß die Art und Weise der Präsentation von Informationen wichtiger ist als deren Vollständigkeit.[63] Deshalb ist es notwendig, die Pflichtinformationen vom information-overload zu befreien auf einige wenige Schlüsselinformationen (chunks) zu beschränken, damit diese in der Entscheidungssituation transparent bleiben, so z.B. auf den Gesamterwerbspreis, die jährliche Gesamtbelastung als Summe der laufenden Nutzungskosten und der Tauschgebühr sowie auf die Frage des Eigentumserwerbs. Die Chance der Wahrnehmung und Verarbeitung würde sich noch zusätzlich erhöhen, wenn Anbieter die Pflichtinformationen als solche kenntlich machen müßten. In einem solchen Fall könnte der Timesharer dann zwischen freiwillig gegebenen und gesetzlich vorgeschriebenen Angaben auch in bezug auf deren Relevanz unterscheiden. Kurz: Weniger wäre mehr.




[63] In diesem Sinne wohl auch Grunewald, Aufklärungspflichten ohne Grenzen?, AcP 190 (1990), 609, 620; Diller, Verbesserungsmöglichkeiten der Verbraucherinformation durch Berücksichtigung verhaltenstheoretischer Erkenntnisse, JcP 1978, 24, 39; Raffée/Specht, in: Hansen/Stauss/Riemer (Fn. 46), S. 552, 562.

 


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