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URECHT Web-Dokumente: Aufsätze
Institut für Rechtsinformatik (IfRI)
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Institut für Rechtsinformatik (Prof. Dr. Herberger)

UrhR am IfRI >> Bibliothek >> Aufsätze >> URECHT Web-Dok. 21/1999
Erstveröffentlichung: UNICUM 10/1997, S. 70.

Dietwald Marschang

"...die Abtretung der Tantieme zieht für den Urheber
keine Kosten nach sich"

Wie Dissertationsverlage versuchen, Autoren über den Tisch zu ziehen.


Jahr für Jahr schließen in Deutschland über 20.000 Studenten ihre Hochschullaufbahn mit einer Promotion ab, Tendenz steigend. Doch wer den begehrten Doktorhut tragen will, muß seine Arbeit zunächst veröffentlichen. Denn vor der Berechtigung, den Doktortitel zu tragen, haben die Promotionsordnungen die Publikationspflicht gesetzt. Hier ist ein Riesenmarkt entstanden, von dem viele profitieren wollen: Verlage, Druckereien, Kopierläden, Satzanstalten, Schreibbüros usf.

Besonders einige Verlage wissen die Publikationspflicht für sich zu nutzen. Sie verlangen teilweise Druckkostenzuschüsse, die in keinem Verhältnis zu den tatsächlichen Herstellungskosten stehen. Und von den Bibliotheken, die die teuren Dissertationen früher oft automatisch geordert haben, wird auch kräftig abkassiert. Auf diesem grauen Markt blüht so mancher Wildwuchs. Die Palette der Merkwürdigkeiten reicht hier von abenteuerlichen Autorenverträgen, bei denen sich so manche unangenehme Überraschung im Kleingedruckten verbirgt, bis hin zu dubiosen Verkaufsversprechungen. Um Geld und Ärger zu sparen, sollten Sie deshalb auf folgende Punkte besonders achten:
  • Achten Sie auf den "Druckkostenzuschuß", den die Mehrzahl der Verlage von ihren Doktoranden verlangt. Manche Wissenschaftsverlage lektorieren die Manuskripte sorgfältig und lassen sich diese Arbeit, die durch den Buchverkauf zumeist nicht gedeckt wird, auch bezahlen. Einige Verleger jedoch verlangen deutlich überzogene "Druckkostenzuschüsse", die die eigentlichen Herstellungskosten oft um ein Vielfaches übersteigen. Die Herstellungskosten für eine Doktorarbeit von 250 Seiten (bei einer Auflage von 150 Exemplare ohne Fotos oder Halbtonabbildungen) sollten nicht mehr als 2.500 DM betragen.
  • Lassen Sie sich nicht von einem hohen Honorar, das Ihnen in Aussicht gestellt wird, blenden. Die meisten Verlage beteiligen ihre Autoren am Verkaufserfolg ihrer Bücher - jedoch werden nur selten so viele Bücher verkauft wie zuvor behauptet. So beteiligt etwa ein Hamburger Verlag seine Autoren mit 15 Prozent am Verkaufserfolg. Allerdings erst ab dem 501. verkauften Exemplar. Ein Detail am Rande: Die Auflage beträgt nur 300 Bücher. Das Kalkül, das hinter diesen Rechnungen steht, ist folgendes: Je größer das Honorar ist, das Ihnen für die Zukunft versprochen wird, desto leichter werden Sie den üppigen Druckkostenzuschuß verschmerzen, den Sie oft gleich nach der Vertragsunterzeichnung zu entrichten haben. Bei der Auflage sollte man sich deshalb nichts vormachen lassen. So traurig es scheinen mag: nur in seltenen Ausnahmen werden heute mehr als 100 Exemplare einer Doktorarbeit verkauft.
  • Achten Sie darauf, daß Ihnen der Verlag eine ausreichende Zahl an Autoren- und Pflichtexemplaren einräumt. Informieren Sie sich rechtzeitig beim Prüfungsamt, wie viele Pflichtstücke Sie der UB abliefern müssen. Nicht alle Verlage zeigen sich hier kulant; oft müssen Sie zusätzliche Autorenexemplare teuer bezahlen.
  • Viele Verlage, die nur auf den Druckkostenzuschuß aus sind, sind bestrebt, die Bücher schnell aus dem lieferbaren Programm zu nehmen. Um Lagerkosten zu sparen, nehmen sich einige Verlage das Recht heraus, einen Buchtitel schon nach drei Jahren oder noch weniger zu makulieren. Zumeist versuchen die Verlage erst gar nicht, die Exemplare einer Auflage zu verramschen, d.h. zu niedrigen Preisen auf den Markt zu werfen. Die Bücher, die sich nicht in kürzester Zeit verkaufen, werden kurzerhand weggeworfen. Es ist jedoch in Ihrem Interesse, daß Ihre Forschungsergebnisse über einen möglichst langen Zeitraum einsehbar bleiben. Wenn Sie in Ihrem Vertrag einen entsprechenden Passus sehen, mit dem sich der Verlag das Recht herausnimmt, Ihr Werk schon nach zwei oder drei Jahren zu makulieren, sollten Sie auf eine längere Lieferbarkeit bestehen. (Nach der "Vereinbarung über Vertragsnormen bei wissenschaftlichen Verlagswerken" ist der Verlag frühestens fünf Jahre "ab Erscheinen des Werkes" zum Verramschen der Restauflage berechtigt).
  • Manche Verlagsverträge enthalten Klauseln, die zumindest bei Dissertationen unangemessen sind. So gehört eine Optionsabrede, bei der sich der Doktorand verpflichtet, seine nächsten Werke dem Verlag zur Publikation anzubieten, nicht in einen Vertrag über eine Dissertation. Ein Tip: Streichen Sie den entsprechenden Paragraphen! In dem Vertragsformular eines Verlages, der sich auf die Publikation von Doktorarbeiten spezialisiert hat, heißt es: "Die Meldung des Werks bei der VG Wort und die Abtretung der Tantieme ziehen für den Urheber keine Kosten nach sich". Das klingt unverdächtig, ist in der Sache aber unverschämt. Bei der Tantieme der Verwertungsgesellschaft Wort (einer Art GEMA für Buchautoren) handelt es sich um einen einmaligen Betrag von mehreren hundert Mark, der den Autoren als Entgelt für Bibliotheksstücke, Fotokopien u.ä. ausgezahlt wird. Mit der obengenannten Klausel sollen Sie also die Ihnen zustehende Urhebergebühr "kostenlos" an den Verlag abtreten. Mit Verlagen, die Abtretungserklärungen dieser Art im Vertragsformular aufnehmen, ist eine Zusammenarbeit grundsätzlich abzuraten.


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